Bei Flächen für Ladeinfrastruktur bevorzugen Kommunen zu oft ihre eigenen Stadtwerke, lautet der Vorwurf des Bundeskartellamts.

Bei Flächen für Ladeinfrastruktur bevorzugen Kommunen zu oft ihre eigenen Stadtwerke, lautet der Vorwurf des Bundeskartellamts.

Bild: © fottoo/AdobeStock

Von Jürgen Walk

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat auf der Ladeinfrastruktur-Konferenz (Liskon) seines Hauses den "Masterplan Ladeinfrastruktur 2030" vorgestellt. Ebenfalls im Fokus der Konferenz standen der kommunale Ladesäulenausbau sowie das Laden von E-Lkw bis 2030. Mit dem neuen Masterplan unterstreicht die Bundesregierung nach Schnieders Worten ihre Entschlossenheit, die Elektromobilität weiter voranzubringen und das Laden so selbstverständlich wie Tanken zu machen.

Schnieder wies auf die Dynamik der Elektromobilität und die steigende Zahl von Elektroautos und Ladepunkten in Deutschland hin. Ziel sei es, das Laden von E-Fahrzeugen zur Selbstverständlichkeit zu machen und in den Alltag zu integrieren. Kernstück dafür sei der neue Masterplan Ladeinfrastruktur 2030, der gerade im Kabinett beschlossen wurde. Deutschland verfüge aktuell über mehr als 180.000 Ladepunkte – eine Verfünffachung in fünf Jahren. 

Stadtwerke haben früh geliefert

Dennoch bleiben Lücken, die geschlossen werden müssen, so Schnieder. "Viele denken, die großen weißen Flächen sind irgendwo im ländlichen Raum. Da gibt es auch noch ein paar, aber der große Bedarf besteht in Großstädten. Da haben wir nicht nur Einfamilienhäuser mit Fotovoltaik auf dem Dach und einer Wallbox in der Garage". Der Masterplan sehe Investitionen in Ladeinfrastruktur für Mehrparteienhäuser vor, um die Elektrifizierung von Stellplätzen zu erleichtern.

Innovationen wie bidirektionales Laden sollen gefördert werden, um Fahrzeuge als Energiespeicher zu nutzen und zusätzliche Einnahmequellen für Nutzer zu schaffen. Zudem werde die Preistransparenz verbessert: Digitale Preisinformationen, einfache Bezahlmöglichkeiten und wettbewerbliche Vergabe öffentlicher Flächen sollen den Zugang erleichtern.

Die Rolle der Stadtwerke war Thema von Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen. Die Kommunalwirtschaft betreibe eigene Ladesäulen, habe sich früh am Ausbau öffentlicher Ladeinfrastruktur beteiligt und sichere als Verteilnetzbetreiber den Netzausbau. Zudem liefern Stadtwerke Strom. Liebing wies aber auch auf die häufig fehlende Wirtschaftlichkeit hin, die erst mit steigender Fahrzeugnachfrage erreicht werde. 

Für einen vorausschauenden Netzausbau seien frühzeitige Informationen entscheidend, insbesondere bei großen Schnellladehubs, so Liebing. Fehlen diese, verzögern sich Anschlussanfragen und Projekte, da die nachgelagerte Infrastruktur erst geschaffen werden muss. "Neben Ladeinfrastruktur müssen auch Wind- und PV-Anlagen, Speicher, Rechenzentren und Wärmeerzeuger angeschlossen werden. Die Zahl der Anfragen ist stark gestiegen. Hier braucht es individuelle Lösungen statt starrer Standards", so Liebing. 

Die Erfolge betonen, aber Probleme nicht ignorieren

Für Kerstin Andreae, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), ist die Vision nicht "Laden ist das neue Tanken", sondern "E-Auto ist das neue Auto". Positiv sei der Wandel im Masterplan Ladeinfrastruktur: weg vom reinen Infrastruktur-Fokus hin zu einem systemischen Ansatz mit Digitalisierung und Fahrzeugintegration. Andreae warb dafür, nicht mit dem Finger auf andere zu zeigen und zu fragen, wer Fehler macht. Wichtig sei es, die Besonderheit der Elektromobilität und die hohe Zufriedenheit der Nutzenden nach vorne zu stellen.

Mit diesem Appell konnte sich Hildegard Müller, Chefin des Verbands der Automobilindustrie, nicht vollumfänglich anfreunden. "Wir müssen den Blick auch darauf richten, was eben noch nicht erreicht worden ist", so Müller. "Auf Veranstaltungen frage ich die Leute, wer denn im September 2034 den letzten Verbrenner kauft. Da gehen ganz viele Hände hoch." Man müsse nicht mit denen reden, die überzeugt sind, sondern mit denen, die auf Distanz sind, also die Menschen in Mietwohnungen etwa. "Weder dürfen wir Panik verbreiten noch die Herausforderungen banalisieren", forderte die VDA-Hauptgeschäftsführerin.

Ola Källenius, Chef der Mercedes-Benz Group, betonte das Nullemissionsziel der Autobauer, hält aber dennoch einen Mix aus Antriebsarten für nötig, da Märkte unterschiedlich schnell umsteigen. Källenius fordert realistische EU-Ziele und warnte vor negativen Folgen zu ambitionierten Vorgaben. Die Transformation sei die größte industrielle Umwälzung seit der Erfindung des Automobils, erfordere Milliardeninvestitionen und enge Zusammenarbeit mit Politik, um Dekarbonisierung, Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze zu sichern.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper