Dynamische Tarife an Ladesäulen eröffnen neue Möglichkeiten

Dynamische Tarife an Ladesäulen eröffnen neue Möglichkeiten

Bild: © standret / Adobe Stock

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Gastbeitrag von
Sören Ziems,
Mitgründer, Geschäftsführer und Chief Product Officer von Elvah

Mit Ladestrompreisen, die sich flexibel an Echtzeitfaktoren wie Stromangebot, Nachfrage oder Standortauslastung anpassen, könne der Lademarkt nachhaltiger und effizienter gestaltet werden, schreibt Sören Ziems vom E-Mobilitäts-Softwareentwickler Elvah in seinem Gastbeitrag für die ZfK.

Status quo: Quantität ohne Qualität

Die Elektromobilität ist längst keine Zukunftsvision mehr – sie ist mitten in unserem Alltag angekommen. Mehr als 21 Millionen Ladevorgänge und eine Energiemenge von 500 Gigawattstunden im ersten Halbjahr 2024 sprechen eine klare Sprache: Der Wandel ist real und unaufhaltsam. Doch hier liegt genau der Punkt, an dem wir ansetzen müssen: Die aktuelle Ladeinfrastruktur ist zu starr, zu unflexibel – und damit nicht in der Lage, mit dem rasanten Wachstum Schritt zu halten. Nur Ladesäulen aufzustellen, reicht längst nicht mehr aus. Es wird Zeit, dass wir das System hinterfragen und auf ein neues Niveau heben.

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur braucht ein Update – und zwar eines, das Flexibilität, Effizienz und Fairness vereint. Die zentrale Frage, vor der Kommunen, Stadtwerke und Regionalversorger stehen, lautet: Wie steuern wir die Nachfrage und gestalten eine Infrastruktur, die nicht nur wächst, sondern effizienter wird? Jetzt ist der Moment, in dem innovative Ansätze gefragt sind. Es geht nicht nur darum, mit dem Strom zu schwimmen, sondern aktiv die Richtung vorzugeben.

Mit über 145 000 öffentlichen Ladepunkten hat Deutschland auf den ersten Blick viel erreicht. Aber wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) treffend anmerkt: Ein Verhältnis von 17,3 Elektrofahrzeugen pro Ladepunkt mag wie ein Fortschritt wirken, aber von einer bedarfsgerechten, flächendeckenden Infrastruktur sind wir noch weit entfernt.

Der Markt ist dabei immer noch von starren Strukturen geprägt: Hohe Preise, langfristige Preisbindungen und kaum echte Wettbewerbselemente. Die Folge? Verbraucher:innen zahlen unnötig viel und Betreiber verlieren die Möglichkeit, flexibel auf Angebot und Nachfrage zu reagieren. Das ist weder nachhaltig noch fair.

Dynamische Preise: Eine Win-win-Situation

Hier liegt ein Schlüssel, den wir nutzen sollten: die dynamische Preisgestaltung. Flexiblere Tarife eröffnen neue Möglichkeiten – für Betreiber und für Verbraucher:innen. Sie optimieren die Auslastung von Ladepunkten, machen den Betrieb wirtschaftlicher und entlasten Kund:innen, wenn es darauf ankommt.

Wie funktioniert das konkret? Preise passen sich an Faktoren wie Energieverfügbarkeit, Netzkapazität und regionale Nachfrage an. Gerade, wenn mehr als 60 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen und viele Betreiber bereits auf 100 Prozent regenerative Energien für den Ladestrom setzen, ergibt das Sinn. Wenn viel Energie im Netz ist oder die Auslastung gering ist, können Betreiber günstigere Preise anbieten. Das ist nicht nur fair, sondern stärkt auch die Kundenbindung und fördert nachhaltiges Ladeverhalten.

Natürlich gibt es Einwände zur vermeintlichen Intransparenz. Doch genau hier haben Betreiber heute alle Möglichkeiten, Preisanpassungen klar zu kommunizieren – sei es über Apps, digitale Plattformen oder direkt an der Ladesäule. Transparenz ist eine Frage des Wollens, nicht des Könnens. Standardisierte Preisstrukturen, verständliche Erklärungen und Echtzeitinformationen sind dabei entscheidend. Verbraucher:innen verdienen Nachvollziehbarkeit, und Betreiber können Vertrauen gewinnen, wenn sie den ersten Schritt machen. Regulatorische Rahmenbedingungen können dabei unterstützen, Fairness und Markttransparenz sicherzustellen.

Ausbau und Steuerung im Gleichgewicht

Eine erfolgreiche Ladeinfrastruktur ist kein Selbstläufer, sie erfordert vorausschauende Planung. Besonders in Regionen mit schwankendem Ladebedarf – sei es durch Tourismus oder ländliche Besonderheiten – brauchen wir neue Ansätze. Dabei benötigen ländliche Räume andere Ideen als urbane Zentren. Staatliche Förderungen sind hilfreich, doch wir brauchen auch kreative Lösungen wie mobile Ladepunkte oder die Nutzung bestehender kommunaler Standorte – von Supermärkten über Bahnhöfe bis hin zu Rathäusern.

Der Wandel ist da, aber er passiert nicht von allein. Kommunen, Stadtwerke und Politik müssen zusammenarbeiten, um die Weichen für eine nachhaltige, flexible Ladeinfrastruktur zu stellen. Dynamische Preise sind dabei nicht nur eine technische Spielerei, sondern ein Schlüssel zu Effizienz und Fairness – und letztlich zur nachhaltigen Mobilitätswende.

Es geht nicht nur darum, mit der Elektromobilität Schritt zu halten, sondern sie zu gestalten – mit Innovation, Mut und Weitblick. Nur so können wir sicherstellen, dass Kommunen nicht nur Teil der Energiewende sind, sondern Treiber einer besseren, nachhaltigeren Zukunft.

Hinweis: Dieser Gastbeitrag spiegelt die Meinung des Autoren wider und entspricht nicht zwangsläufig der Ansicht der Redaktion.

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