Für ein konstruktives Miteinander der Generationen X, Y und Z sind durchdachte Personalkonzepte notwendig.

Für ein konstruktives Miteinander der Generationen X, Y und Z sind durchdachte Personalkonzepte notwendig.

Bild: © A Stefanofska/AdobeStock

Unternehmen sehen sich einem schrumpfenden Pool an Arbeitskräften gegenüber und müssen ausgewogene und nachhaltige Lösungen finden, um ältere Arbeitnehmer:innen länger im Berufsleben zu halten und ein generationenübergreifendes Miteinander zu sichern. Die Beschäftigten haben die Wahl; sie können ihre Rente früher mit Abschlägen oder später mit Zuschlägen in Anspruch nehmen. Das bringt viele Herausforderungen für Unternehmen mit sich.

Bei den Berliner Wasserbetrieben lässt sich dank einer proaktiven Personalpolitik ein konstruktives Generationenmiteinander beobachten. 48 Jahre ist momentan das Durchschnittsalter der 4636 Mitarbeiter:innen, doch die Mischung macht’s: Die Generation Z ist mit ca. 480 Arbeitnehmer:innen noch etwas zurückhaltend repräsentiert, die Generation Y aber bereits mit über 1000 Beschäftigten vertreten. Die Generation X und die Babyboomer machen den Großteil der Belegschaft aus.

Zusammenarbeit von Jung und Alt

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit der Generationen im betrieblichen Alltag? Die Pressesprecherin Astrid Hackenesch-Rump erklärt: „In den meisten Fällen sind die erfahrenen Beschäftigten hochzufrieden über den Nachwuchs und die Tatsache, dass sie ihre Aufgaben beruhigt in jüngere Hände geben können.“ Das schaffe Sicherheit, sorge für den nötigen Wissenstransfer und beweise die Relevanz der Aufgabe, so Hackenesch-Rump.

Sie räumt jedoch auch ein, dass es mitunter Unterschiede in der Herangehensweise gebe und Erfahrungs- und Ausbildungswissen miteinander kollidierten. „Diese Diskussionen sind aber in der Regel eher hilfreich für das gemeinsame Arbeiten.“ Durch ihre regen Nachwuchsföderprogramme sind bei den Berliner Wasserbetrieben nur 43 Mitarbeiter:innen im Alter von 65 Jahren tätig.

Immer mehr Ältere arbeiten länger

Aktuell liegt das durchschnittliche Renteneintrittsalter in Deutschland bei etwa 64 Jahren, während es vor 20 Jahren noch bei 62 Jahren lag. Silke Anger, Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bamberg, die auch leitend am Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit tätig ist, bestätigt, dass die Bereitschaft Älterer, länger zu arbeiten, sehr groß und in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen sei.

„Die Erwerbsquote der 65- bis 70-Jährigen hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten verdoppelt. Aktuell gehen etwa 15 Prozent dieser Personengruppe einer bezahlten Arbeit nach.“ Aus Studien gehe allerdings hervor, dass viele Männer und Frauen es bevorzugt hätten, ihren Renteneintritt erst zu einem späteren Zeitpunkt zu vollziehen. Demnach würde unter den nicht erwerbstätigen Rentner:innen jede fünfte Person gerne wieder arbeiten.

Großes Reservoir an älteren Fachkräften

Anger weist damit auf das noch nicht ausgeschöpfte Aktivierungspotenzial dieser Altersgruppe hin. Derzeit arbeiten ungefähr eine halbe Million Menschen, die 65 Jahre oder älter sind. Demgegenüber stünden jedoch noch immer zwei Millionen unbesetzte Facharbeiterstellen.

Eberhard Defke hat bis zu seinem 67. Lebensjahr bei den Berliner Wasserbetrieben als Maschinenbauingenieur gearbeitet. Seine Motivation, über das Renteneintrittsalter von 65 Jahren hinaus tätig zu sein, waren vor allem die Kolleg:innen. „Ich brauche einfach die Leute um mich herum“, sagt er. Zudem bestärke es einen, wenn die geleistete Arbeit wertgeschätzt werde.

Win-win für Ältere und Jüngere

Im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit jüngeren Mitarbeiter:innen betonte er die gegenseitige Hilfsbereitschaft. Den Austausch zwischen den Generationen habe er nicht als konfliktbeladen empfunden, eher als bereichernd. Letztendlich sei es ja ebendiese gute Arbeitsatmosphäre gewesen, die ihn dazu animiert habe, länger als gesetzlich vorgesehen zu beruflich tätig zu sein. (af/hp)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper