Alireza Assadi leitet seit 2012 die Stadtwerke Oranienburg. Ende September ist Schluss.

Alireza Assadi leitet seit 2012 die Stadtwerke Oranienburg. Ende September ist Schluss.

Bild: © Stadtwerke Oranienburg

Die Stadtwerke Oranienburg trennen sich vorzeitig von ihrem prominenten Geschäftsführer Alireza Assadi. Zum 30. September räumt der Manager sein Büro, wie das Rathaus der 46.000-Einwohner-Kommune vor den Toren Berlins bekanntgab.

Damit schließt sich ein Kapitel, das vor zehn Jahren mit viel Rummel und großen Erwartungen begann und mit einer teils erbitterten Schlammschlacht mit Oranienburger Lokalpolitikern endete.

Assadi, "der Ehrliche"

Assadi hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht, als er als damaliger Teldafax-Vorstand die Finanzprobleme des Unternehmens öffentlich gemacht hatte – und daraufhin entlassen wurde. Zwei Jahre später war Teldafax pleite.

Während das "Handelsblatt" Assadi daraufhin als "Den Ehrlichen" rühmte, heuerte dieser bei den Stadtwerken Oranienburg an. Seine Aufgabe dort: das gerade rekommunalisierte Unternehmen zu konsolidieren und zukunftsfest zu machen.

Wachstumsfeld bundesweiter Vertrieb

Eines der großen Vermächtnisse Assadis dürfte der Aufbau eines bundesweiten Vertriebs bleiben. Anfang dieses Jahres belieferte das Unternehmen nach eigenen Angaben knapp 14.000 Kunden mit seiner Digitalmarke Original Energie. Infolge der Preisturbulenzen im Großhandel setzten die Stadtwerke den Neukundenvertrieb auf Plattformen wie Check 24 und Verivox aber seitdem immer wieder aus.

Insgesamt erwirtschafteten die Stadtwerke im zuletzt veröffentlichten Geschäftsbericht 2020 einen Umsatz von 61 Mio. Euro und ein Ergebnis nach Steuern von 2,6 Mio. Euro.

Chef der neuen Holding

Heftige Kritik schlug Assadi entgegen, als er die Gründung einer städtischen Holding in Oranienburg vorschlug und in der Folge Chef der neu geschaffenen Dachgesellschaft wurde. Vereint wurden 2019 dabei die Unternehmen Stadtservice Oranienburg, Stadtwerke Oranienburg, Wohnungsbaugesellschaft (Woba) und Tourismus und Kultur Oranienburg.

Das Verhältnis Assadis zum langjährigen Woba-Chef Bernd Jarczewski galt schnell als nachhaltig zerrüttet. Eine Absetzung Jarczewskis wurde von der Abgeordnetenversammlung in Oranienburg abgelehnt. Stattdessen beriefen die Mandatare einen Untersuchungsausschuss ein, der mögliche Unregelmäßigkeiten bei Gründung und Betrieb der Holding aufklären sollte.

Kritik an Holding-Konstrukt

In einem Abschlussbericht kritisierten die Ausschussmitglieder, dass die "ohnehin dominante Stellung des Holding-Geschäftsführers durch die Personalunion mit Geschäftsführerposten in den Tochtergesellschaften zusätzlich gestärkt" sei.

Auch finanzielle Vorteile sahen die Autoren nicht. "Steuerlich stellt sich der Konzern als Holdingkonstrukt im Vergleich zu den Einzelgesellschaften besser", hieß es in dem Bericht. "Allerdings wird dieser steuerliche Vorteil gegenwärtig durch die Eigenkosten der Holding nahezu vollständig kompensiert."

Gehalt "weit oberhalb" des Branchenniveaus

Zudem liege die Vergütung des Stadtwerkechefs, sprich Assadis, "weit oberhalb des Niveaus vergleichbarer kommunaler Unternehmen". Demnach soll der Geschäftsführer mit Boni bis zu 450.000 Euro im Jahr verdient haben.

Assadi eckte bei manchen Lokalpolitikern zudem an, weil er auch während seiner Zeit als Stadtwerkechef Geschäftsführer des selbst gegründeten Beratungsunternehmens Spics Group in Frankfurt am Main blieb.

"Tischtuch zerschnitten"

Im Frühjahr gab Assadi in einem Interview mit der "Märkischen Allgemeinen" selbst zu, dass das Tischtuch zwischen ihm und einem Teil des politischen Parketts zerschnitten sei. Die inhaltliche Kritik am Konstrukt der Holding oder auch an der Geschäftsführung wies er jedoch als "nicht berechtigt" zurück. Schon damals zeichnete sich ab, dass sich Assadi wohl nicht bis zum Vertragsende 2023 bei den Stadtwerken Oranienburg halten würde.

Jetzt ist das vorzeitige Vertragsende auch offiziell besiegelt. Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos) bedankte sich bei Assadi in einer Mitteilung "für seine Verdienste um den Aufbau und die Etablierung" der Oranienburg-Holding und seine "jahrelange Arbeit an der Spitze der Stadtwerke Oranienburg".

Personeller Neuanfang

Die städtischen Unternehmen stehen nun vor einem personellen Neuanfang. Die Positionen der Geschäftsführung der Holding sowie der Stadtwerke und der Wohnungsbaugesellschaft seien neu ausgeschrieben worden, teilt das Rathaus mit. "Die Auswahl der Bewerber erfolgt innerhalb einer Findungskommission, bestehend aus Vertretern der Stadtverordnetenversammlung, der Verwaltung und des Aufsichtsrates."

Interimslösungen am 28. September bestellt

Interimslösungen an der Spitze der Unternehmen sollen in einer Sonderaufsichtsratssitzung am 28. September bestellt werden.

Welche Pläne Assadi selbst hat, konnte die ZfK nicht unmittelbar in Erfahrung bringen. (aba)

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