In Freibädern mit oft großen Wasserflächen können bei einer nur leichten Temperaturabsenkung bis zu 25 Prozent Energie eingespart werden (Symbolbild).

In Freibädern mit oft großen Wasserflächen können bei einer nur leichten Temperaturabsenkung bis zu 25 Prozent Energie eingespart werden (Symbolbild).

Bild: © Nuwanda/AdobeStock

Von Andreas Lorenz-Meyer

In Leipzig hatten die Vorbereitungen auf die Freibadsaison wie immer schon im November des Vorjahres begonnen. Zum einen ging es darum, die parkähnlichen Anlagen herzurichten. Das Schreberbad zum Beispiel ist über 150 Jahre alt, da fallen viele Instandsetzungsarbeiten an. Zudem mussten neue Gutachten und Freigaben eingeholt werden. Und drittens galt es, wie vor jeder Saison, ausreichend Personal zu rekrutieren – für die Kassen, die Reinigung und natürlich die Aufsicht am Beckenrand. "Alle Stellen sind besetzt", verkündet Martin Hagedorn, Leiter der Leipziger Sportbäder, die neben neun Schwimmhallen fünf klassische Freibäder betreiben. "Wir sind wegen des Bewerberüberhangs sogar in der Lage, mögliche Ausfälle zügig nachzubesetzen."

Die Mitarbeiterstruktur des Freibadbetriebs in Leipzig sieht so aus: Die Festangestellten bilden das "personelle Rückgrat". Während der Wintersaison in den Schwimmhallen im Einsatz, wechseln viele ab April schrittweise in die Freibäder. Dort arbeiten sie auch die jährlich rund 65 Saisonkräfte ein, das zweite personelle Standbein. Diese bringen das Gelände auf Vordermann, lernen kassieren oder nehmen an Rettungsübungen teil.

Mix an Rekrutierungskanälen

Grundsätzlich erfordere Recruiting viel Arbeit und Weitblick. So etwas mache man nicht nebenbei. Es sei wichtig, frühzeitig zu beginnen, sich lokale Netzwerke aufzubauen und diese zu bespielen. Beispiel Rettungsschwimmer: Zwar leben in einer wachsenden Universitäts- und Sportstadt viele junge Menschen, die am Schwimmen interessiert und bereit sind, sich ausbilden zu lassen. Aber ein Freibadbetreiber muss eben auch wissen, wo geeignete Kandidaten zu finden sind. "Wir suchen ganz gezielt: an der Sportfakultät der Universität, bei Schwimmvereinen oder in unseren eigenen Schwimmhallen." Das zahle sich aus. Zuletzt stieg die Anzahl der Bewerbungen wieder, die Pandemie-bedingte Ausbildungsdelle scheint überwunden.

Die Leipziger Sportbäder nutzen eine ganze Reihe Rekrutierungskanäle: Anzeigen im Fahrgastfernsehen der Straßenbahnen und Busse, Radiobeiträge und Social-Media-Posts – letztere sind für Hagedorn aber nur eine Ergänzung. Grundsätzlich rät er auch im digitalen Zeitalter zu analogen Formaten. "Menschen wollen sich direkt mit Menschen austauschen. Wir investieren da viel und gehen auch auf Job- und Ausbildungsmessen. Hier kommen wir mit Interessenten ins Gespräch und können erste Fragen sofort beantworten." Hinzu kommen Konzern-eigene Kanäle. Über die Website können sich Interessenten direkt bewerben. Zudem werden Mitarbeiterzeitung, Kundenmagazin und Intranet genutzt, um ständig präsent zu sein. Hier ergeben sich "Multiplikatoreneffekte", Beschäftigte werben also Beschäftigte.

