2020 war vielleicht etwas überehrgeizig, aber 2022 soll es wirklich so weit sein: Dann sollen eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren - das prognostiziert die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE), die ihren Fortschrittsbericht 2018 an Bundeskanzlerin Angela Merkel überreicht hat. Das Zieljahr 2020 hatte die NPE bei ihrer Gründung vor acht Jahren genannt; die Bundesregierung hatte es sich damals zu Eigen gemacht.
Das genaue Datum sei ja nicht so entscheidend, so NPE-Vorsitzender Henning Kagermann. Wichtiger sei, die Nutzer durch ein stimmiges Gesamtsystem aus attraktiven Fahrzeugen, Ladeinfrastruktur, klimafreundlichem Energiesystem, Dienstleistungen und den passenden rechtlichen Rahmenbedingungen zu überzeugen.
Hundert Automodelle bis 2025
Statt Tadel für das verpasste Ziel gibt es Lob von der NPE: Deutschland schließe zu den internationalen Leitmärkten für Elektromobilität auf. Immerhin: bis Ende August wurden mehr als 177.000 Elektrofahrzeuge in Deutschland neu zugelassen. Deutschland habe im vergangenen Jahr mit 117 Prozent die weltweit höchste Wachstumsrate aufgewiesen und sei neben China der Markt mit dem größten verfügbaren Fahrzeugangebot. Mittlerweile seien 33 Modelle deutscher Anbieter erhältlich – bis 2025 sollen es mindestens hundert sein.
Der Marktanteil deutscher Hersteller bei Elektrofahrzeugen stehe demjenigen nicht nach, den Autos made in Germany mit konventionellem Antrieb haben. Ausnahme ist der chinesische Markt, der noch immer abgeschottet ist. Ohnehin sei die heimische Industrie Innovationsführer; jedes dritte Patent des Sektors stamme aus Deutschland.
Kommunen könnten agiler sein
Bei der Übergabe des Berichts erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Wir müssen ganz ehrlich sein: Trotz aller Fortschritte dauern die Dinge etwas länger, als wir uns das vor acht Jahren gedacht haben.“ Beim Ausbau des Ladenetzes könnten auch Kommunen noch „sehr viel agiler“ sein. Die deutsche Industrie solle „im Rahmen unserer strategischen Fähigkeiten“ auch mit anderen europäischen Ländern an einer eigenen Batteriezellen-Produktion teilnehmen, so Merkel.
In wenigen Tagen soll dann die konstituierende Sitzung der Nationalen Plattform „Zukunft der Mobilität“ (NPM) sein, der Nachfolgerin der NPE. Ihrer Einsetzung hat das Bundeskabinett heute zugestimmt. In sechs Arbeitsgruppen sollen Lösungsansätze für eine nachhaltige, bezahlbare und klimafreundliche Mobilität entwickelt werden.
Dem Lenkungskreis unter Vorsitz von Kagermann sollen sechs Arbeitsgruppen zuarbeiten:
- Klimaschutz im Verkehr; Vorsitz: Franz Loogen
- Nachhaltige Mobilität: alternative Antriebe und Kraftstoffe; Vorsitz: Barbara Lenz
- Digitalisierung, Automatisiertes Fahren und neue Mobilitätskonzepte; Vorsitz: Klaus Fröhlich
- Sicherung des Mobilitäts- und Produktionsstandortes, Batteriezellproduktion, Rohstoffe und Recycling, Bildung und Qualifizierung; Vorsitz: Jörg Hofmann
- Sektorkopplung (insbesondere Verknüpfung der Verkehrs- und Energienetze); Vorsitz: Stefan Kapferer
- Standardisierung, Normierung, Zertifizierung und Zulassung; Vorsitz: Roland Bent
(wa/dpa)



