Das Image des Handwerks muss verbessert werden. Dafür warb eine Talkrunde auf dem Energiegipfel.

Das Image des Handwerks muss verbessert werden. Dafür warb eine Talkrunde auf dem Energiegipfel.

Bild: © 1st footage/AdobeStock

Wie können wir rasch genügend Fachkräfte für die Realisierung der Energiewende finden? Zu dem Thema gab es auf der Fachkonferenz des Handelsblatts diverse Empfehlungen. Dazu gehört zum Beispiel, die vorhandenen Fachkräfte effizienter einzusetzen. Durch Digitalisierung könne man die unternehmerischen Prozesse so gestalten, dass beispielsweise „der Elektromeister möglichst wenig Zeit auf der Straße und keine Zeit mit Papierkram verbringt“, sagte Oliver Koch, CEO von Sonnen. Dann kann er sein Wissen und Können dort einsetzen, wo es gebraucht wird: vor Ort bei der Montage, stellte der Anbieter von Solarspeicher-Lösungen fest.

Auch Florian Meyer-Delpho, Betreiber einer Plattform für Montageprojekte unter anderem für Solaranlagen, favorisiert diesen Ansatz. 80 Prozent der Aufgaben können mit einer Qualifizierungsmaßnahme von wenigen Wochen erledigt werden. Dann kann die knappe Ressource der Fachkräfte für die Arbeiten eingesetzt werden, für die entsprechendes Know-how notwendig ist.

Eigenes Ausbildungszentrum

Meyer-Delpho verwies auf die große Anzahl von niedrig Qualifizierten, die bei der Bundesagentur für Arbeit gelistet sind. Rund 40.000 Personen könnten zumindest theoretisch mit entsprechender Weiterbildung rasch eingesetzt werden. Auch wenn nur 1000 Kräfte gewonnen werden könnten, dann könnte bei rein rechnerisch ca. 12 bis 15 Solaranlagen pro Jahr pro Person „eine Menge geschraubt“ werden.

Zu den Optionen, die relativ rasch zu Erfolgen führen, gehören eigene Ausbildungszentren. Diesen Weg ist Mainova gegangen. „Wir haben die Ausbildung seit drei Jahren wieder zurückgeholt und ein eigenes Ausbildungszentrum gebaut“, sagte Mainova-Vorstand Diana Rauhut. Auch der Talentpool von älteren Mitarbeitern, die – vielleicht in Teilzeit – bereit sind, in den Arbeitsmarkt zurückzukommen, sollte genutzt werden, stellte Koch fest.

Besseres Image für das Handwerk

Höhere Gehälter zu zahlen, sei ein Aspekt der Lösung, aber nicht der ausschlaggebende Punkt, war sich die Diskussionsrunde einig. Ohnehin steigen die Verdienste aufgrund der Marktlage, bei der eine hohe Nachfrage auf ein geringes Angebot trifft. Kommunalen Unternehmen, die aber wie zum Beispiel Mainova tarifgebunden sind, sind aber in dieser Hinsicht die Hände gebunden. Ohnehin spiele die Wertschätzung, die dem Handwerksberuf entgegengebracht wird, ebenfalls eine große Rolle.

Das Image des Handwerks zu verbessern – vor allem im Verhältnis zum Studium – war für die Talkrunde von überragender  – allerdings eher längerfristiger – Bedeutung. Meyer-Delpho warb für Kampagnen mit dem Tenor: „Wir sind Energiewende-Helden, keine Studienversager“. „Wir feiern unsere Handwerker“, erläuterte der Installion-Chef. Die Mitarbeiter:innen werden zum Beispiel vom firmeneigenen Marketing bei TickTock in Szene gesetzt – mit entsprechend hohen View-Zahlen.

Rasche Rückkehr der Mütter

Die Karrieremöglichkeiten, die eine Handwerker-Laufbahn bietet, müssten in der Öffentlichkeit bekannter gemacht werden. Auch in den Schulen müsse das stärker thematisiert werden. Der Wunsch vieler junger Menschen zu studieren, führe nämlich dazu, dass nicht wenige die Uni schließlich doch wieder verlassen wollen. Rauhut, die auch in einem Hochschulrat vertreten ist, schilderte die Bemühungen, diese Personengruppe für einen Werdegang im Handwerk zu begeistern.

Zu den dickeren Brettern, die beim Thema Fachkräftemangel zu bohren sind, gehört die Zuwanderung. Koch empfahl als Vorbild die klassischen Einwanderungsländer, die die Zugangsvoraussetzungen nach dem Bedarf in einzelnen Berufen unterschiedlich steuern. Auch die Aktivierung des Potenzials an Frauen, die häufig mit Beginn der Erziehungszeiten für viele Jahre aus dem Berufsleben verschwinden, ist ein längerfristiges Ziel.

Um grundsätzlich etwas daran zu ändern, bräuchte es einen gesellschaftlichen Wandel, meinte Koch. Der Erfahrung des Chefs des international aufgestellten Unternehmens nach gibt es in vielen Ländern eine andere Kultur im Umgang mit Kleinkindern, die eine Rückkehr nach einer Geburt an den Arbeitsplatz nach wenigen Monaten gesellschaftlich akzeptiert. (hp)

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