Auf dem VKU-Stadtwerkekongress 2023 diskutierten zum Thema „Dem Arbeitskräftemangel begegnen – Zukunft sichern“ unter der Leitung der Fernsehmoderatorin Astrid Frohloff (1.li.): (v.li.n.re.) Verena Amann, Vorstand bei MVV Energie, Arne Hay, Geschäftsbereichsleiter Personal bei den Stadtwerken Flensburg, Coach und Speaker Balian Buschbaum, und
 Florian Timmermann, Head of Talent Acquisition Partner und People Experience Partner beim Axa Konzern.

Auf dem VKU-Stadtwerkekongress 2023 diskutierten zum Thema „Dem Arbeitskräftemangel begegnen – Zukunft sichern“ unter der Leitung der Fernsehmoderatorin Astrid Frohloff (1.li.): (v.li.n.re.) Verena Amann, Vorstand bei MVV Energie, Arne Hay, Geschäftsbereichsleiter Personal bei den Stadtwerken Flensburg, Coach und Speaker Balian Buschbaum, und
 Florian Timmermann, Head of Talent Acquisition Partner und People Experience Partner beim Axa Konzern.

Bild: © Nicole Müller/Bildschön/VKU

Eine attraktive Bezahlung ist wichtig – aber nicht das Allesentscheidende für eine erfolgreiche Personalarbeit. Das machte eine Diskussionsrunde auf dem VKU-Stadtwerkekongress in Köln deutlich. Viele andere Faktoren haben ebenfalls große Bedeutung.

Dazu gehört die Offenheit gegenüber Diversity, wirklich flexible Arbeitsmodelle, Digitalisierung – und vor allem Wertschätzung. Bei der Mitarbeiterakquise reicht die Bandbreite der eingesetzten Methoden von ganz traditionellen Verfahren bis zu Gamification, während die Beschäftigung ausländischer Fachkräfte auch zu Herausforderungen führt. Und noch ein weiteres Thema gewinnt an Bedeutung: die Transformation der HR-Abteilungen selbst.

Flexible Modelle für Kinder und Pflege

Wertschätzung, die sich nicht in Geld, sondern als Interesse am Menschen und seiner Karriere ausdrückt, ist beispielsweise laut Verena Amann eminent wichtig. „Ich halte Wertschätzung für den Treiber Nummer eins neben Sinnhaftigkeit“, sagte die MVV-Energie-Vorständin. Das Unternehmen hat deshalb seine Personalarbeit als Begleitung der Mitarbeitenden auf dem Karriereweg definiert und bietet für jede Lebensphase die passende Unterstützung.

Dazu gehört auch, flexible Arbeitsmodelle anzubieten. Großzügige Homeoffice-Regelungen ermöglichen die Anwerbungen von raren Fachkräften in speziellen Berufen auch in weit entfernten Regionen oder gar im Ausland. Junge Eltern brauchen angemessene Rahmenbedingungen, aber auch Mitarbeitende, die plötzlich Pflegetätigkeiten übernehmen wollen oder müssen. Die Stadtwerke Flensburg bieten dafür beispielsweise Auszeiten nach den tariflichen Möglichkeiten, aber auch Unterstützung durch eigene Beratungsangebote an.

Arbeitsunterlagen auf Englisch

Bei der Suche nach neuen Mitarbeitenden sind die von der Bundesregierung geplanten Erleichterungen der Zuwanderung nur bedingt hilfreich für die Stadtwerke-Branche, die vor einer altersbedingten Ausscheidungswelle steht. MVV Energie bereitet sich unter anderem dadurch darauf vor, dass sie Arbeitsunterlagen nicht nur in deutscher, sondern auch in englischer Sprache erstellet.

Die Stadtwerke Flensburg, die auf einige sehr erfolgreiche Beispiele der Integration ausländischer Fachkräfte verweisen können, sehen vor allem in mangelnden Sprachkenntnissen ein Beschäftigungshindernis, muss doch in bestimmten Berufsfeldern, allein wegen der Sicherheitsanforderungen, eine einwandfreie Kommunikation auch in Stresssituationen gewährleistet sein.

Das Potenzial der Digitalisierung

Die Digitalisierung hat für Stadtwerke durchaus das Potenzial, den Fachkräftemangel zu reduzieren. Bei MVV Energie sind Untersuchungen dazu bereits fester Bestandteil in der Personalplanung. Das Unternehmen analysiert Fachbereich für Fachbereich danach, wo die Chancen genutzt werden können und wo Personalentwicklung nötig ist.

Dass Recruitingprozesse für die junge Generation schneller und pfiffiger werden müssen, darüber waren sich die Diskussionsteilnehmer:innen, zu denen auch Florian Timmermann, Head of Talent Acquisition Partner des Axa Konzerns, sowie der Coach und Speaker Balian Buschbaum gehörte, einig. Amann gab zu bedenken, dass vor allem bei Führungskräften eine gewisse Ernsthaftigkeit in der Ansprache zu wahren sei, weshalb Social Media nicht das geeignete Tool, LinkedIn jedoch ein sehr wichtiger Kanal sei.

Gamification bei Azubis

Die Stadtwerke Flensburg starten bei der Azubi-Auswahl im Herbst mit einem gamifizierten Assessmentcenter. Dabei können in speziell konzipierten Spielen mit geschulten Beobachtern die Qualitäten der Bewerber:innen sehr schnell eingeschätzt werden, sagte Arne Hay, Geschäftsbereichsleiter Personal der Stadtwerke Flensburg.

Eine besondere Herausforderung ist für die Unternehmen auch die Transformation der eigenen Personalabteilungen für New Work. „Wir sind nun Enabler, die das Unternehmen dabei unterstützen, seine Strategie umzusetzen“, sagte Amann. Auch in Flensburg hat man den Weg weg von einer eher verwaltungsorientierten Personalabteilung hin zu einem Dienstleister für das Unternehmen eingeschlagen, der „Fragen beantwortet, bevor sie gestellt werden“, sagte Hay. (hp)

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