Der Deutsche Wasserstoff- und Brennstoffzellenverband (DWV), Clean Energy Partnership als Initiative des Bundesverkehrsministeriums und Andreas Rimkus, Vorsitzender der Sozialdemokraten in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt, starteten mit zahlreichen Branchenvertretern einen Workshop rund um die grüne Wasserstofftechnologie.
Das Gas, das mittels Elektrolyse gewonnen wird, bietet nämlich nicht nur Chancen für eine umweltfreundlichere Mobilität und Energieversorgung, sondern auch für den deutschen Arbeitsmarkt. Wenn in den nächsten Jahren nach und nach die Förderbänder in den vier größten Braunkohlerevieren zum Erliegen kommen, könnte ein Teil der rund 70 000 direkt oder indirekt Beschäftigten in die H2-Industrie wechseln.
Bis zu 100 000 neue Arbeitsplätze
Soll es mit den klimapolitischen Zielen bis 2050 klappen, müssen laut zahlreichen Studien hierzulande zwischen 100 und 350 GW Elektrolyse-Leistung aufgebaut werden. Das entspreche aus Sicht der Workshop-Teilnehmer einem enormen wirtschaftlichen Marktpotenzial von bis zu 300 Mrd. Euro. Für den Arbeitsmarkt bedeutet das allein in der Anlagenproduktion einen Zuwachs von 30000 bis 90000 freien Stellen. Hinzu kommt Personal für Betrieb, Service und Instandhaltung, sodass letztlich zwischen 35000 und 100000 Arbeitsplätze geschaffen werden.
Besonderes Gewicht bekommen diese Hochrechnungen, weil nicht nur ein Strukturwandel in den Kohlerevieren bevorsteht, sondern auch in der Automobilbranche. Diverse Fachkräfte aus beiden Sparten könnten aufgrund des vorhandenen technischen Know-hows auf Wasserstoff umsatteln. Kaufleute, Maschinenbauer, Maschinenschlosser oder Verfahrenstechniker sowie Elektroingenieure sind flexibel einsetzbar.
Frankreich: 100 Mio. Euro für Wasserstoff
Deutschland dürfe die flachendeckende Markteinführung der H2-Technologie nicht verschlafen, heißt es in dem Appell von DWV, Clean Energy Partnership und Rimkus. Bei der Batteriefertigung hat China den europäischen Markt längst abgehängt. Wie das bei der Wasserstofftechnologie verhindert werden kann, zeigt Frankreich.
Die französische Regierung hat ein 100 Mio. Euro schweres Förderprogramm aufgelegt. So beabsichtigt Frankreich im Bereich Mobilität bis 2023 über 5000 leichte Nutzfahrzeuge und 200 Fahrzeuge aus dem Schwerlastbereich (Lastwagen, Busse, Schiffe, Züge) auf Frankreichs Straßen zu bringen. Bis 2028 sollen es bereits 20000 bis 50000 Fahrzeuge sein. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens McKinsey bedeutet der Vorstoß für die H2-Branche einen Jahresumsatz von etwa 8,5 Mrd. Euro bis ins Jahr 2030 – nochmal 20 Jahre später könnten es bereits 40 Mrd. Euro sein.
Eine Mrd. Euro Kosten wegen holprigem Netzausbau
Wo die einen Profit wittern, geht es für die anderen um Sparpotenziale: Eine Studie des Forschungszentrums Jülich im Auftrag von H2Mobility, dem deutschen Konsortium führender Industrieunternehmen, hat ermittelt, dass die Wasserstoffinfrastruktur langfristig um über zehn Mrd. Euro günstiger sein kann als eine reine Stromladeinfrastruktur. Immerhin ist die Gasinfrastruktur bereits vorhanden, Stromtrassen müssem vielerorts erst gebaut oder aufgerüstet werden. Allein 2017 entstanden aufgrund fehlender Stromtrassen für den Transport eine Mrd. Euro an Zusatzkosten. (ls)



