Der Druck auf dem Arbeitsmarkt steigt, insbesondere durch den anhaltenden Fachkräftemangel. Für Unternehmen bedeutet dies, dass es für sie immer wichtiger wird, als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. Das Angebot, mobil beziehungsweise von zu Hause aus zu arbeiten, sehen immer mehr Betriebe als Chance, Talente für sich zu gewinnen, zeigt die Studie "Mobiles Arbeiten" des Personalmanagers Lurse.
Demnach erwarten die befragten Unternehmen für die Zukunft, dass ihre Beschäftigten im Durchschnitt fast die Hälfte ihrer Arbeitszeit mobil erbringen werden. "Auf die Frage, warum sie mobile Arbeitsformen ermöglichen, haben die Studienteilnehmenden ganz klar geantwortet", sagt Maximilian Evers, Partner bei Lurse. "Als wesentliche Motivation wurden vor allem die gesteigerte Attraktivität als Arbeitgeber (88 Prozent) und die verstärkte Mitarbeiterbindung (86 Prozent) angegeben."
Ortsunabhängig rekrutieren
Etwa drei Viertel der Befragten (76 Prozent) nannten hier auch die positive Erfahrung aus der verpflichtenden Home-Office-Zeit, während die gleichbleibende oder gestiegene Produktivität von 40 Prozent als Beweggrund angeführt wurde.
Bei etwas mehr als einem Drittel (35 Prozent) hat sich mit der Einführung beziehungsweise Erweiterung mobilen Arbeitens auch die Einstellungspraxis geändert: Sie rekrutieren Talente nun auch ortsunabhängig. "Damit erhöhen diese Firmen natürlich ihren Suchradius und damit die Auswahl an potenziellen Fachkräften erheblich", so Evers.
Mehr Flexibilität beim Einsatzort
Viele Arbeitnehmende, insbesondere solche mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen, wünschen sich mehr Flexibilität in Bezug auf ihren Einsatzort. Mobiles Arbeiten kommt ihnen sehr entgegen. Finanzielle Anreize braucht es daher nicht.
So sehen 82 Prozent der befragten Unternehmen keine Notwendigkeit für eine Aufwandsentschädigung. Nur wenige Firmen gewähren Mitarbeitenden eine monatliche Zahlung von bis zu 50 Euro (7 Prozent), einen Einmalbetrag von bis zu 1000 Euro (4 Prozent) oder eine aufwandsbezogene Zahlung (2 Prozent).
Arbeitgeber statten teilweise aus
Allerdings erleichtern vier Fünftel der Unternehmen (79 Prozent) ihren Mitarbeitenden den Umzug ins eigene Arbeitszimmer, indem sie ihnen essenzielle Ausstattung zur Verfügung stellen. Dies betrifft vor allem technische Geräte wie Laptop (74 Prozent), Maus, Tastatur und Headset (55 Prozent), Monitor (49 Prozent) oder (Mobil-)Telefon (44 Prozent).
In deutlich geringerem Ausmaß dagegen unterstützen die Arbeitgeber die Anschaffung von Möbeln wie Bürostühlen (8 Prozent) oder Schreibtischen (5 Prozent).
Anwesenheit beim Onboarding
Vom mobilen Arbeiten ausgenommen waren, wie zu erwarten, ausschließlich Tätigkeiten, die sich nur vor Ort erledigen lassen, etwa in Produktion und Montage oder im Facility-Bereich. Im Fall von Mitarbeitergesprächen und Kreativmeetings wünschen sich jeweils mindestens 60 Prozent der Studienteilnehmenden, dass die Beschäftigten im Betrieb anwesend sind.
Die Anwesenheit bei Kundenmeetings sowie beim Recruiting und Onboarding halten dabei nur noch etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen erforderlich, sofern betrieblich abgestimmt.
Mobiles Arbeiten im Ausland
In Deutschland sein Geld verdienen, aber im Ferienhaus in Spanien arbeiten? "Bei 63 Prozent der Studienteilnehmenden ist dies nicht vorgesehen. Hier spielen sicherlich rechtliche Hintergründe eine Rolle, da bei mobilem Arbeiten im Ausland verschiedene Regularien beachtet werden müssen, zum Beispiel aus steuerlicher oder arbeitsrechtlicher Sicht. Diese können jeweils mit bürokratischem Aufwand verbunden sein", erklärt Olga Hupe, Senior Managerin bei Lurse.
Bei immerhin 42 Prozent ist das mobile Arbeiten im Ausland möglich, 8 Prozent sehen hierfür keinerlei örtliche Einschränkung vor. Ein Zehntel hingegen ermöglicht dies innerhalb bestimmter geographischer Grenzen, etwa in den EU-Staaten oder in den EU-Heimatländern der jeweiligen Arbeitnehmenden.
Betriebsrat außenvor
Weitere 7 Prozent machen es von bestimmten Bedingungen abhängig: Beispielsweise darf keine Reisewarnung für das betreffende Land vorliegen, oder die Arbeit im Ausland darf ein festgelegtes Zeitlimit nicht überschreiten. Einige Unternehmen machen die Erlaubnis auch von einer gesicherten Internetverbindung oder von einer Datenschutzverpflichtung abhängig.
Wer darf also wo und wie lange außerhalb des Firmensitzes arbeiten? Dafür gibt es in allen befragten Unternehmen klare Entscheidungsstrukturen. Im Regelfall, bei 82 Prozent der Befragten, stimmen sich Mitarbeitende und Führungskräfte gemeinsam darüber ab. Im Konfliktfall entscheiden in 73 Prozent der Unternehmen die jeweiligen Vorgesetzten. Nur 13 Prozent der Firmen ziehen die Personalabteilung oder den Betriebsrat hinzu.
Hälfte plant mit New Work
Eine Abkehr von einer strengen Präsenzkultur bietet auch Möglichkeiten der Neugestaltung der betrieblichen Arbeitsumgebung: So planen 54 Prozent der Studienteilnehmenden neue Bürokonzepte einzuführen, beispielsweise durch die Integration von Kreativräumen und Meetingpoints oder die Umsetzung hybrider Arbeitskulturen. Eine ähnlich große Mehrheit (52 Prozent) will einzelne Elemente von New Work Konzepten realisieren und zum Beispiel Design Thinking Räume einrichten oder die Ausrüstung für Videokonferenzen anschaffen bzw. ausbauen.
Teilweise wird auch die Teilabmietung von Räumlichkeiten (16 Prozent) geplant, oder Einzelbüros aufgelöst und auf mehr Großraumbüros gesetzt (15 Prozent). Lediglich 19 Prozent geben an, dass es keinerlei Planungen gibt, die betriebliche Arbeitsumgebung zu verändern.
3,2 Tage im Schnitt
An der Online-Befragung in diesem Sommer haben sich insgesamt 137 Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen beteiligt (überwiegend nicht produzierende). Die meisten von ihnen (87 Prozent) zählen mehr als 250 Mitarbeitende. Fast drei Viertel (73 Prozent) bieten Formen des mobilen Arbeitens an, in der Regel auf Basis einer Betriebs- oder einer Gesamtbetriebsvereinbarung.
Dabei können die Beschäftigten im Durchschnitt 3,2 Tage pro Woche ihrem Firmenarbeitsplatz fernbleiben. Jeweils 26 Prozent der Betriebe gestatten dies an 2 oder 3 Tagen, und nicht weniger als 23 Prozent lassen mobiles Arbeiten völlig ohne zeitliche Einschränkung zu. (jk)



