Mit der Initiative "CEO der Zukunft" bietet die Kommunalwirtschaft dem Führungsvakuum seit Anfang des Jahres die Stirn. Insgesamt 40 Mentees nehmen an dem Programm teil, um Perspektiven und neue Ansätze für künftige Herausforderungen zu erlangen. Eine von ihnen ist Lena Schmölcke, die als Bereichsleitung Technischer Service bei den Stadtwerken Neustadt in Holstein (SWNH) längst in einer hohen Position rangiert. Sie sieht das Programm als Sprungbrett, um ihre eigenen Fähigkeiten weiter zu schärfen: "Ich gehe immer einen halben Meter größer aus jedem Termin mit meiner Mentorin Kirsten Fust heraus; das muss ich wirklich sagen", sagt Schmölcke, als sie die ersten Monate des Programms Revue passieren lässt.
Kirsten Fust, Sprecherin der Geschäftsführung der Hamburger Energiewerke, ist eine von insgesamt 30 Mentor:innen, die sich im Rahmen des Programms engagieren. Allesamt bringen sie sich ein, um junge Manager:innen auf Höheres vorzubereiten und Deutschlands kommunale Unternehmen lückenlos in die nächste Ära zu führen. Keinesfalls handelt es sich dabei um Anfänger, wie der Lebenslauf Schmölckes beweist. Als Leiterin eines technischen Bereichs eilt sie ihrer Zeit statistisch gesehen sogar voraus. Denn Frauen sind in genau diesen Berufen nach wie vor unterrepräsentiert.
Einmalige Chance, von Profis zu lernen
Schon im Bachelorstudium an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel machten Frauen nur einen Bruchteil des Jahrgangs aus, sagt Schmölcke – allesamt absolvierten aber auch den Master-Abschluss. "Wo sollen weibliche technische Führungskräfte denn auch herkommen, wenn wir schon da so wenige sind", stellt sie fest.

Kaum verwunderlich ist es, dass die Chemie zwischen Schmölcke und ihrer Mentorin stimmt. Denn auch Fust hat technische Ursprünge. Ein solches Vorbild motivierte Schmölcke, sich überhaupt zu bewerben. "Die Mentorenliste war zumindest zum Teil relativ früh bekannt. Wenn man in der Bubble der Kommunalwirtschaft unterwegs ist, sind das einfach Größen; das kann ich nicht anders sagen", erklärt sie. "Die Tatsache, dass man von Profis aus genau diesem Umfeld lernen kann, ist einmalig."
Wenn man in der Bubble der Kommunalwirtschaft unterwegs ist, sind das einfach Größen.
Schmölcke selbst arbeitet bereits seit ihrem Abschluss für Stadtwerke. "Mir macht meine Arbeit und auch das Umfeld Spaß", sagt sie. "Die Leute fühlen sich einfach sehr verbunden mit ihrem Unternehmen und ihrer Region, weil man ja wirklich aktiv etwas dafür tut."
Die Tatsache, dass die Kommunalwirtschaft an sich im Mittelpunkt stehe, sei daher auch der größte Anreiz gewesen, sich bei "CEO der Zukunft" zu bewerben. "Als ich gehört habe, dass es das Programm geben soll, dachte ich, dass es sich großartig anhört, weil es auf die kommunale Wirtschaft zugeschnitten ist. Das ist so passend für mich und wahrscheinlich für alle, die in dieser Branche unterwegs sind", sagt sie.
Sicher war sie sich jedoch nicht, dass sie tatsächlich den Zuschlag erhalten würde. Denn von 400 Bewerber:innen wurde zuletzt nur ein Zehntel ausgewählt. Umso größer war ihre Freude über die Zusage. "Als ich meinem Chef erzählt habe, dass ich einen Platz bekommen habe, hat er mir direkt gratuliert.", so Schmölcke. "Er war auch ein wenig stolz, glaube ich." Insgesamt stehe ihr Arbeitgeber dem Unterfangen sehr positiv und unterstützend gegenüber.
Informationen zur Bewerbung
Bis 6. September
Junge Talente gesucht: Die Bewerbung als Mentee für die zweite Staffel von "CEO der Zukunft" ist noch möglich. Hier geht es zur Website. Die ZFK ist Medienpartner der gemeinsamen Initiative von rund 30 kommunalen Unternehmen.
