Die Pandemie wird nach Einschätzung von Experten wohl einen langfristigen Effekt auf die Arbeitswelt haben.

Die Pandemie wird nach Einschätzung von Experten wohl einen langfristigen Effekt auf die Arbeitswelt haben.

Bild: © AdobeStock/Halfpoint

Knapp die Hälfte (48 Prozent) der Unternehmen in Deutschland wissen, welche Kompetenzen sie bis 2025 benötigen werden. Das bedeutet auch, dass die Hälfte der Arbeitgeber im Personalmanagement auf Sicht fährt und Kompetenzen kurzfristig aufbaut. Das ergibt der "Managementkompass Survey Skilling" von Sopra Steria, für den 395 Entscheiderinnen und Entscheider aus Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung befragt wurden.

Arbeitgeber*innen riskierten aber damit, dass Stellen in Schlüsselpositionen länger unbesetzt bleiben und höhere Kosten im Recruiting entstehen, warnen die Studienautor*innen. Für 70 Prozent der Unternehmen und Behörden ist das Gewinnen neuer Mitarbeiter*innen demnach das drängendste Personalthema. Andere Herausforderungen wie Vergütungen und Benefits, der Kampf gegen Fluktuation und das Ermöglichen von Homeoffice hätten deutlich seltener Priorität oder bereiten deutlich weniger Probleme.

Kompetenzmodell nur selten genutzt

Zwei Drittel der Unternehmen und Behörden registrieren demnach bereits eine Lücke zwischen vorhandenen und benötigten Kompetenzen, einen so genannten Skill Gap. Im Durchschnitt aller Arbeitgeber besitzt jeder dritte Mitarbeitende nicht zu 100 Prozent die für den Job erforderlichen Skills, so die Einschätzung der Befragten.

Nachholbedarf bestand bei konkreten Maßnahmen zur strategischen Besetzung von zentralen Positionen. Nur jeder fünfte Arbeitgeber besitzt und nutzt beispielsweise so genannte "Talent-Pools", aus denen er je nach Kompetenzbedarf schöpfen kann. Genauso wenige arbeiten mit einem so genannten Kompetenzmodell, mit dem sie die benötigten Skills im Unternehmen oder in der Behörde definieren und steuern können, so die Studie.

Skills verändern sich ständig

"Die Personalabteilungen müssen wieder vor die Bugwelle kommen, raus aus dem Ad-hoc-Recruiting und wieder rein ins strategische Planen", sagt Katja Thielemann, Beraterin im Geschäftsbereich Human Resource Management (HRM) von Sopra Steria. Dafür braucht es mehr Investitionen in die Prognosefähigkeiten, beispielsweise durch die bessere Nutzung von Daten, sowie in die gezielte Steuerung von Kompetenzen.

"Skills verändern sich naturgemäß. Dass jeder Mitarbeitende die für ein Jobprofil nötigen Kompetenzen vollständig besitzt, ist nicht realistisch. Umso wichtiger ist es zu wissen, welche Skills in Zukunft gefragt sind, um nicht ständig hinterherzulaufen", so die HRM-Expertin.

Je größer, desto schlechter informiert

Vor allem mit steigender Mitarbeiterzahl verlieren Arbeitgeber den Überblick. In jedem fünften großen oder mittelständischen Unternehmen fehlt eine genaue Sicht, welche Skills im Unternehmen vorhanden sind, wo ein Know-how-Verlust droht und welche Kompetenzen in den kommenden Jahren wichtiger werden. Zum Vergleich: In Kleinunternehmen bemängelt nur jeder zwölfte Befragte fehlende Skill-Daten.

"Es liegt in der Natur der Sache, dass es für Konzerne komplexer ist zu erfassen, welche Kompetenzen vorhanden sind und welche gebraucht werden. Diese Komplexität lässt sich mit heutigen Mitteln allerdings managen", sagt Katja Thielemann von Sopra Steria.

Potenzial von Data Analytics

Das geschehe in Ansätzen mithilfe von kompetenzorientiertem Personalmanagement und IT-Unterstützung. Knapp die Hälfte der befragten Unternehmen und Behörden hat angefangen, in ihrer Organisation Schlüsselpositionen zu definieren. Ebenso viele wollen künftig das Potenzial von Data und People Analytics sowie Künstlicher Intelligenz für die strategische Personalplanung ausschöpfen. (jk)

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