Für den künftigen Betrieb von Linienbussen in Mainz und Wiesbaden mit Antrieb aus einer Brennstoffzelle ist eine Wasserstofftankstelle eröffnet worden. Die Station wurde auf dem Betriebsgelände der ESWE Verkehrsbetriebe in Wiesbaden errichtet, wie der Mobilitätsdienstleister am Donnerstag mitteilte. Der Wasserstoff für die Tankstelle stammt aus dem Energiepark Mainz und wird mit Hilfe von Windstrom aus Mainz-Hechtsheim produziert. Das Projekt wurde mit Fördermitteln der Länder Hessen und Rheinland-Pfalz in Höhe von knapp über zwei Millionen Euro ermöglicht.
Die rheinland-pfälzische Energieministerin Ulrike Höfken (Grüne) erklärte: "Mit dem Gesamtsystem vom «Windrad zum Busrad» beschreiten die Verkehrsgesellschaften den Weg zu einem auf nachhaltiger Energieerzeugung basierendem Nahverkehr.» Besonders der dezentrale Ansatz könne künftig richtungsweisend für die Verkehrswende des öffentlichen Nahverkehrs in den Städten sein." "Dieses Projekt ist ein weiterer Beleg der Vorreiterrolle Hessens bei der Verkehrs- und Energiewende", ergänzte der hessische Staatsminister Tarek Al-Wazir, zuständig für Energie, Verkehr, Wirtschaft und Wohnen.
Mainz will ebenfalls Wasserstofftankstelle bauen
Die Mainzer Verkehrsdezernentin Katrin Eder lobt die bundesländerübergreifende Kooperation: "Mit dem Wasserstoffprojekt zeigt sich wieder die gute Zusammenarbeit zwischen Mainz und Wiesbaden: Nach der ‚grünen Umweltzone‘, dem Klimpraxprojekt sind jetzt die Wasserstoffbusse und die hier eröffnete Tankstelle ein weiterer Meilenstein in den gemeinsamen Bemühungen, die Luft in unseren Städten sauberer zu bekommen und den Klimawandel mit seinen Folgen mit allen Anstrengungen anzugehen". In den nächsten Jahren werde man sich in Mainz bemühen, noch zusätzlich vor Ort eine Wasserstofftankstelle anzubieten.
Tobias Brosze, Vorstandsvorsitzender der Mainzer Stadtwerke, ist sich sicher: "Die Eröffnung der Wasserstofftankstelle auf dem Gelände von ESWE Verkehr mit ‚grünem‘ Wasserstoff der Mainzer Stadtwerke ist ein Leuchtturmprojekt auf dem Weg zur energiewirtschaftlich neuen Zeit im Rhein-Main-Gebiet. Grüner Wasserstoff – hergestellt mit Strom aus erneuerbaren Energien - ist als Energieträger, als Treibstoff für Mobilität, als Rohstoff in der chemischen Industrie sowie für emissionsarme Produktionsprozesse nutzbar. Für eine erfolgreiche Energiewende wird C02-freier Wasserstoff mittel- bis langfristig in der ganzen Bandbreite seiner Möglichkeiten benötigt".
"Unsere Vision - Null Emission"
Der Geschäftsführer von ESWE Verkehr, Jörg Gerhard, freut sich über die Erreichung des nächsten Stufe: "In den Unternehmenszielen haben wir festgeschrieben: ‚Unsere Vision – Null Emission‘. Mit der Eröffnung der Wasserstofftankstelle kommen wir so dem Ziel des emissionsfreien Öffentlichen Personennahverkehrs in Wiesbaden wieder ein Stück näher. Gemeinsam mit den Mainzer Kollegen erreichen wir als Mobilitätsdienstleister die nächste Station dieser Reise.“
Auf der rheinhessischen Seite bewertet Jochen Erlhof, Geschäftsführer der Mainzer Mobilität, die Zukunft der Brennstoffzellentechnik so: "Ich sehe große Vorteile der Technik für den Einsatz im ÖPNV. Ich bin jedoch der Auffassung, dass wir auf dem Weg zum CO2-freien Nahverkehr technologieoffen sein müssen. Ich kann mir gut vorstellen, dass Brennstoffzelle und Batterie in ein paar Jahren in einem Bus optimal kombiniert werden." Mit dem Bau der Wasserstofftankstelle in Wiesbaden wurde die Firma Linde beauftragt; die Infrastruktur kommt von Infraserv.
Brennstoffzellenbusse im Test
Der Wiesbadener Brennstoffzellenbus soll nach einer Testphase und Schulungszeit für die Fahrer auf Linien mit einer eher längeren Strecke eingesetzt werden. Die für ein Jahr geliehenen Brennstoffzellenbusse der Mainzer Mobilität und von ESWE Verkehr haben eine Reichweite von rund 300 Kilometern. (hoe/dpa)