Balance-Akt zwischen Familie und Arbeit
Es gab jedoch eine ganz persönliche Herausforderung: Als sie ihre Bewerbung abschickte, stand die 37-Jährige kurz vor dem Mutterschutz. "Ich habe dann aber gedacht, ich mache das trotzdem. Wer weiß, ob es das noch einmal gibt", blickt sie zurück.
Auch diesbezüglich weiß Schmölcke zu schätzen, eine Mentorin an ihrer Seite zu haben, die selbst den Balance-Akt zwischen Familie und Arbeit meistert. "Ich glaube, Kirsten Fust versteht es noch am ehesten, dass man manchmal einfach diesen Zwiespalt hat", erklärt Schmölcke. "Natürlich liebe ich meinen Job und möchte immer 120 Prozent geben. Mit zwei Kindern geht das manchmal aber nicht."
Aktuell bedeutet dies auch, dass sie sich doppelt ins Zeug legen muss. Denn die reduzierten Stunden in Elternzeit investiere sie komplett ins Unternehmen; Meetings und Seminare im Rahmen des Programms leiste sie daher in ihrer Freizeit. "Der Arbeitsaufwand ist es absolut wert, denn man investiert zu 100 Prozent in sich selbst. Damit ist es auch wirklich abseits dessen, was man im Tagesgeschäft macht, und das kann nur gut sein."
Der Arbeitsaufwand ist es absolut wert, denn man investiert zu 100 Prozent in sich selbst.
Als qualitativ hochwertig beschreibt Schmölcke nicht nur die Seminare. Insbesondere ihre Treffen mit Kirsten Fust seien sehr inspirierend und aufbauend. "Manchmal sind es einfach Denkanstöße, die mich antreiben, mir bestimmte Dinge noch einmal anzusehen, die wir besprochen haben", erklärt sie.
Als besonderen Aha-Moment beschreibt Schmölcke eine Erkenntnis, die sich aus eben dieser Dynamik ergab. Denn obwohl alle Mentees bereits über Führungserfahrung verfügen, mache sich gelegentlich jeder Gedanken darüber, ob er oder sie überhaupt das Zeug habe, eine noch höhere Position zu füllen.
"Oft vergleicht man sich selbst mit Vorgesetzten", erörtert sie. Das Programm helfe, zu reflektieren, dass dies aber nicht unbedingt maßgeblich sei und es stattdessen um die Frage gehe, ob man den Job grundsätzlich erfüllen kann – und zwar mit einem eigenen Stil.
"Ich glaube, das war das größte Take-away für mich und etwas, das Kirsten Fust einem sehr gut vermitteln kann", betont Schmölcke. "Ich möchte das, und ich habe auch das Handwerkszeug dafür – und ich kann das auch einfach so machen, wie ich es für angebracht halte."

Wertvolles Mentee-Netzwerk
Als wertvoll empfindet sie auch den Austausch mit anderen Mentees. "Wir Mentees sind alle ungefähr auf dem gleichen Level und haben die gleichen Ambitionen, was sehr inspirierend ist", erörtert sie.
Die Auftaktveranstaltung in Aachen, die Anfang des Jahres stattfand, wurde daher auch zum Selbstläufer. So gebe es mittlerweile etwa eine eigene Teams-Gruppe, in der sich die Mentees informell austauschen.
Ich rate auf jeden Fall jedem, der höhere Positionen anstrebt, sich zu bewerben – selbst wenn man sich fragt, ob man das überhaupt kann.
Damit hat das Programm schon jetzt einen wichtigen Punkt erfüllt: Insbesondere habe sie sich von der zweijährigen Initiative nämlich ein starkes Netzwerk gewünscht, so Schmölcke.
"Für uns als Mentees steht definitiv fest, dass wir uns alle wiedertreffen und wir über die Jahre mit Sicherheit ein stabiles Netzwerk aufbauen, in dem wir uns gegenseitig immer wieder supporten können."
Umso mehr ermutigt sie auch andere Talente, sich an künftigen Durchgängen von "CEO der Zukunft" zu beteiligen: "Ich rate auf jeden Fall jedem, der damit liebäugelt und grundsätzlich Lust hat, weitere oder höhere Positionen anzustreben, sich zu bewerben – selbst wenn man sich fragt, ob man das überhaupt kann", appelliert sie. "Input anderer kann wahnsinnig viel wert sein. Und genau den bekommt man in diesem Programm."
