Als besonders motivierend empfinden Mitarbeiter von Stadtwerken den Gedanken, dass jede neue Idee und jedes umgesetzte Projekt einen Beitrag zur grünen Transformation leistet.

Als besonders motivierend empfinden Mitarbeiter von Stadtwerken den Gedanken, dass jede neue Idee und jedes umgesetzte Projekt einen Beitrag zur grünen Transformation leistet.

Bild: © Johannes/AdobeStock

Von Katja Neuhaus

"Die Green Skills, die heute zentral für meine Arbeit sind, waren während meines Studiums noch kein Thema", erklärt Jochen Ritter, Bereichsleiter für Energiedienstleistungen bei den Stadtwerken Göttingen. Mit einem Hintergrund in Energie- und Wärmetechnik begann er seine Karriere im Gasanlagen- und Pipelinebau, bevor er sich auf nachhaltige Energiesysteme spezialisierte.

Seine heutige Aufgabe umfasst die Entwicklung CO₂-neutraler Projekte wie Photovoltaik-Anlagen und den Ausbau des Fernwärmenetzes. Ritter betont: "Es braucht Durchhaltevermögen, Innovationskraft und die Fähigkeit, komplexe Konzepte verständlich zu vermitteln. Diese Kompetenzen sind essenziell, um die Energiewende erfolgreich zu gestalten."
 
Björn Grun, Projektmanager für Elektromobilität bei den Stadtwerken Kiel, kam über Umwege zur Elektromobilität. Ursprünglich Energieelektroniker, sammelte er Erfahrungen im Metering und IT-Projekteinkauf, bevor er das Innovationsthema Elektromobilität bei den Stadtwerken Kiel übernahm. "Learning on the Job" war sein Devise, um die notwendige Expertise zu entwickeln.

Björn Grun, Projektmanager für Elektromobilität bei den Stadtwerken Kiel

Viel Geduld ist wichtig

Dazu gehört die Zertifizierung bei Ladesäulenherstellern, der Umgang mit Fördermittelgebern und die Kommunikation mit öffentlichen Trägern. Gruns Arbeit hat sichtbare Ergebnisse: "Zu Beginn hatten wir lediglich zehn Ladepunkte im öffentlichen Raum, heute betreiben wir über 350 Ladepunkte mit einem vierköpfigen Team."
 
Beide Experten betonen, dass Green Skills weit über technisches Know-how hinausgehen. "Strategisches Denken, die Analyse komplexer Zusammenhänge und ein agiles Mindset sind unverzichtbar", erklärt Ritter.

Für Grun sind auch Soft Skills entscheidend: "Man muss bereit sein, neue Wege zu gehen, auch wenn diese nicht immer sofort zum Erfolg führen. Zudem ist es nötig, Geduld zu haben, denn die Welt lässt sich nicht von heute auf morgen ändern und auch betriebliche Prozesse brauchen ihre Zeit."

Jochen Ritter, Bereichsleiter für Energiedienstleistungen Stadtwerke Göttingen

Weiterbildung und Netzwerke

Die Stadtwerke selbst leisten einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung ihrer Mitarbeitenden. Sowohl Ritter als auch Grun loben die individuellen Weiterbildungsangebote und die Unterstützung durch ihre Arbeitgeber.

"Gemeinsam mit den Führungskräften werden passgenaue Programme entwickelt", erklärt Ritter. Grun hebt die Bedeutung von Netzwerken hervor: "Der Austausch mit Herstellern und die Teilnahme an Fachveranstaltungen haben mir geholfen, das notwendige Fachwissen zu vertiefen."
 
Trotz aller Fortschritte sehen die Experten auch Herausforderungen. "Die Komplexität der neuen Lösungen nimmt zu. Nachhaltige Technologien sind oft anspruchsvoller in Planung, Implementierung und Wartung", so Ritter.

Bereitschaft zur Veränderung

Hinzu komme laut Grun ein hoher bürokratischer Aufwand bei der Nutzung von Fördermitteln: "Die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen ändern sich stetig. Es braucht Flexibilität und die Fähigkeit, sich schnell an neue Gegebenheiten anzupassen." In diesem Zusammenhang betont Ritter die Wichtigkeit von Veränderungsbereitschaft.
 
Auf die Frage, was sie Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern raten würden, sind sich beide einig: Leidenschaft, Neugier und ein tiefes Verständnis für die Grundlagen seien unabdingbar. "Man sollte bereit sein, Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen", sagt Ritter.

Grun empfiehlt zudem, praktische Erfahrungen in verschiedenen Bereichen zu sammeln, von der Technik bis zur Kundenkommunikation. Der Aufbau eines Netzwerks und die Nutzung von Weiterbildungen und Zertifizierungen seien ebenfalls entscheidend.

Elektromobilität – vom Sprössling zum Baum

Die Faszination für ihre Arbeit ist beiden anzumerken. Ritter schließt mit den Worten: "Was mich antreibt, ist der Gedanke, dass jede neue Idee und jedes umgesetzte Projekt einen Beitrag zur Energiewende leistet – eine Aufgabe, die für unsere Zukunft unerlässlich ist."

Grun zieht eine bildhafte Analogie: "Es fing mit einem sehr kleinen Sprössling an und man wusste nicht, ob und wie sich das Thema Elektromobilität weiterentwickelt. Der Baum wächst noch, hat aber die ersten Stürme überstanden und wird immer größer, kräftiger und stabiler."
 
Green Skills sind nicht nur ein Schlüssel zum Erfolg der Energiewende, sondern auch eine Chance für Stadtwerke, ihre Rolle als Innovationsmotoren zu festigen. Dabei sind es die Menschen, die mit ihrer Expertise und ihrem Engagement den Unterschied machen.

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