Von Jürgen Walk
Die EU plant, den Verkauf neuer Diesel- und Benzinautos ab 2035 zu verbieten. Doch daran will die größte Fraktion des Europäischen Parlaments, die Europäische Volkspartei (EVP), das Beil anlegen. "Alle Technologien, die zur Erreichung der Klimaziele beitragen, sollen fair behandelt werden", heißt es in einem Positionspapier der EVP-Fraktion. Dass das Verbrennerverbot nicht nur in der Politik, sondern auch in der Bevölkerung durchaus umstritten ist, zeigt zudem eine Studie der Beratungsgesellschaft Deloitte.
Aus Sicht der EVP ist das Verbrennerverbot zu sehr Auspuff-zentriert. Es vernachlässige die umfassenderen Umweltauswirkungen der Fahrzeugproduktion, -nutzung und -entsorgung, es begünstige Elektrofahrzeuge unverhältnismäßig und schränke den fairen Wettbewerb ein.
Zur Reduktion von Emissionen sei die Rolle aller Technologien anzuerkennen. Dies schließe alternative Möglichkeiten wie Biokraftstoffe und synthetische Kraftstoffe aus erneuerbaren Energien ein. Auch die Rolle von Plugin-Hybriden müsse anerkannt werden. Sanktionen für die Autoindustrie seien wenn möglich zu vermeiden, fordern die Verfasser des Papiers.
Ablehnung nimmt mit steigendem Alter zu
Die EVP kann sich dabei darauf stützen, dass das Verbrennerverbot in Deutschland nicht wirklich populär ist. 40 Prozent finden das Verbot gut, fast ebenso viele lehnen es als schlecht oder sehr schlecht ab, der Rest ist unentschieden. Das hat eine Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte ergeben. Ans Ziel, 15 Millionen Elektroautos bis 2030 auf deutsche Straßen zu bringen, glauben die Berater nicht mehr.
Beim "Verbrennerverbot" zeigt sich aber ein klarer Trend: Jüngere stehen dem Verkaufs-Ende deutlich positiver gegenüber als Ältere. Die Befragten, die zwischen 18 und 34 Jahre alt sind, sprechen sich mit deutlicher Mehrheit von 57 Prozent für den Ausstieg aus. Nur rund ein Fünftel ist dagegen.
Doch mit steigendem Alter nimmt auch die Ablehnung zu. Am kritischsten sind die 55- bis 64-Jährigen: Hier bewerten 56 Prozent die EU-Entscheidung als schlecht oder sehr schlecht.
Die meisten, die sich gegen das Verbot aussprechen, lehnen den Verbrenner-Ausstieg komplett ab. Ein Fünftel der Kritiker kann sich einen Aufschub um einige Jahre vorstellen. Einige Befragte schlagen vor, das Verbot nur teilweise umzusetzen, etwa in bestimmten Regionen oder abhängig von Stückzahlen.
Viele befürworten Förderung des Nahverkehrs
Doch wie soll die Politik Klimaschutzmaßnahmen unterstützen? Die meisten Verbraucher, fast die Hälfte, fordern eine stärkere Förderung des Nahverkehrs. Rund ein Drittel nennt synthetische Kraftstoffe und alternative Antriebe. 29 Prozent der Befragten befürworten eine stärkere Förderung von Elektroautos. Wenig populär, mit 11 Prozent, ist der Wunsch, Verbrenner früher als 2035 zu verbieten. Neun Prozent schließlich wollen überhaupt keine Klimaschutzmaßnahmen.
Die Deloitte-Berater dämpfen in der Studie auch den Optimismus bei Elektromobilität: Das Ziel, 15 Millionen E-Autos bis 2030 auf die Straße zu bringen, rücke in weite Ferne. “Nach unseren Berechnungen werden in fünf Jahren gerade mal 11,2 Millionen Elektrofahrzeuge in Deutschland fahren“, sagt Harald Proff von Deloitte.
Dennoch lasse sich die Antriebswende Richtung Elektromobilität angesichts weltweiter Regulatorik, neuer Akteure und der fortschreitenden Erderwärmung nicht mehr aufhalten. "Die Unternehmen sind gut beraten, stärker in die Batterieforschung zu investieren, so die Fahrzeugpreise zu senken und die Akzeptanz der E-Mobilität zu stärken“, lautet seine Empfehlung.



