Von Hans-Peter Hoeren
Aufgrund seit Längerem andauernder Abrechnungsprobleme verbunden mit vielen offenen Fragen nach dem Stand der Liquidität bei den Stadtwerken Schwäbisch Gmünd hat die Stadt im baden-württembergischen Ostalbkreis jetzt die Reißleine gezogen. Geschäftsführer Peter Ernst wurde mit sofortiger Wirkung und mit einstimmigem Votum des Gemeinderats abberufen und der Leiter einer städtischen Wohnbaugesellschaft, Celestino Piazza, als interimistischer Geschäftsführer installiert.
Ihm zur Seite steht eine Art "Feuerwehrteam", bestehend aus Stadtwerkeführungskräften sowie externen Beratern mit langjähriger Erfahrung in Energiewirtschaft und bei Liquiditätsproblemen (unter anderem Jochen Adenau, früherer Geschäftsführer für Kundenservice bei EnBW), heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt. Parallel wird die Geschäftsführerstelle bei den Stadtwerken neu ausgeschrieben.
Fehlende Netzentgelt-Abrechnungen
Die Stadtwerke Schwäbisch-Gmünd versorgen aktuell insgesamt rund 36.000 Haushalte mit Strom oder Gas, rund 8000 davon haben noch keine Abrechnung für 2024 erhalten. Weiterhin besteht bei zahlreichen bereits abgerechneten Kunden offenbar nach wie vor ein hoher Klärungsbedarf. Hinzukommen laut der Stadt fehlende Abrechnungen im Netzentgelt-Bereich mit größeren gewerblichen Unternehmen.
Das Unternehmen hat offenbar seit Jahresbeginn größere Probleme bei der Umstellung von SAP auf Schleupen. Das soll nach ZfK-Informationen vor allem auch mit einer schlechten Qualität bestehender, zu migrierender Datensätze zusammenhängen.
Die anhaltenden Probleme haben offenbar auch beträchtliche Auswirkungen auf die Liquidität des Unternehmens und den Cashpool, über den die Stadt den Stadtwerken kurzfristig Liquidität zur Verfügung stellen kann. Es fehlen belastbare Zahlen, die benötigten Mittel aus dem Cashpool sind offenbar in einem Besorgnis erregenden Maße gestiegen. Diese Schieflage sorgte für eine Inanspruchnahme des Cashpools in Höhe von rund 30 Millionen Euro.
Dank der Cashpool-Absicherung und mit Blick auf die ersten Zahlen seien zumindest alle 170 Arbeitsplätze bei den Stadtwerken gesichert, so Aufsichtsratsvorsitzender Richard Arnold in einer Betriebsversammlung diese Woche. Das oberste Ziel des Teams bestehe nun darin, die Handlungsfähigkeit und Liquidität wiederherzustellen, heißt es weiter.
"Das zweite Ziel muss natürlich sein, das Vertrauen der Kundschaft zurückzugewinnen. Das Unternehmen müsse Transparenz, Offenheit und Ehrlichkeit wiederherstellen", ergänzt Geschäftsführer Celestino Piazza. Er wird für eine Übergangszeit sowohl die städtische Wohnungsgesellschaft als auch die Stadtwerke leiten.
Mehrheitsgesellschafter der Stadtwerke ist die Stadt Schwäbisch-Gmünd, Minderheitsgesellschafter ist die EnBW ODR mit 25,1 Prozent. Laut ZfK-Informationen haben die Stadtwerke Schwäbisch-Gmünd in den vergangenen Jahren über 7500 Energiekunden verloren.



