Die Corona-Pandemie hat einen nachhaltigen Digitalisierungsschub in den deutschen Unternehmen ausgelöst. Rund jedes Zweite (49 Prozent) gibt an, dass Corona die Digitalisierung des eigenen Geschäftsmodells beschleunigt hat. Vor zwei Jahren, kurz nach Beginn der Pandemie, waren es erst 15 Prozent. Das hat eine Befragung des Digitalverbandes Bitkom herausgefunden.
"Die letzten Zweifel an der Digitalisierung sind ausgeräumt", sagte Bitkom-Präsident Achim Berg. Nun müssten sich die Unternehmen aber anstrengen, um Geschäftsprozesse umzustellen.
80 Prozent haben Digitalstrategie
In 44 Prozent der Unternehmen hat Corona die Digitalisierung der Geschäftsprozesse beschleunigt (2020: 18 Prozent). 6 von 10 Unternehmen (60 Prozent) sind überzeugt, dass digitale Technologien dabei geholfen haben, die Pandemie zu bewältigen. Eine knappe Mehrheit (53 Prozent) betont, dass Corona einen Innovationsschub im eigenen Unternehmen ausgelöst hat.
Inzwischen verfügen zudem vier von fünf Unternehmen (83 Prozent) über eine Digitalstrategie. Vor zwei Jahren lag der Anteil erst bei 74 Prozent.
Digitalisierung macht krisenfest
Im laufenden Jahr werden die Investitionen in die Digitalisierung von Büro- und Verwaltungsprozessen voraussichtlich weiter zunehmen. 29 Prozent der Unternehmen wollen in diesem Jahr mehr investieren als 2021, nur 14 Prozent planen, ihre Investitionen zurückzufahren. Die Mehrheit (53 Prozent) lässt die Ausgaben unverändert.
"Digitalisierung macht Unternehmen krisenfest", betonte Berg. "Corona war offensichtlich der Anstoß für viele überfällige Digitalisierungsmaßnahmen, der durch Corona ausgelöste Digitalisierungsschub verstetigt sich."
Smartphones häufiger verwendet
Alle Unternehmen nutzen E-Mails und 96 Prozent kommunizieren mit Festnetz-Telefonen. Smartphones nutzen 83 Prozent sehr häufig oder häufig, vor zwei Jahren waren es 81 Prozent und 2018 erst 51 Prozent.
Videokonferenzen gehören in 72 Prozent der Unternehmen zum Alltag, 2020 waren es noch 61 Prozent und 2018 nur 48 Prozent. Messenger nutzt die Hälfte der Unternehmen (51 Prozent), vor zwei Jahren waren es 50 Prozent.
Vorbehalte bei komplexeren Tools
Kollaborationstools setzen 40 Prozent ein (2020: 36 Prozent). Und in jedem dritten Unternehmen (36 Prozent) wird inzwischen häufig über Social Media kommuniziert (2020: 29 Prozent, 2018: 25 Prozent).
Bei Kolloborationstools wie etwa Teams, Slack oder Google Workspace gebe es noch Vorbehalte, auch die komplexen Funktionen zu verwenden, etwa das gemeinsame Arbeiten an Dokumenten. Fehlendes Wissen und schwierige Bedienbarkeit stünden hier im Weg.
Briefpost geht zurück
Trotzdem gehen die klassischen Kommunikationsmittel zurück: Erstmals nutzt weniger als die Hälfte der Unternehmen (48 Prozent) häufig oder sehr häufig die Briefpost (2020: 56 Prozent, 2018: 71 Prozent). Und nur noch 40 Prozent greifen häufig auf das Fax zurück. Vor zwei Jahren waren es noch 49 Prozent, 2018 sogar noch 62 Prozent.
"Die Digitalisierung der Kommunikationswege ist unumkehrbar – und sie hat sich noch einmal deutlich beschleunigt", unterstrich Berg. "Das hybride Arbeiten wird der Standard."
Große Unternehmen deutlich weiter
Der vom Bitkom alle zwei Jahre veröffentlichte Digital Office Index steigt demzufolge im Durchschnitt von 55 im Jahr 2020 auf 59 Punkte in diesem Jahr. Dabei stehen 100 Punkte für vollständig digitalisiert, 0 Punkte für überhaupt nicht digitalisiert. Große Unternehmen sind dabei deutlich weiter als kleinere.
So lag der Digital Office Index für Unternehmen mit 500 und mehr Beschäftigten bei 68 Punkten, der für Unternehmen mit 100 bis 499 Beschäftigten bei 63 Punkten. Unternehmen, die 20 bis 99 Menschen beschäftigen, erreichen dagegen erst 58 Punkte.
2 Prozent gelten als Nachzügler
Damit gehören laut dem diesjährigen Digital Office Index 39 Prozent der Unternehmen zu den Vorreitern bei der Digitalisierung und 36 Prozent haben einen durchschnittlichen Digitalisierungsfortschritt. Zugleich haben 23 Prozent einen unterdurchschnittlichen Digitalisierungsfortschritt und 2 Prozent gelten als Nachzügler. (jk)



