Negative Stereotype und Rollenklischees gegenüber älteren Menschen sind weit verbreitet. Das zeigt die Studie "Ageismus - Altersbilder und Altersdiskriminierung in Deutschland" im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Demnach stimmt rund ein Drittel der Befragten der Aussage zu, dass alte Menschen "Platz machen" sollten für die jüngere Generation, indem sie wichtige berufliche und gesellschaftliche Rollen aufgeben (32 Prozent).
Immerhin 51 Prozent der Befragten sprachen sich für eine Regelung aus, wonach "Menschen nur bis zu einem bestimmten Alter, wie etwa bis 70 Jahre, politische Ämter haben dürfen". 53 Prozent der Befragten meinten sogar, ältere Menschen trügen nicht entscheidend zum gesellschaftlichen Fortschritt bei.
Spannungspotenzial beim Klimaschutz
"Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass Klischees und Stereotype über ältere Menschen fest verwurzelt sind. Und dass es bei Themen wie politischer Beteiligung und Klimaschutz großes Spannungspotenzial zwischen den Generationen gibt", sagt die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman.
Außerdem gaben 40 Prozent der Befragten an, dass junge Menschen von alten Menschen bei der Bewältigung des Klimawandels im Stich gelassen werden. Unter den jüngsten Befragten waren das sogar 63 Prozent. 74 Prozent der Befragten überschätzten jedoch den Anteil der älteren Menschen über 70 Jahre in der Bevölkerung erheblich. Am häufigsten wurde er auf 30 Prozent geschätzt – obwohl er bei rund 18 Prozent liegt, wie die Behörde mitteilt.
Ageismus führt zu Diskriminierungen
"Pauschale Aussagen wie ‚ältere Menschen seien zu wenig leistungsfähig‘, ‚nicht anpassungsfähig‘ oder ‚nicht fit genug‘ bezeichnen Expert*innen als „Ageismus“, ein Begriff, der in Deutschland kaum bekannt ist", so Ataman weiter. Ageismus führe im Alltag und Berufsleben oftmals zu Diskriminierungen. "Gerade mit Blick auf den demographischen Wandel ist es wichtig, dass wir hier stärker aufklären."
In Deutschland seien Diskriminierungen wegen des Lebensalters im Arbeitsleben sowie bei Alltagsgeschäften grundsätzlich verboten. "Altersdiskriminierung betrifft nicht nur ältere, sondern auch jüngere Menschen", sagt Ataman. "Rund 15 Prozent unserer Beratungsanfragen sind zu Altersdiskriminierung – bei der Jobsuche, bei der Karriere, Bank- und Finanzdienstleistungen oder Ehrenämtern. Überall erleben Menschen, dass ihr Alter eine Rolle spielt und Nachteile mit sich bringen kann."
Höchstaltersgrenzen abschaffen
Um ein politisches Zeichen gegen Altersdiskriminierung zu setzen, solle daher der Begriff "Lebensalter in Artikel 3 des Grundgesetzes aufgenommen werden, so die Beauftragte weiter. "Ungleichbehandlung aufgrund des Alters ist inakzeptabel."
Auch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz müsse gestärkt werden. Insbesondere müssten die bestehenden Möglichkeiten für pauschale Ungleichbehandlungen aufgrund des Alters bei Versicherungen eingeschränkt werden. Außerdem müssten Höchstaltersgrenzen für ehrenamtliche Tätigkeiten abgeschafft werden.
Grundlage der Studie bildet demnach eine bevölkerungsrepräsentative telefonische Befragung von 2000 Personen ab 16 Jahren im Januar 2022, umgesetzt vom Meinungsforschungsinstitut Kantar Public. Die Studie wurde von Prof. Dr. Eva-Marie Kessler und Prof. Dr. Lisa Marie Warner von der Medical School Berlin erarbeitet. (jk)



