Die Pandemie hat den Wandel der Arbeitswelt hin zu flexiblen Arbeitsmodellen beschleunigt. (Symbolbild)

Die Pandemie hat den Wandel der Arbeitswelt hin zu flexiblen Arbeitsmodellen beschleunigt. (Symbolbild)

Bild: © Luke Peters/Unsplash

In zahlreichen Unternehmen stehen derzeit Mitarbeiter-Benefits als auch das Homeoffice zur Debatte. Und obwohl knapp drei Viertel der befragten Führungskräfte in Deutschland (73 Prozent) befürchten, dass sich Einsparungen negativ auf die Motivation der Mitarbeiter auswirken könnten, scheinen ihre Prioritäten festzustehen - nicht zum Vorteil der Arbeitnehmer, wie eine Studie der Karriereplattform Linkedin herausgefunden haben will.

Demnach sei es für zwei von fünf deutschen Unternehmen (39 Prozent) das oberste Gebot, sich in den nächsten Monaten auf die bevorstehenden finanziellen Herausforderungen vorzubereiten. Dies bedeute vor allem, dass sie Einsparungen auf Kosten der Angestellten in Erwägung ziehen. Für Mitarbeiter verheißt dieser Plan nichts Gutes, wie weitere Ergebnisse der Studie zeigen.

Hohe Sparbereitschaft in Deutschland

Denn Unternehmen wollen nicht nur Investitionen in ihre technische Ausstattung und IT (40 Prozent) oder das Marketing (34 Prozent) kürzen, sondern auch ihre Mitarbeiter-Benefits reduzieren: Jedes zweite Unternehmen (48 Prozent) hat an dieser Stelle bereits Kürzungen vorgenommen, ein weiteres Viertel (26 Prozent) plant dies noch zu tun.

Mit 74 Prozent der Unternehmen, die ihre Benefits kürzen (wollen), liegt Deutschland nicht nur über dem internationalen Durchschnitt (66 Prozent), sondern erreicht in Europa sogar den zweithöchsten Wert hinter Schweden (80 Prozent), heißt es.

Fatales Signal

Bei mehr als einem Drittel der Unternehmen betreffen die Einsparungen aktuell zum Beispiel die Kostenübernahme für die technische Ausstattung im Homeoffice (35 Prozent), zusätzliche freie Tage (35 Prozent) und Zuschüsse zu den Internetkosten, die durch die Arbeit Zuhause entstehen (34 Prozent).

Diese Maßnahmen seien insofern überraschend, weil Führungskräfte sich sehr wohl der finanziellen Belastung ihrer Mitarbeiter bewusst sind, so die Studienautor*innen. Demnach glauben 44 Prozent der Führungskräfte sogar, dass dies derzeit die größte Sorge ihrer Angestellten ist. Dahinter folgt die Angst, aufgrund der wirtschaftlichen Situation entlassen zu werden (36 Prozent). Einsparungen könnten somit ein fatales Signal senden und die Sorgen sogar verstärken, heißt es weiter.

Chefs weiterhin misstrauisch

Zudem möchten Unternehmen ihre Mitarbeiter offenbar wieder öfter im Büro sehen: Mehr als jede vierte Führungskraft (28 Prozent) befürchtet nach wie vor, dass Arbeitnehmer im Homeoffice weniger produktiv sind. Entsprechend plant gut ein Viertel (24 Prozent) bereits, die Mitarbeiter wieder verstärkt ins Büro zurückzuholen.

Grundsätzlich würden es sogar 58 Prozent der Befragten präferieren, wenn ihre Mitarbeiter in dieser wirtschaftlich unsicheren Situation öfter im Büro arbeiten würden. Bei dieser Frage erreicht nur Irland europaweit einen höheren Wert (65 Prozent) als Deutschland.

Remote Jobs mit mehr Bewerbungen

Doch hier drohe Konfliktpotenzial, schreiben die Studienautor*innen. Denn Arbeitnehmer hätten das Homeoffice und die damit vielerorts einhergehende Flexibilität in den letzten Jahren zu schätzen gelernt. Dass die unterschiedlichen Vorstellungen bei dieser Thematik schon jetzt aufeinanderprallen, zeige auch der aktuelle Linkedin Global Talent Trends Report.

Demnach war im September lediglich jede zehnte ausgeschriebene Stelle in Deutschland (10 Prozent) als remote Job (also zu 100 Prozent im Homeoffice) ausgewiesen. Gleichzeitig hätten diese Positionen jedoch mehr als ein Fünftel der Bewerbungen (22 Prozent) erhalten. Während dieser Wert seit Anfang des Jahres auf gleichem Niveau verharrt, nimmt die Anzahl der remote Jobs seit Januar (12 Prozent) stetig ab.

Gemeinsame Lösungen

"Unternehmen sollten vorsichtig evaluieren, in welchem Umfang sie die Flexibilität ihrer Mitarbeiter*innen in der aktuellen Situation beschränken wollen. Das Homeoffice hat sich bewährt, diese Option zu streichen oder einzuschränken, könnte die Motivation und Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter*innen erheblich beeinträchtigen", sagt Barbara Wittmann, Country Manager und Senior Director Talent Solutions bei Linkedin DACH.

Dabei seien motivierte und zufriedene Mitarbeiter*innen der Schlüssel, um als Unternehmen eine Krise bewältigen zu können. "Und in Zeiten des Fachkräftemangels sollte auch nicht in Vergessenheit geraten, wie wichtig die Zufriedenheit der Mitarbeiter*innen ist, um diese zu halten", so Wittmann weiter. Arbeitgeber sollten gemeinsam mit ihren Angestellten nach Lösungen suchen oder zumindest ein hohes Maß an Transparenz und Offenheit schaffen. Dadurch könnten sie Vertrauen aufbauen und Enttäuschungen für ihre Mitarbeiter*innen vermeiden.

Demokratischer Führungsstil

Immerhin teilen drei von fünf der deutschen Befragten (59 Prozent) in der Studie diese Einschätzung. Sie glaubten demnach, dass ein demokratischer Führungsstil, bei dem sie nicht allein Entscheidungen treffen, in der aktuellen Situation der richtige Weg für ihr Unternehmen sei.

Zudem fragt jeder Zweite (52 Prozent) seine Mitarbeiter nun nach Verbesserungsvorschlägen und Möglichkeiten, um die Effizienz zu steigern. Gerade wenn der Druck von außen groß ist, profitieren Unternehmen und Mitarbeiter davon, wenn sie am selben Strang ziehen, heißt es in der Studie. (jk)

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