Auch in der kommunalen Wirtschaft wird es zunehmend schwieriger und langwieriger, Führungspositionen zu besetzen. Gleichzeitig wächst der Druck, Veränderungen voranzutreiben: Digitalisierung, Regulierung und Transformationsanforderungen erhöhen die Komplexität – und vielerorts bleiben Projekte liegen. Nicht, weil der Wille fehlt, sondern weil Kapazitäten, spezifische Expertise oder Umsetzungserfahrung im entscheidenden Moment nicht verfügbar sind.
Interimsmanagement hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der wirksamsten Instrumente moderner Unternehmenssteuerung entwickelt – auch und gerade im kommunalen Umfeld. Dabei geht es längst nicht mehr nur um das Überbrücken von Vakanzen. Interimsmanagement ist ein strategischer Hebel, um Projekte zu beschleunigen, Transformationen umzusetzen und anspruchsvolle Herausforderungen in kurzer Zeit strukturiert zu bewältigen.
Als Partner bei den Management Angels – Teil der internationalen EIM Group – arbeitet Till Puffert mit einer Community aus über 14.000 erfahrenen Interimsmanagern. Mithilfe einer praxiserprobten "Management-Toolbox" werden in kurzer Zeit Profile identifiziert, die nicht nur fachlich passen, sondern vor allem umsetzungsstark sind: Menschen, die Verantwortung übernehmen, Entscheidungen herbeiführen und Ergebnisse liefern.
Probleme lösen statt Positionen besetzen
In meinen Gesprächen mit Stadtwerken, Netzbetreibern und kommunalen Unternehmen beginne ich stets mit einer einfachen, aber zentralen Frage: "Was sind Ihre größten Herausforderungen in den nächsten sechs bis zwölf Monaten?"
Diese Perspektive verändert den Blick. Denn häufig steht nicht die Besetzung einer konkreten Rolle im Vordergrund, sondern ein Ergebnis: ein Projekt, das stockt, ein Bereich, der neu organisiert werden muss, eine Regulierung, die fristgerecht umgesetzt werden soll oder ein IT-Vorhaben, das die Organisation überfordert.
Interimsmanagement ist genau für solche Situationen geeignet: wenn Zeit knapp ist, der Veränderungsdruck hoch und die Verantwortung nicht auf "später" verschoben werden kann.
Praxisbeispiel E-Regio
Wie Interimsmanagement in der Praxis wirkt, zeigt die Zusammenarbeit mit dem regionalen Energieversorger E-Regio im Rheinland. Dort begleiten wir das Unternehmen dabei, den Kundenservice grundlegend neu aufzustellen – mit digitalen Prozessen, Self-Service-Plattformen und einer optimierten Organisation.
Der Ausgangspunkt: Serviceprozesse sollten modernisiert, Schnittstellen verbessert und konsequent kundenzentrierte Abläufe etabliert werden. Jörg Bordt, ein erfahrener Interimsmanager, übernahm die Projekt- und Umsetzungsverantwortung, koordinierte die Fachbereiche, definierte Metriken und führte agile Arbeitsweisen ein. Das Ziel war nicht ein Konzeptpapier, sondern messbare Wirkung – und eine nachhaltige Übergabe in den Linienbetrieb.
Jörg Bordt erinnert sich an den Projektstart: "Als ich im Frühjahr 2023 zu E-Regio kam, war der Kundenservice stark gefordert: Zusammenschlüsse, Flut, Covid und Energiepreiskrise hatten die bestehenden Strukturen an ihre Grenzen gebracht. Mein Auftrag war klar – den Service digitalisieren, Prozesse beschleunigen und Kundenerlebnisse verbessern."
Blick auf die eigentlichen Herausforderungen
Im Rahmen des Projekts wurde eine Digitallandkarte entwickelt, Automatisierungen eingeführt und der Kundenservice neu gedacht. "Dazu gehörten ein KI-gestützter Sprach-Bot, Self-Service-Plattformen, der Austausch der Routing-Plattform als zentrales Steuerungstool des Kundenservice und ein unternehmensweites Wissensmanagement", erläutert Bordt.
So konnten Kundenanliegen in Echtzeit bearbeitet und Prozesse messbar effizienter gestaltet werden – mit Einsparungen von bis zu 40 Prozent. "Aus einer Digitalisierungsinitiative wurde ein umfassender Wandel: Der Kundenservice ist heute moderner, agiler und näher am Kunden. Entscheidend für den Erfolg waren Vertrauen, Offenheit und der Mut, neue Wege zu gehen."
Auch die Geschäftsführung hebt den Nutzen der externen Umsetzungskraft hervor. Stefan Dott, Chef der E-Regio: "Mit der Unterstützung der Management Angels und Interimsmanager Jörg Bordt waren wir in der Lage, unsere Ziele für den Kundenservice der Zukunft konsequent umzusetzen. Wir haben neue Technologien und Systeme in sehr kurzer Zeit implementiert und parallel die Organisation sowie die Kompetenzen im Team weiterentwickelt."
Der entscheidende Vorteil war, "dass wir von Beginn an mit klaren Zielen, der notwendigen externen Kompetenz und Umsetzungsstärke unterwegs waren. Es ist schnell Vertrauen entstanden, sodass wir die notwendigen Veränderungen auch gemeinsam mit den Teams zum Erfolg führen konnten. Damit haben wir die Basis für die Zukunftsfähigkeit unseres Kundenservice gelegt", so Dott.
Unternehmerische Denke
Dieses Beispiel zeigt, wofür Interimsmanagement heute steht: Es geht weit über Vakanzüberbrückung hinaus. Interimsmanagerinnen und -manager bringen Erfahrung und Umsetzungskompetenz, arbeiten ergebnisorientiert und denken unternehmerisch. Vor allem aber sorgen sie dafür, dass Projekte nicht nur angestoßen, sondern auch erfolgreich abgeschlossen und in die Organisation überführt werden.
Mein Eindruck aus vielen Mandaten: Wenn kommunale Unternehmen Interimsmanagement frühzeitig als strategischen Hebel verstehen – nicht erst als "Notfalllösung" –, gewinnen sie Handlungsspielraum. Und genau darum geht es: in Zeiten steigender Komplexität handlungsfähig zu bleiben.
Wie ich es oft zusammenfasse: Interimsmanagement öffnet den Blick auf die eigentliche Herausforderung – und bringt die notwendige Kraft, sie zu lösen.



