Manager sollten einen „langsameren“ Führungsansatz einsetzen, wenn sie langfristig den Bestand des Unternehmens sichern und die Wahrscheinlichkeit, die Belegschaft auszupowern, verringern wollen. Eine Untersuchung, die von André Spicer, Professor für Organisationsentwicklung an der Business School der University of London, mitverfasst wurde, kommt zu dem Schluss, dass "fast management" langfristig negative Folgen für das Unternehmen haben kann – also ein Managementstil, der ständig Änderungen verlangt und neue Ideen verfolgt, die immer schneller umgesetzt werden sollen.
Eine „McDonaldisierung“ des Unternehmens, bei dem Innovationen aufgrund von rasch wechselnden Markttrends nötig sind, könne durchaus dazu beitragen, dass rasch neue Projekte, Initiativen und Abteilungen geschaffen werden. Doch auf die Erfüllung der Kernaufgaben werde nicht die notwendige Aufmerksamkeit verwendet, heißt es in der Zusammenfassung der Untersuchung.
Ausweg aus teurem Teufelkreis
Entschleunigte Formen des Managements könnten dagegen zu einer verbesserten Performance der Organisation führen. Ein „langsames“ Management würde sicherstellen, dass in Projekten mehr Zeit für eine sinnvolle Ausarbeitung und Umsetzung bleibt. Damit würden Unternehmen weniger „hyperaktiv“ agieren und Zeit und Ressourcen ihrer Mitarbeiter schonen. Außerdem könnten sie auf diese Weise einen Ausweg aus einem häufig kostspieligen Teufelskreis aus zahlreichen, oft nur teilweise durchgeführten und nutzlosen Veränderungsinitiativen finden.
Um ein effektives "slow management" umsetzen, empfiehlt die Studie Managern folgende Herangehensweise:
- Reflexive Skepsis – wobei engagierte Manager ohnehin routinemäßig ihre Tätigkeit hinterfragen;
- Stärkung der Zielorientierung – Manager sollten die Konzentration der Mitarbeiter auf einige wenige entscheidende Vorgänge lenken (wie Lehrer, die die Aufmerksamkeit von Kindern auf bestimmte Aufgaben richten, oder Sporttrainer, die die Gedanken der Teammitglieder auf die Leistung fokussieren und „Nebengeräusche“ ausblenden);
- Stategisches Gespür – Manager sollten Zeit für den Aufbau und die Pflege von Beziehungen aufwenden – auch um die Interessen, Perspektiven und Ideen der Personen um sie herum zu verstehen.
„Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass dieser Ansatz für die Mitarbeiter besser ist, weil sie nicht ständig von Projekten mit neuen Vorgaben in Beschlag genommen und von ihrer eigentlichen Arbeit abgelenkt werden“, meint Spicer. „Für Unternehmen ist der Ansatz vorteilhafter, weil sie sich auf ihre Stärken, nämlich ihr Kerngeschäft, konzentrieren können. Und schließlich kommt die Methode sogar der Gesellschaft als Ganzes zugute, weil sie zu einer Wirtschaft führt, die auf widerstandsfähigeren und langlebigeren Organisationen basiert.“ (hp)



