Der Stadtwerkeverbund Thüga und der Braunschweiger Energiedienstleister BS Energy haben einen Feldtest zur Elektromobilität abgeschlossen. Dabei wurden über zweieinhalb Jahre die direkten Auswirkungen des Ladeverhaltens von Elektrofahrzeugen auf das Stromnetz untersucht. Zwei Testgebiete wurden ausgewählt: in Dibbesdorf, einem gewachsenen Braunschweiger Stadtteil mit mehr als 1000 Jahren Geschichte und altem Gebäudebestand sowie in einem Neubaugebiet in Waggum, in dem viele Wärmepumpen das Netz zusätzlich beanspruchen und PV-Anlagen Strom einspeisen.
Im Fokus der Untersuchung stand netzdienliches Laden. Die Ladeleistung wird möglichst in Zeitfenster gelenkt, in denen das Stromangebot hoch und die Nachfrage im Netz niedrig ist. Sie wird überdies so verschoben, dass Gleichzeitigkeiten vermieden werden.
Kostenoptimiert oder emissionsarm laden
Einzelne Test-Phasen hat das Projektteam an unterschiedliche Anreize für die Ladesteuerung gekoppelt: Für die Basismessung gab es eine Phase mit konstantem Tarif. Daneben erprobte der Test unter anderem einen zeitlich fixen zweistufigen und einen variablen dreistufigen Tarif, basierend auf der Netzauslastung. Die Teilnehmenden konnten sich zudem entscheiden, ob sie kostenoptimiert oder emissionsarm laden wollten.
„Die Resultate zeigen, dass die Basis für den Ausbau der klimafreundlichen Elektromobilität solide ist und wir für die damit steigenden Verbräuche in Braunschweig gut aufgestellt sind“, sagt BS-Energy-Vorstand Volker Lang. „Wir haben belegen können, dass die Versorgungssicherheit auch künftig gewährleistet ist, und haben eine Datengrundlage für mögliche, kostenoptimierte Anpassungen in unserer Energieversorgung und Netze geschaffen“, ergänzt Jan Gasten, Geschäftsführer von BS Netz.
Wichtige Option
Die große Mehrheit der Testladenden habe sich durch die flexible Nutzung der Energieversorgung nicht in ihrer Mobilität eingeschränkt gefühlt. Das ist laut BS Energy eine grundlegende Voraussetzung für netzdienliches Laden. Eine wichtige Bedingung aus Sicht der Probanden war die Option des Sofortladens ihrer Fahrzeuge. Hierfür waren sie sogar bereit, einen Aufpreis zu zahlen.
Auch hinsichtlich des Klimas brachte der Feldtest positive Effekte. Die Emissionen, die für die Erzeugung des Ladestroms anfielen, sanken um 124 Gramm CO2 pro Kilowattstunde (g/kWh). Das Projektteam hat die CO2-Einsparungen auf den Gesamtbestand von Elektroautos in Deutschland hochgerechnet: Bei rund 1,2 Millionen E-Autos und einer durchschnittlichen abgenommenen Ladeenergie von 2.250 kWh pro Auto und Jahr könnten jährlich über die Ladesteuerung in Summe 334.800 Tonnen CO2 eingespart werden. Das entspricht den jährlichen Emissionen einer Stadt mit rund 41.000 Einwohnern. (wa)