Flexibel und kreativ sein

Wie stellt sich die Situation bei kleineren Stadtwerken dar, die nicht auf solche Konzernstrukturen zurückgreifen können? Das Freibad im schleswig-holsteinischen Schwentinental hat 50.000 bis 70.000 Besucher pro Jahr. Dort arbeiten zwei Festangestellte als Schwimmmeister, zudem braucht es pro Saison acht Kassenmitarbeiter und fünf bis sechs Rettungsschwimmer. "Die Rahmenbedingungen für die Rekrutierung sind schwierig", stellt Stadtwerke-Geschäftsführer Jens Wiesemann fest. Zum einen weil es sich überwiegend um Nebenjobs handelt, zum anderen, weil ein Freibad eben nur in der schönen Jahreszeit geöffnet hat. Das passe bei vielen nicht zu den Vorstellungen bezüglich Work-Life-Balance. Aber Flexibilität hilft, so Wiesemann: "Wir sind immer bereit, die Arbeitszeiten mit den Bewerbern abzustimmen. Manche können nur an bestimmten Tagen oder nur vormittags. Wir freuen uns auch, wenn jemand ausschließlich am Wochenende arbeiten will. Manche haben schon den Urlaub geplant, das berücksichtigen wir genauso." Eine klassische Bewerbung wird grundsätzlich nicht erwartet, der Lebenslauf reicht. "Wir versuchen, die Hürden niedrig zu halten."  

In Winnenden bei Stuttgart war und ist die Bewerberlage auch eher angespannt. "Dennoch konnten wir den Fachkräftebedarf in den letzten Jahren immer decken", so Sascha Seitz, Bäderleiter bei den Stadtwerken. Im Wunnebad, bestehend aus Freibad, Hallenbad und Sauna, sind rund 45 Personen beschäftigt und rotieren zwischen den Abteilungen. Was den Job im Freibad für sie attraktiv macht? Die Festangestellten gewichten ein gutes Arbeitsklima und eine gute Komunikation vonseiten des Arbeitgebers am höchsten, erst danach folgen Gehalt und flexible Arbeitszeiten, so Seitz. An dritter Stelle kommen die ganzen Benefits: Essenszuschuss oder kostenlose Benutzung der Anlagen." Kurze Anfahrtswege vom Wohnort erleichtern die Rekrutierung. Viele Mitarbeiter kommen aus Winnenden und Umgebung. Bei den Rekrutierungskanälen setzt Seitz ausschließlich auf Social Media: Facebook und Instagram. "Beide Plattformen sind umsonst. Und wir bekommen mit wenig Aufwand eine relativ große Reichweite." Die Posts enthalten in aller Kürze die wichtigsten Angaben zur Arbeit und zum Gehalt. Seitz empfiehlt, kreativ zu sein. "Eyecatcher" hätten die größeren Erfolgschancen.

Faktor demografischer Wandel?

Die NEW in Mönchengladbach nutzt neben Facebook und Instagram auch Tiktok, um Personal für die beiden Freibäder Volksbad und Schlossbad Niederrhein (mit angeschlossenem Hallenbad) anzuwerben. In einem Tiktok-Video posiert ein Mitarbeiter mit Sonnenbrille lässig vor der Kamera, in einem anderen wird der Stundenlohn von mindestens 17,05 Euro hervorgehoben. Neben Social-Media-Kanälen ist die Ausbildung von Fachkräften ein wichtiges Rekrutierungselement, so Bäderleiter Armin Brückner. "In der Spitze hatten wir bis zu zwölf Azubis – das hilft uns, qualifiziertes Personal zu bekommen und langfristig zu binden."

Für beide Anlagen müssen jedes Jahr wieder viele Saisonkräfte eingestellt werden. "Wir rekrutieren verstärkt Schüler und Studenten, die einen Ferien- oder Semesterferienjob suchen." Oft wird ihnen zum Saisonende ein Vertrag als Stammkraft in den Hallenbädern angeboten. Viele seien so schon fest engagiert worden. Weitere Faktoren, die die Personaldecke stabilisieren: flexible Arbeitszeiten, Weiterbildungsangebote und die betriebliche Gesundheitsförderung in den Hallenbädern.

Und der demografische Wandel? Der bereitet Brückner zumindest im Freibadbetrieb noch keine Sorgen. Dort spiele er eine "nachgelagerte Rolle", weil der Großteil der Mitarbeiter saisonal eingestellt wird. Die ganzjährig geöffneten Hallenbäder mit ihrem hohen Anteil Stammkräfte könnte es früher treffen. Mittlerweile gingen mehr Arbeitnehmer in Rente als neue auf den Arbeitsmarkt kommen. Daher werde es hier künftig schwieriger, neues Personal zu finden. 

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