Frauen verdienen im Schnitt rund 23 Prozent weniger als Männer, ist ein zentrale erkenntnis der Analyse des Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit. Der Gehaltsunterschied zeigt sich auch dann, wenn sie den gleichen Beruf, die gleiche Branche oder die gleiche Markterfahrung vorweisen können. Diese sogenannte bereinigte Verdienstlücke verändert sich aber, heißt es in einer IAB-Mitteilung. Eine Beobachtung der Wissenschaftler Benjamin Lochner und Christian Merkl: Frauen würden sich seltener bei jenen Firmen bewerben, welche höhere Gehälter zahlen. Bei den Firmen mit den geringsten Lohnaufschlägen würden sich rund 55 Prozent der Frauen bewerben. Bei jenen, wo am meisten gezahlt wird, hingegen rund 36 Prozent.
Die Kurzstudie ist hier abrufbar.
Insgesamt zeigt sich aber, dass die Verdienstlücke kleiner wird, wenn man Frauen und Männer im gleichen Beruf mit ähnlichen individuellen Merkmalen vergleicht. Da lag der Unterschied bei rund 15 Prozent. Unter Berücksichtigung des geschlechtsspezifischen Bewerbungsverhaltens reduziere sich die Lücke sogar um mehr als die Hälfte auf rund sieben Prozent.
Flexibilität - davon profitieren die Männer
Flexibilitätsanforderungen, die mit einer ausgeschriebenen Stelle einher gehen, beeinflussen das Bewerbungsverhalten. Bewerber*innen seien laut der IAB-Analyse bereit, längere Pendelstrecken für besser bezahlte Stellen zurückzulegen. Außerdem erfordern höher bezahlte Stellen im Durchschnitt mehr Flexibilität hinsichtlich Arbeitszeit und beruflicher Mobilität. Mit zunehmenden Flexibilitätsanforderungen steigt der Anteil der Bewerbungen von Männern.
Im Mittel bewarben sich etwa 30 Prozent Frauen auf Stellen mit häufigen Dienstreisen und wechselnden Arbeitsorten. Dagegen lag der Anteil der Bewerbungen von Männern bei circa 70 Prozent. Auch legten Männer größere Pendeldistanzen zu Hochlohnfirmen zurück als Frauen, speziell im Vergleich zu Müttern. Mütter, die in geringerem Maße Flexibilitätsanforderungen nachkommen können, haben im Vergleich zu Männern und kinderlosen Frauen die höchsten Verdiensteinbußen. "Eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, etwa durch flexiblere Arbeitsmodelle und mehr Kinderbetreuungsmöglichkeiten, sowie eine gerechtere Aufteilung der Sorge-Arbeit zwischen beiden Elternteilen könnte die individuelle Flexibilität erhöhen, was sich wiederum positiv auf das Bewerbungsverhalten und die Verdienstmöglichkeiten auswirken könnte", erklärt IAB-Forscher Lochner. (gun)



