Interne Mentoring-Programme sind in Zeiten von Energiewende, Transformation und Generationenwechsel ein beliebtes Instrument, um Fachkräfte zu fördern und an sich zu binden. Mentoring ist ein Prozess, bei dem eine erfahrene Person jemanden am Anfang der Karriere begleitet, Wissen wird ausgetauscht.
Häufig geschieht dies innerhalb eines Unternehmens, wie zum Beispiel bei den Stadtwerken Bochum, wo mit 15 Mentees gerade ein neues und auf zwei Jahre angelegtes Programm im Stadtkonzern angelaufen ist. Motto ist "Invest in unsere Zukunft".

Die Stadtwerke Iserlohn nutzen ein externes Angebot und sind Mitglied in einem regionalen Netzwerk unter Federführung der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) und der Agentur Mark. Reiner Timmreck erklärt die Hintergründe dieses Programmes.
Die Stadtwerke Iserlohn haben sich für ein sogenanntes Cross Mentoring entschieden. Was ist das Besondere?
Beim Cross Mentoring kommen Mentoren und Mentees nicht aus derselben Organisation oder demselben Unternehmen. Und wir wollen Frauen wie Männer gleichermaßen fördern. Wir sind davon überzeugt, dass es für die berufliche Entwicklung wichtig ist, auf Sparringspartner aus verschiedenen Betrieben zu treffen. Unsere Mentees erhalten Einblicke in die Abläufe anderer Unternehmen und deren Unternehmenskulturen und erhalten Know-how, das möglicherweise im eigenen Unternehmen nicht vorhanden ist.
Sie nutzen ein Angebot der Südwestfälischen IHK (SIHK) und der Agentur Mark, das es bereits seit 2014 gibt. Das Projekt ist als regionales Netzwerk in Nordrhein-Westfalen also so etwas wie ein Pionier. Was hat sich seitdem geändert?
Das Ziel der ersten Jahre war es, weibliche Nachwuchskräfte zu fördern und zu unterstützen. Seit 2022 können sowohl Männer als auch Frauen am Programm teilnehmen. Sie alle kommen aus sehr unterschiedlichen Unternehmen der Region - sowohl was die Unternehmensgröße als auch was die Branche angeht.
Was ist das Ziel Ihres Mentoring-Programmes?
Wir sprechen Mitarbeitende, bei denen wir Entwicklungspotenzial sehen und sie auf Führungspositionen vorbereiten, direkt an und entsenden sie in das Pro-gramm. Die Reaktionen waren durchweg positiv, die überwiegend jüngeren Mitarbeitenden nehmen das Angebot gerne wahr. Uns geht es bei dem Austausch mit Mentees und Mentoren aus anderen Betrieben nicht um die Vermittlung zusätzlicher fachlicher Kompetenz, sondern gezielt um die Persönlichkeitsentwicklung, das Führen und Organisationsentwicklung. Das bietet emotionale Unterstützung und fördert das Selbstvertrauen.
Sind Sie in dem Programm auch mit eigenen Mentoren vertreten?
Ja, eine unserer Abteilungsleiterinnen hat sich eigens als Mentorin ausbilden lassen.
Erhoffen Sie sich von dem Austausch mit Vertretern anderer Unternehmen auch die Möglichkeit, auf diesem Weg weitere interessante Mentees anzuwerben?
Nein, diese Form der Abwerbung würde das Vertrauen zu den anderen Netzwerkpartnern zerstören. Uns geht es allein darum, unseren Beschäftigten einen Rahmen für berufliche und unternehmerische Entwicklung zu schaffen. Professionalisierung und neue Kontakte, der Aufbau eines eigenen Netzwerks sind die Kernelemente des Mentoring-Programms.
Inwieweit wird das Mentoring-Programm von Ihrer Geschäftsführung begleitet?
Die Mentees und Mentoren werden von uns auf das Programm vorbereitet, es finden eine Kick-off-Veranstaltung und Feedback-Gespräche statt.
Das Interview führte Christina Hövener-Hetz
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