Von Andreas Baumer
Es war eine kleine Sensation, die sich da im niederbayerischen Bad Birnbach mit seinen rund 5700 Einwohnern abspielte. Nicht in Berlin, nicht in Hamburg, sondern genau hier fuhren viele Monate autonome Elektrobusse auf und ab.
"Wir schreiben Geschichte", hatte der damalige Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zu dem Pilotprojekt gesagt. Es zeige die Mobilität der Zukunft und solle den öffentlichen Nahverkehr im ländlichen Raum stärken.
Betrieb Ende 2024 eingestellt
Die Zukunft ist in Bad Birnbach nun fürs Erste Vergangenheit. Seit Jahresbeginn fahren keine autonomen Busse mehr. Der Fahrzeughersteller Easymile hat allen Projektteilnehmern, darunter dem Landkreis Rottal-Inn, mitgeteilt, dass er sich aus dem Bereich der Personenbeförderung komplett zurückziehen werde.
Heißt: Zuständige Mitarbeiter für Service und Unterstützung der Shuttles würden – wenn überhaupt – nur noch sehr eingeschränkt zur Verfügung stehen, teilte der Landkreis kurz vor Weihnachten mit. Also wurde der Betrieb der Busse zum Jahresende eingestellt.
Pilotprojekt 2017 gestartet
Rückblick: 2017 war das Pilotprojekt autonomer Elektrobusbetrieb gestartet. Nach eigenen Angaben handelte es sich um die deutschlandweit ersten autonomen Fahrzeuge im Regelbetrieb des öffentlichen Nahverkehrs.
Es begann mit einem Bus innerhalb des Ortsgebiets, der seit Oktober 2019 auch den außerhalb liegenden Bahnhof anband. Seit 2022 waren sogar im Rahmen eines Forschungsprojekts drei Fahrzeuge im Einsatz. Auch ein On-Demand-Service wurde angeboten. Übrigens: Aufgrund von EU-Regelungen seien bis zum Schluss Begleiter mit an Bord gewesen, teilte der Landkreis mit. Die Hoffnung, dass der Begleiter entfallen und die Kontrolle über eine Leitstelle laufen könne, erfüllte sich nicht.
Verschiedene Finanzierungsquellen
Zu Beginn trug die Deutsche Bahn die Kosten des Betriebs. Fördermittel kamen vom Freistaat Bayern. Mit Beginn des Forschungsprojekts im Mai 2022 stellte das Bundesverkehrsministerium Gelder bereit, allerdings nur bis Mitte 2023.
Daraufhin übernahmen der Landkreis, der Markt und das Nahverkehrsunternehmen RBO für ein halbes Jahr die Kosten. 2024 flossen Fraktionsmittel über den bayerischen Landtagsabgeordneten Martin Wagle ins Projekt. Diese hätten einen Betrieb auch über 2024 hinaus sichergestellt, heißt es.
Nach Angaben des Landkreises legten die autonomen Busse zwischen Oktober 2017 und September 2024 insgesamt mehr als 123.000 Kilometer zurück. Mehr als 110.000 Menschen seien befördert worden, mehr als 12.000 davon im On-Demand-Betrieb.



