26 Prozent der deutschen Berufstätigen haben während der Pandemie den Arbeitgeber gewechselt, weitere zehn Prozent haben intern im selben Unternehmen eine andere Tätigkeit begonnen. Bei den unter 30-Jährigen hat sogar jede und jeder Zweite gewechselt. Dies sind Ergebnisse der repräsentativen Studie "Arbeiten 2022" der Pronova BKK, für die die Krankenkasse im September 2022 rund 1200 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ab 18 Jahren befragt hat.
Die häufigsten Gründe für den Jobwechsel waren demnach fehlende Aufstiegschancen (24 Prozent), mangelnde Wertschätzung und schlechte Bezahlung (je 23 Prozent). 22 Prozent haben aus Überlastung und Stress die Stelle gewechselt.
84 Prozent fühlen sich gestresst
Insgesamt fühlen sich 84 Prozent im Arbeitsalltag gestresst, bei den unter 30-Jährigen waren es sogar 94 Prozent. Jeder und jede Fünfte mit neuem Tätigkeitsfeld führte das schlechte Arbeitsklima beim alten Posten als Grund an. Unzufriedenheit mit den Aufgaben, fehlende Weiterbildung, mangelnde Work-Life-Balance und der Wunsch nach Neuanfang, keine Identifikation mit dem Unternehmen, familienunfreundliches Umfeld und Probleme mit Vorgesetzten sind ebenfalls oft genannte Gründe.
"Die Corona-Pandemie war für viele Menschen auch eine Job-Krise", sagt Psychologin und Resilienz-Trainerin Patrizia Thamm, Referentin Gesundheitsförderung bei der Pronova BKK. "Manche waren schlicht gezwungen, sich umzuorientieren."
Kündigung aus eigenem Antrieb
Für andere, die mit ihrem Job vorher schon unzufrieden waren, habe Corona auch als Beschleuniger für einen beruflichen Wechsel gewirkt. "In Krisenzeiten wie diesen rücken unsere elementaren Bedürfnisse wieder mehr in den Fokus", so Thamm weiter. "Die Menschen reflektieren sich und ihre berufliche Situation stärker. Das Entstehen neuer flexibler Arbeitsmodelle in Kombination mit den veränderten Lebens- und Arbeitsbedingungen haben bei vielen eine berufliche Veränderung greifbarer und attraktiv gemacht."
29 Prozent der unter 30-Jährigen und 19 Prozent in der Gesamtbevölkerung hätten ihren Job in den vergangenen zwei Jahren aus eigenem Antrieb gekündigt. 25 Prozent der Jüngeren und 18 Prozent aller Befragten haben sogar das Berufsfeld gewechselt, heißt es.
20 Prozent haben Auszeit genommen
Darüber hinaus konnten 19 beziehungsweise 14 Prozent die Tätigkeit wegen der Pandemie nicht mehr ausüben. 31 Prozent der 18- bis 29-Jährigen haben in den vergangenen zwei Jahren eine Auszeit genommen - in der Gesamtbevölkerung geben das 20 Prozent an.
"Während der Pandemie hat die mentale und physische Gesundheit junger Menschen extrem gelitten", erläutert Thamm. "Zukunftsängste dieser Generation haben sich verstärkt, etwa hatten viele von ihnen Angst, dass sich durch die Pandemie der Einstieg in die Berufswelt hürdenreich gestaltet." Offenbar hätten junge Menschen teilweise darauf reagiert, indem sie sich eine Auszeit genommen hätten.
Homeoffice verbessert Work-Life-Balance
Doch nicht nur unter 30-Jährige hätten sich umorientiert. Auch konnten Familien im Homeoffice mehr Zeit miteinander verbringen. Das lieferte laut Studie einen weiteren Grund, um gerade jetzt über einen Jobwechsel nachzudenken.
Demnach sagten 56 Prozent, in der Corona-Pandemie sei der Stellenwert der Arbeit im Vergleich zu Familie, Freunden oder Freizeit in den Hintergrund getreten. Für 64 Prozent aller Befragten führt das Arbeiten im Homeoffice zu einer besseren Work-Life-Balance. (jk)



