Karriere

Studie: Es zeichnet sich eine Karrieremüdigkeit ab

Die Studie der Initiative Chefsache zeigt umfangreich, was die Mitarbeiter und Führungskräfte bewegt: Karrierepläne, Feedback-Kultur, Homeoffice, flexible Arbeitszeiten.
01.06.2022

Flexible Arbeitszeitmodelle wünschen sich 85 Prozent der Befragten: Vor allem um Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen.

Ob Vollzeit, Präsenzpflicht oder lineare Karrierepfade – die klassische Art, Karriere zu machen, geht an den Wünschen der heutigen Generation vorbei. So finden nur 18 Prozent der Beschäftigten, dass Frauen und Männer im Berufsleben die gleichen Karrierechancen haben. So die Ergebnisse einer Studie der Initiative Chefsache.
 

Neben der mangelnden Gleichberechtigung zeichne sich eine Karrieremüdigkeit ab, heißt es in der dazugehörigen Pressemitteilung: Nur 33 Prozent der Männer und 23 Prozent der Befragten geben an, in den nächsten Jahren mehr Verantwortung übernehmen zu wollen. 79 Prozent der Befragten finden, dass man beruflich erfolgreich sein kann, ohne Führungsverantwortung zu übernehmen. Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an,  zu viel Stress sei der Hauptgrund für sie, keine Karriere machen zu wollen. Weitere Ergebnisse u.a. zum Thema Gleichberechtigung und erfüllende Entwicklungswege können Sie hier einsehen - die ganze Umfrage können Sie hier entnehmen.

Homeoffice bleibt zweischneidig: Flexibilität & Mehrarbeit

Vor allem junge Beschäftigte wollen die in der Pandemie gewonnene Flexibilität bei der Wahl des Arbeitsorts beibehalten. 60 Prozent der unter 40-Jährigen möchten in Zukunft mindestens einige Tage von zu Hause arbeiten. Knapp 80 Prozent aller Befragten haben zudem das Gefühl, im Homeoffice Berufs- und Privatleben besser unter einen Hut bringen zu können. Allerdings stimmen auch 45 Prozent zu, im Homeoffice Privat- und Berufsleben schlechter voneinander abgrenzen zu können und gefühlt mehr zu arbeiten. 

25 Prozent der Chefs misstrauen ihren Mitarbeitenden

Mit Hinblick auf die Arbeitsleistung halten 84 Prozent aller Erwerbstätigen ihre Produktivität im Homeoffice für mindestens ebenso hoch wie im Büro, die Mehrheit (53 Prozent) meint sogar, zu Hause produktiver zu sein. Dennoch misstraut noch jede vierte Führungskraft der Produktivität ihren Mitarbeitenden im Homeoffice. Zudem sagen 39 Prozent der Führungskräfte, Präsenz am Arbeitsort sei für den beruflichen Erfolg und die Beförderung der Mitarbeitenden wichtig.

85 Prozent wünschen sich flexiblere Arbeitszeiten

85 Prozent der Befragten wünschen sich, ihre Arbeitszeit flexibel einteilen zu können. Flexible Arbeitszeiten sind nach dem Gehalt auf Platz zwei der wichtigsten Kriterien bei der Wahl des Arbeitgebers. 
61 Prozent wollten weniger arbeiten als aktuell und mehr Zeit für sich selbst oder die Familie haben. 57 Prozent der Männer und 71 Prozent der Frauen denken sogar, mit einer 4-Tages-Woche produktiver zu sein. 

Flexible Arbeitszeitmodelle = bessere Vereinbarkeit von Familie & Beruf

Vor allem Familien können davon profitieren. 70 Prozent der befragten Mütter und Väter nennen flexible Arbeitszeitmodelle als wichtigsten Faktor für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dennoch wären 58 Prozent Männer und 44 Prozent der Frauen bereit, für das Erreichen von beruflichen Zielen (streckenweise) mehr als 40 Stunden zu arbeiten. Regelmäßiges Feedback auch von Teammitgliedern 72 Prozent der Erwerbstätigen wünschen sich eine Änderung ihrer aktuellen Beurteilungsform. Zum einen soll sich dies in regelmäßigerem Feedback, zum anderen auch in Feedback von anderen Teammitgliedern niederschlagen. 

Es braucht ein neues Führungsverständnis 

„Die Ergebnisse der Umfrage belegen eindeutig den Wunsch nach Veränderung und nach neuen Karrieremodellen. Insbesondere den Führungskräften kommt eine große Verantwortung in diesem Transformationsprozess zu, da sie die notwendigen Grundvoraussetzungen schaffen“, betont Colette Rückert-Hennen, Vorstand und Arbeitsdirektorin bei der EnBW. Aktuell sind allerdings nur 37 Prozent der Erwerbstätigen mit der Führungskultur in ihrem Unternehmen zufrieden. Unter den Führungskräften stimmen 46 Prozent der Aussage grundsätzlich zu, sie würde gerne anders führen, es sei aber aufgrund der gegebenen Rahmenbedingungen nicht möglich. (gun)