Manager, die Mitarbeiter zu Hause führen, müssen sich nicht komplett neu erfinden.

Manager, die Mitarbeiter zu Hause führen, müssen sich nicht komplett neu erfinden.

Bild: © rh2010/AdobeStock

„In meinen Seminaren und Coachings werde ich häufig gefragt: Was muss ich als Führungskraft jetzt anders machen? Meine Antwort lautet dann immer: grundlegend gar nichts. Aber Sie müssen die erlernten Führungskompetenzen in eine neue, andere Art der Zusammenarbeit überführen. Diese ist direkter und strukturierter“, so Rolf Hempel, Coach für Personalentwicklung.

Da der direkte Wahrnehmungskanal wegfällt, sollten sogenannte Wahrnehmungspunkte geschaffen werden. Wir können nicht fühlen, wie es dem Gegenüber geht, deshalb müssen wir direkt fragen: Wie geht es dir? Was beschäftigt dich?

Klare Strukturen

Es geht also nicht darum, sich als Führungskraft komplett neu zu erfinden. Die Prozesse und Strukturen bleiben gleich. Aber die Art der Kommunikation ändert sich. „Der Vorgesetzte muss nicht nur die Frage stellen, sondern auch erklären, warum er dies wissen will und warum ihm das wichtig ist. Sonst kommt es als Kontrolle rüber und der Mitarbeiter macht dicht“, erklärt Hempel.

Das Führen auf Distanz verlangt außerdem klare Strukturen, weil das spontane Gespräch, etwa in der Teeküche oder beim Kaffee nach der Mittagspause, entfällt. Stattdessen müssen Zeitfenster aufgebaut werden, in denen der Online-Austausch stattfinden kann – mit der erforderlichen Ruhe im Umfeld, also ohne Kinderbetreuung im Hintergrund, und der nötigen Konzentration, um sich vertrauensvoll aufeinander einzulassen.

Technische Aspekte

Eins ist klar: Führen auf Distanz ist viel mehr, als nur klare Ansagen über Zoom oder MS-Teams an Mitarbeiter im Homeoffice zu richten. Und das Thema wird bleiben, auch nach der Pandemie. Schon jetzt haben Digitalisierung und der Wunsch nach flexiblem, hybridem Arbeiten ohne Präsenzpflicht am Arbeitsplatz einen Schub erhalten. Auch die Mobilitätswende wird für weniger Inlandsflüge und mehr Videokonferenzen sorgen. Und sogar die Mietsituation in den Städten kann dazu beitragen: Wenn sich bezahlbarer Wohnraum nur noch in der Peripherie findet, werden Mitarbeiter sich lieber remote einklinken als täglich lange Anfahrtszeiten zur Arbeit in Kauf zu nehmen.

In der hybriden Arbeitswelt scheint es also sinnvoll, sich auf Führen auf Distanz als „das neue Normal“ vorzubereiten. Dazu zählen laut Hempel neben fachlichen und kommunikativen Fähigkeiten auch technische Aspekte: also eine gute Datenleitung, die passende Kameraeinstellung und eine vorteilhafte Ausleuchtung. (hp)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper