Nach 15 Jahren als Geschäftsführer der BonnNetz GmbH, einer Gesellschaft der Stadtwerke Bonn, verlässt Theo Waerder Ende Mai das Unternehmen. Sein Nachfolger steht bereits fest: Urs Reitis wechselt von den Stadtwerken Warendorf zum Bonner Netzbetreiber. Für Waerder ist es ein Teil-Ruhestand, denn erst zum 31. Dezember 2022 beendet er auch seine Tätigkeiten als Geschäftsführer der SWB Regional und der Versorger-Allianz 450.
SWB-Geschäftsführer Peter Weckenbrock und Marco Westphal erläutern in einer Pressemitteilung, dass Waerder viel zur Kontinuität und zur Weiterentwicklung der Lebensqualität von Bonn und der Region beigetragen habe. Herauszuheben sei dabei sein unermüdlicher Einsatz bei der Bewältigung der Flutkatastrophe an der Ahr als Geschäftsführer der SWB-Tochter SWB-Regional. Theo Waerders Vertrag mit BonnNetz läuft im Mai 2022 aus, nachdem er angekündigt hat, nicht für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung zu stehen.
Liberalisierung des Energiemarkts mitgestaltet
Der Diplomingenieur für Versorgungstechnik ist seit 1987 im Unternehmen und hat die Geschicke des Bonner Netzbetreibers seit 2007 in prägenden Jahren bestimmt. Für den liberalisierten Energiemarkt mussten die Netze und der Vertrieb getrennt werden - ein komplexer und mehrstufiger Prozess, den Waerder gemeinsam mit Peter Weckenbrock konsequent und umsichtig vorangetrieben hat, so die Stadtwerke Bonn. Begonnen hat Waerder im sogenannten Amt 81 der Stadtverwaltung, aus dem 1999/2000 die Stadtwerke Bonn GmbH hervorgegangen ist.
„Ich hatte das Glück, die Bonner Netze in einer Zeit zu leiten, in der sich der deutsche Strom- und Gasmarkt stark gewandelt hat, zunächst organisatorisch und dann vor allem technisch auch durch den Siegeszug der Erneuerbaren Energien. Das war oft herausfordernd, aber nie langweilig. All das konnten wir nur im Team mit hervorragenden Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen leisten“, lässt sich der langjährige Stadtwerke-Mitarbeiter zitieren. Unter Waerders Leitung hat sich der Umsatz von 83 Millionen auf rund 160 Millionen Euro nahezu verdoppelt und die Zahl der Mitarbeitenden wuchs mit den neuen Aufgaben von ursprünglich knapp zehn auf circa 370.
Verschiedene Leitungspositionen besetzt
Nach einer Anfangstätigkeit als technischer Revisor hatte Waerder ab 1997 verschiedene Leitungsfunktionen in der Versorgung inne, bevor er 2007 zum Geschäftsführer der Netzgesellschaft ernannt wurde. Die damalige SWB EnergieNetze GmbH war kurz vorher aus der SWB Energie und Wasser ausgegliedert worden, um die Bereiche der Netze und des Vertriebs zu entflechten. Waerder entwickelte und optimierte das Unternehmen, das Eigentümerin der Bonner Strom- und Gasnetze ist, aber auch die Trinkwasser-, Fernwärme-, Straßenbeleuchtungs-und Datenleitungsnetze für die SWB Energie und Wasser betreut.
Der heute 63-Jährige war in seiner Berufszeit maßgeblich an allen großen Netzübernahmen wie der Gas- und Wassernetze von der rhenag sowie des Wassernetzes Holzlar von Sankt Augustin, des Wärmenetzes der Steag und der Stromnetze in Beuel und Bad Godesberg von RWE beteiligt.
BonnNetz vergößert und modernisiert
Aus der SWB EnergieNetze GmbH wurde unter Waerders Ägide 2014 die BonnNetz GmbH, die er 2015 zu einer großen Netzgesellschaft mit aktuell rund 370 Mitarbeitenden ausgebaut hat. Sie alle haben zu Beginn des vergangenen Jahres eine neue dienstliche Heimat an der Karlstraße gefunden. Das moderne und energetisch optimierte Gebäude beherbergt neben 250 ergonomischen Arbeitsplätzen und einem Rechenzentrum auch die neue Querschnittsleitstelle für die Medien Gas, Strom, Wasser und Fernwärme. In Kürze wird am selben Standort ein großes Parkhaus entstehen, das mit Photovoltaik-Fassade und Solarmodulen ausgestattet, die größte PV-Anlage der SWB sein wird.
Seit 2006 ist Theo Waerder ebenfalls mit der Geschäftsführung der SWB Regional betraut, die mit Sitz in Adenau die Betriebsführerin des Zweckverbandes Wasserversorgung Eifel-Ahr ist. Nach der verheerenden Flutkatastrophe im Juli 2020 hatten BonnNetz- und SWB Regional-Mitarbeitende erhebliche Katastrophen- und Aufbauhilfe in der Region geleistet. Eine der wesentlichsten Wassertransportleitungen mit ca. 40 km Länge, die sogenannte Tallinie von Dorsel bis Marienthal, wird jetzt auf weiten Strecken erneuert.
Gründungsgeschäftsführer der Versorger-Allianz
Intensiv arbeitete Theo Waerder zudem auf den 9. März 2021 hin: An diesem Tag erteilte die Bundesnetzagentur der 450connect GmbH den Zuschlag für die Nutzung der 450 MHz-Funkfrequenz. An der 450connect GmbH ist BonnNetz über die Versorger-Allianz 450 MHz beteiligt. Waerder hat die Initiative als Gründungsgeschäftsführer der Versorger-Allianz maßgeblich vorangetrieben und damit die Weichen für ein besonders ausfallsicheres und flächendeckendes Mobilfunknetz für die Energie- und Wasserwirtschaft und andere kritische Infrastrukturen gestellt.
Waerders Nachfolger steht bereits in den Startlöchern: Der Versorgungsingenieur Urs Reitis tritt seinen Dienst Ende Mai an. Er ist seit 2017 Geschäftsführer bei den Stadtwerken Warendorf sowie der hundertprozentigen Tochter, der Warendorfer Energieversorgung GmbH (WEV). In Warendorf hatte er 2013 zunächst als Technischer Leiter begonnen. Der 42-Jährige begleitete unter anderem die Übernahme des Stromnetzes in der Kreisstadt sowie die neue Markenpositionierung der Stadtwerke im Regierungsbezirk Münster als heimatverbundener „Umsorger“.
Leuchtturmprojekt des Nachfolgers
Ferner wird derzeit in Warendorf eines der größten kalten Wärmenetze in Deutschland gebaut, welches bereits heute die Klimaschutzziele der Bundesregierung für das Jahr 2045 erfüllt und ein Leuchtturmprojekt über die Landesgrenzen hinaus darstellt. In seiner Zeit konnte der Umsatz der beiden Unternehmen verdreifacht und die Anzahl der Mitarbeiter verdoppelt werden.



