Der Fachkräftemangel geht auch an den Nahverkehrsunternehmen nicht spurlos vorbei. Auf der Most-Wanted-Liste stehen vor allem Techniker und Ingenieure.

Der Fachkräftemangel geht auch an den Nahverkehrsunternehmen nicht spurlos vorbei. Auf der Most-Wanted-Liste stehen vor allem Techniker und Ingenieure.

Bild: © Herrndorff/Adobe Stock

Der deutsche Arbeitsmarkt steht kurz vor einem grundlegenden Umbruch. Sind die Erwerbspersonenzahlen in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen, werden sie mit dem Übergang der geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer in den Ruhestand aller Voraussicht nach deutlich einbrechen. Das schreibt Wido Geis-Thöne, Senior Economist für Familienpolitik und Migrationsfragen des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), anlässlich der Vorstellung des Reports „Mögliche Entwicklungen des Fachkräfteangebots bis zum Jahr 2040“.

Wie stark der Rückgang der Fachkräftebasis dabei ausfällt und wann er genau einsetzt, hängt maßgeblich von zwei Faktoren ab, die sich nicht genau vorhersehen lassen. Der erste sind die Wanderungsbewegungen zwischen Deutschland und dem Ausland, die in den letzten Jahrzehnten in kaum abzuschätzenden Wellen verlaufen sind. So gab es etwa um das Jahr 2010 noch keine Anzeichen dafür, dass es zur Mitte des Jahrzehnts neben einer starken Nettozuwanderung aus den neuen EU-Mitgliedsländern zum stärksten Flüchtlingszuzug in der Geschichte der Bundesrepublik kommen würde.

Auswirkungen der Rente mit 67

Der zweite Faktor ist die Erwerbsbeteiligung der über 60-Jährigen. Diese wird mit dem Übergang zur Rente mit 67 Jahren aller Voraussicht nach noch weiter steigen. Jedoch sind die Zusammenhänge zwischen den Regelungen in der gesetzlichen Rentenversicherung und der Erwerbsbeteiligung im höheren Alter – insbesondere auch vor dem Hintergrund des Zusammenspiels mit der betrieblichen und privaten Altersvorsorge – so komplex, dass sie sich kaum auf wenige Prozentpunkte genau abschätzen lässt, meint der IW-Forscher.

Dabei sind etwaige weitere rentenrechtliche Veränderungen noch gar nicht in Betracht gezogen. Beispielsweise ist vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ein weiterer Anstieg des gesetzlichen Renteneintrittsalters in den nächsten zwei Jahrzehnten denkbar.

Drei Szenarien

In der Untersuchung werden drei Szenarien zu den Folgen des bevorstehenden Ausscheidens der Babyboomer-Generation aus dem Arbeitsleben untersucht. Bleibe es bei der aktuellen Rentenregelung und falle die Zuwanderung gering aus, werde die Zahl der Fachkräfte im schlimmsten Fall bis 2040 um 4,2 Mio. oder 12 Prozent auf 31,2 Mio. schrumpfen, prognostizierten die Wissenschaftler.

Wahrscheinlicher sei aber ein mittleres Szenario, in dem die Zahl der Fachkräfte um 3,1 Mio. oder 8,8 Prozent sinke. Mit einer gezielten Weiterentwicklung der Zuwanderungsregelungen und einem späteren Renteneintritt könne die Zahl der am Arbeitsmarkt aktiven Fachkräfte zwischen 20 und 69 Jahren in den kommenden Jahrzehnten aber auch nahezu konstant gehalten werden, meinten die Forscher.

Strukturelle Veränderungen
 
Auf jeden Fall müsse sich die Wirtschaft darauf einstellen, dass sich das Fachkräfteangebot in den kommenden Jahrzehnten strukturell stark verändern werde. Denn immer mehr junge Menschen strebten eine akademische Ausbildung an. Während die Zahl der beruflich qualifizierten Fachkräfte deutlich sinke, werde die Zahl der Akademiker in den nächsten zwei Jahrzehnten deutlich ansteigen. Hier geht es zu dem Report. (dpa/hp)

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