Bei Neufahrzeugen sind die Zulassungsraten von Elektroautos schon eine signifikante Größe; im Bestand spielen die Stromer jedoch noch keine wichtige Rolle.

Bei Neufahrzeugen sind die Zulassungsraten von Elektroautos schon eine signifikante Größe; im Bestand spielen die Stromer jedoch noch keine wichtige Rolle.

Bild: © Achim Wagner/Adobe Stock

Die Elektromobilität gilt als Schlüssel zur Dekarbonisierung des Straßenverkehrs in Europa. Doch die Analyse "Vehicles on European Roads" des europäischen Autohersteller-Verbands ACEA zeigt: Die Realität hinkt den ambitionierten Zielen weit hinterher.

Zwar haben batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) im vergangenen Jahr einen bemerkenswerten Sprung bei den Neuzulassungen hingelegt und sind inzwischen die drittbeliebteste Antriebsart für Neuwagenkäufer in der EU – ihr Anteil an den Neuregistrierungen liegt bei fast 17 Prozent mit deutlicher Tendenz nach oben. Doch im tatsächlichen Fahrzeugbestand spielen sie weiterhin eine eher geringe Rolle: Lediglich 2,3 Prozent aller Autos in der EU sind derzeit batterieelektrisch unterwegs.

Der Austausch ist ein langwieriger Prozess

Diese Diskrepanz zeigt: Der Austausch alter Fahrzeuge gegen neue, emissionsfreie Modelle ist ein langwieriger Prozess, der sich über Jahre oder gar Jahrzehnte erstrecken wird. Die durchschnittliche Lebensdauer eines Autos in der EU beträgt derzeit 12,7 Jahre. Bei leichten Nutzfahrzeugen sind es 12,9 Jahre, bei Lastwagen sogar 14 Jahre. In Griechenland liegt das Durchschnittsalter der Pkw-Flotte zum Beispiel bei fast 18 Jahren. Das bedeutet: Selbst wenn die Neuzulassungen von Elektroautos weiter steigen, wird es lange dauern, bis sich dies spürbar im Gesamtbestand niederschlägt.

Die Unterschiede zwischen den Ländern sind erheblich. Während Dänemark mit einem BEV-Anteil von 12,1 Prozent an der Pkw-Flotte führend ist, liegen die meisten EU-Staaten unter vier Prozent. Norwegen ist die Ausnahme: Mit Neuzulassungsraten von knapp 100 Prozent für Elektroautos in den vergangenen zwei Jahren sind dort mittlerweile mehr als ein Viertel aller Pkw batterieelektrisch. 

Die Zahlen des ACEA-Reports machen deutlich, wie groß die Herausforderung ist. Während batterieelektrische Pkw mit 2,3 Prozent einen kleinen, aber wachsenden Anteil am Bestand haben, dominieren weiterhin Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Plug-in-Hybride kommen auf 1,4 Prozent, Hybridfahrzeuge auf rund fünf Prozent.

Bei leichten Nutzfahrzeugen ist die Situation noch deutlicher: 90,3 Prozent der Flotte fahren mit Diesel, nur 1,3 Prozent sind batterieelektrisch. Bei Lastwagen liegt der Elektroanteil bei gerade einmal 0,3 Prozent, während Diesel mit 96,3 Prozent nahezu die gesamte Flotte bestimmt. Selbst im Bussegment, das als Vorreiter gilt, beträgt der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge nur 3,2 Prozent. Luxemburg, die Niederlande und Dänemark stechen hier positiv hervor, mit Anteilen von bis zu 23 Prozent.

Die Gründe für die langsame Durchdringung sind vielfältig. Neben dem hohen Durchschnittsalter der Fahrzeuge spiele die Infrastruktur eine entscheidende Rolle. Ohne flächendeckende Ladepunkte und attraktive Rahmenbedingungen für Verbraucher bleibe die Verkehrswende eine theoretische Vision. 

Gesetze reichen laut ACEA nicht aus

ACEA weist darauf hin, dass gesetzliche Zielvorgaben allein nicht ausreichen. Vielmehr bedarf es – so der Verband – eines "pragmatischen und realistischen Pfads". Dieser müsse neben Regulierung auch Investitionen in Ladeinfrastruktur sowie Kauf- und Steueranreize umfassen. Nur so lasse sich die Erneuerung der Fahrzeugflotte beschleunigen und die Lücke zwischen ambitionierten Klimazielen und der Realität auf Europas Straßen schließen.

Die Daten des Berichts zeigen zudem, dass die Fahrzeugdichte in Europa weiter steigt. Im Durchschnitt kommen 570 Pkw auf 1000 Einwohner, in Italien sogar sind es sogar 701. Das bedeutet: Die Zahl der Fahrzeuge nimmt zu, während die Umstellung auf emissionsfreie Antriebe eher zäh vorankommt. Damit wächst der Druck auf Politik und Industrie, die Transformation zu beschleunigen. 

Aus Sicht der Autohersteller habe die Branche ihre Hausaufgaben gemacht und Milliarden in die Entwicklung sauberer Technologien investiert. Jetzt liege es an Politik und Gesellschaft, die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit diese Technologien auch auf die Straße kommen.

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