Parallel zur verbesserten Lage in der Corona-Pandemie erfasst die Berufstätigen in Deutschland eine neue Aufbruchstimmung. Gut jeder Fünfte strebt in den kommenden zwölf Monaten einen beruflichen Aufstieg an und fast jeder Dritte erwartet ein steigendes Einkommen. Erstmals seit 2019 sieht eine klare Mehrheit den digitalen Wandel als hilfreich für den Beruf. Zugleich sinkt die Sorge vor Jobverlusten durch neue Technologien. Das ist das Ergebnis der HDI Berufe-Studie, die der Versicherungskonzern jährlich bundesweit in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut YouGov durchführt.
Auf die Frage „Welche Erwartungen haben Sie in den nächsten zwölf Monaten an Ihr Gehalt?“ antwortet fast die Hälfte der Berufstätigen, dass sie von konstanten Werten ausgeht. Ein Drittel rechnet mit steigenden Einkünften, nur wenige mit sinkenden Einkommen oder sind unschlüssig.
Digitalisierung wird öfter als hilfreich empfunden
Erstmals loben in der diesjährigen HDI Berufe-Studie mehr als die Hälfte aller Befragten den digitalen Wandel im Beruf als sehr oder eher hilfreich (58 Prozent, Vorjahr 46 Prozent). Dabei hat jeder Vierte in der Corona-Zeit eine starke oder sogar sehr starke Zunahme des digitalen Arbeitens in seinem Beruf erlebt. Fast ein Drittel aller Beschäftigten erlebt durch die Digitalisierung inzwischen eine verbesserte Balance zwischen Privat- und Berufsleben.
In der Untersuchung wird allerdings auch eine gewisse Spaltung der Berufswelt sichtbar. So haben ein Drittel nach den Corona-Erfahrungen eine positivere Einstellung zu ihrem Beruf gewonnen (36 Prozent, Vorjahr 33 Prozent). Gewachsen ist aber auch die Gruppe, die seither eine negativere Berufseinstellung hat (15 Prozent, Vorjahr 12 Prozent). Ebenfalls vergrößert ist die Zahl der Berufstätigen, die keinen Spaß in ihrem Beruf findet (22 Prozent, Vorjahr 18 Prozent).
Sind digitale Meetings effizienter?
Zu den möglichen Ursachen gibt die HDI-Studie einen interessanten Hinweis: Beschäftigte, die den digitalen Wandel im Beruf als hilfreich ansehen, empfinden viermal häufiger Spaß im Beruf als andere. Ähnlich groß ist auch der Unterschied zwischen denen mit verbesserter Work-Life-Balance durch die Digitalisierung und denjenigen ohne diese Erfahrung.
Laut der Umfrage hat mehr als jeder dritte Berufstätige während der Corona-Zeit Erfahrung mit mobilem Arbeiten, also außerhalb seines Firmenarbeitsplatzes, gemacht. Der größte Teil davon erstmalig und ausgelöst durch die Corona-Pandemie im sogenannten Homeoffice. Die Bewertung fällt jetzt differenziert aus. „Sind digitale Meetings effizienter und zielorientierter als persönliche Meetings?“ Auf diese pauschale Frage antwortet knapp jeder Dritte (32 Prozent) mit Ja. Größer ist allerdings die Gruppe, die mit Nein antwortet (41 Prozent).
Vor- und Nachteile des mobilen Arbeitens
Aufschlussreicher als eine pauschale Beurteilung des mobilen Arbeitens außerhalb der Firma sind die Angaben zu ausgewählten Aspekten. So hält eine Mehrheit der Berufstätigen etwa die Erreichbarkeit von Kollegen und auch von Führungskräften beim mobilen Arbeiten für sehr gut. Ebenfalls werden die Möglichkeiten zum selbstständigen Arbeiten und zur Konzentration auf die Arbeit im Homeoffice von deutlich mehr Beschäftigen besser gegenüber dem Firmenarbeitsplatz eingeschätzt als schlechter.
Wenn es um Teamwork und Austausch in der Gruppe geht, offenbart das mobile Arbeiten aber Schwächen. Es halten fünfmal mehr Berufstätige den Austausch innerhalb eines Teams beim mobilen Arbeiten für schlechter als am Firmenarbeitsplatz (42 Prozent), nur 8 Prozent geben an, der Austausch sei besser. Ähnlich negativ fällt das Resultat zu gegenseitigen Unterstützungsmöglichkeiten und zur Wertschätzung im Team aus. Beim Urteil, ob Feedback zur Aufgabenerfüllung oder Klarheit über individuelle Arbeitsziele besser oder schlechter gelingen, nähern sich die Zahlen allerdings schon deutlich an (9 zu 28 Prozent bzw. 13 zu 15 Prozent). (hp)



