Heilbronn will das öffentlich zugängliche Ladenetz ausbauen.

Heilbronn will das öffentlich zugängliche Ladenetz ausbauen.

Bild: © Bluedesign/Adobe Stock

Geht es nach der Bundesregierung, sollen bis Ende des Jahrzehnts 15 Millionen vollelektrische Autos aus den Straßen unterwegs sein. Ein Baustein für den Hochlauf der Elektromobilität ist dabei der Bau von Ladestationen. Das Bundesverkehrsministerium hatte dazu den „Masterplan Ladeinfrastruktur II“ erstellt, der sich derzeit in der Ressortabstimmung befindet. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) fordert bei der Elektromobilität mehr Pragmatismus von Politik und Verwaltung.

Elektroautofahrer müssen mittlere und lange Strecken verlässlich fahren können, heißt es im Masterplan. Dabei sollen sie weder Umwege noch Wartezeiten für das Laden in Kauf nehmen müssen. Für Nutzer ohne eigenen Stellplatz müsse öffentliche Ladeinfrastruktur auch in dicht besiedelten Gebieten verfügbar sein. Das gleiche gelte für die nicht öffentliche Ladeinfrastruktur an Wohngebäuden, am Arbeitsplatz sowie für betrieblich genutzte Flottenfahrzeuge. Der Masterplan adressiert neben der Ladeinfrastruktur für Autos und leichte Nutzfahrzeuge auch die für schwere Nutzfahrzeuge inklusive Fernbusse.

Austausch möglichst vermeiden

„Wir kommen mit dem Ausbau der Ladeinfrastruktur gut voran“, erklärt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Damit der Hochlauf aber nicht ausgebremst wird, „brauchen wir deutlich mehr Pragmatismus auf Seiten der Politik und der Verwaltung“. Nötig sei zudem eine konzertierte Aktion, bei der Energiebranche,  Automobilwirtschaft, Wohnungswirtschaft, Handel und Kommunen zusammen mit der Politik an einen Tisch kommen. „Gerade in der Phase des Markthochlaufs müssen wir eng zusammenarbeiten, um zu klugen und kundenfreundlichen Lösungen zu kommen“, betont Andreae.

Essenziell für die Mobilisierung privater Investitionen sei ein stabiler Regulierungsrahmen. Es müsse die Maxime gelten „Weniger ist mehr“. Änderungen im Regulierungsrahmen, etwa am Mess- und Eichrecht, führten im schlechtesten Fall dazu, dass aufgebaute Ladeinfrastruktur wieder ausgetauscht werden muss, statt den Fokus auf den weiteren Ausbau zu legen. In der jetzigen Phase solle auf Detailregulierung verzichtet werden.

Das Flächentool muss genutzt werden

Wichtig sei stattdessen ein klarer Fokus auf übergeordnete Rahmenbedingungen. Die Verfügbarkeit geeigneter Flächen sei derzeit wohl die größte Herausforderung. Das von der Leitstelle Ladeinfrastruktur bereitgestellte „FlächenTOOL“ könnte dafür ein hilfreiches Instrument sein. Dessen Inhalte seien jedoch noch nicht zufriedenstellend. Akteure wie Kommunen oder die Leitstelle Ladeinfrastruktur sollten motiviert werden, ihre verfügbaren Flächen einzutragen.

Der zweite große Engpass seien die langwierigen Genehmigungsprozesse und die stark variierenden Anforderungen je nach Bundesgebiet. Vereinfachungen und Beschleunigungen der Genehmigungsprozesse kämen sowohl Ladesäulenbetreibern als auch Netzbetreibern zugute.

Unübersichtliche Förderung

Der dritte Punkt, um dem Ausbau der Ladeinfrastruktur zusätzlich Schwung zu verleihen, ist laut BDEW eine Überarbeitung oder Neukonzipierung der Bundesförderprogramme. Die Förderverfahren für öffentliche Ladeinfrastruktur seien aktuell zu unübersichtlich, bürokratisch und langwierig. „Hier brauchen wir kluge und pragmatische Lösungen, in Anlehnung an die sehr erfolgreiche private Wallbox-Förderung der KfW“, heißt es beim BDEW.

Wichtig sei darüber hinaus, sich auf realistische Ziele für den Ladesäulenbedarf zu verständigen. Die Bundesregierung hat sich für 2030 das Ziel von einer Million öffentlich zugänglicher Ladepunkten gesetzt. Die Nationale Plattform Mobilität hat für 15 Millionen E-Pkw und den von der EU zugrunde gelegten drei Volllaststunden pro Tag einen Bedarf zwischen 107.000 und 631.000 Ladepunkten errechnet. Nach Einschätzung des BDEW ist aber nur ein Bedarf zwischen 100.000 und 250.000  öffentlichen Ladepunkte im Jahr 2030 realistisch.

Verbände kritisieren Fokus auf Eigenheime

In einer gemeinsamen Stellungnahme haben mehrere Verbände für eine stärkere Konzentration bei Ladeinfrastruktur auf Mietshäuser geworben. Mit dem bisherigen Fokus auf Eigenheimbesitzende und öffentliche Ladeinfrastruktur greife die Politik zu kurz. Es sei mindestens genau so wichtig, den Ausbau der Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern voranzubringen, heißt es beim Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), beim Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), beim Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) und beim Verband der Automobilindustrie (VDA).

Die Errichtung von Ladeinfrastruktur in großen Wohn- und Mietshäusern sei ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Energiewende. Denn erst wenn das Zuhause-Laden auch für die Bewohnerinnen und Bewohner größerer Wohneinheiten funktioniert, könne die Zukunftsvision von E-Fahrzeugen als Speicher für regenerative Energie Wirklichkeit werden. Werden E-Fahrzeuge auf diese Weise in das Hausnetz eingebunden, können zudem Spitzen im Stromangebot und der Stromnachfrage ausgeglichen werden, heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung. (wa)

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