Rund 307.000 Studierende wählten im Jahr 2021 im ersten Fachsemester ein MINT-Fach. Das waren 6,5 Prozent weniger als im Vorjahr, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigen. Gleichzeitig fiel auch der Anteil derjenigen, die sich im ersten Fachsemester für MINT-Fächer entschieden auf knapp 38 Prozent. Im Jahr 2015 hatte er noch 40,5 Prozent betragen, was bis heute den Höchsstand darstellt.
Die Entwicklung könnte dabei dramatische Folgen haben. Denn wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) berechnet hat, fehlen aktuell rund 140.000 MINT-Experten. Die Gesamtlücke in den MINT-Berufen – inklusive Facharbeitern, Meister und Technikern – liege sogar bei 308.000 Stellen. Besonders groß seien die Engpässe in der IT, es fehlen aber auch Elektrotechnik-, Maschinenbau- und Bauingenieure.
Überdurchschnittliches Gehalt
Dabei gäbe es für Schulabsolventen klare Anreize, ein IT- oder ingenieurwissenschaftliches Studium aufzunehmen. Nach IW-Berechnungen verdienen bereits junge Vollzeitbeschäftigte im Alter unter 45 Jahren in akademischen MINT-Berufen im Schnitt 5313 Euro und damit fast 200 Euro mehr als der Medianlohn in allen akademischen Berufen.
Gerade wer ein Ingenieur- oder Informatik-Studium abgeschlossen hat, verdient überdurchschnittlich gut. IW-Befragungen zeigen auch, dass die Bedarfe an MINT-Experten in den kommenden Jahren weiter zunehmen werden. Gerade Digitalisierung und Klimawandel zwingen die Unternehmen zu neuen Innovationen.
Berufsorientierung stärken
Rund 77 Prozent der Erwerbstätigen des dafür entscheidenden Tätigkeitsfelds Forschung und Entwicklung haben eine MINT-Qualifikation. Darüber hinaus müssen in den kommenden Jahren immer mehr MINT-Akademiker ersetzt werden, die in Rente gehen.
"Die sinkenden Studierendenzahlen in den MINT-Berufen gefährden die Innovationskraft in Deutschland und damit Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltigen Wohlstand", sagt IW-Ökonom Axel Plünnecke. "Für eine Trend-Umkehr brauchen wir dringend mehr junge Menschen, die sich für MINT-Fächer begeistern. Die Politik muss Berufs- und Studienorientierung stärken." (jk)


