Dominik Flubacher, Head of Sales and Operations beim Regensburger IT-Dienstleister Eins+Null

Dominik Flubacher, Head of Sales and Operations beim Regensburger IT-Dienstleister Eins+Null

Bild: © Eins+Null

Herr Flubacher, Sie sehen die THG-Quote als optimalen Kickstarter im Energievertrieb. Warum?

Das Besondere an der THG-Quote ist, dass der Kunde nichts zahlen muss, sondern Geld erhält. Zudem wird damit grüne Elektromobilität, also mehr Nachhaltigkeit gefördert. Beides macht das Produkt aus Kundensicht sehr attraktiv. Dazu kommt, dass Versorger die THG-Quote grundsätzlich auch als alleinstehendes Produkt anbieten können, potenzielle Kunden also nicht gleich einen Stromvertrag abschließen müssen. Der Handel mit THG-Quoten bietet gerade in Zeiten hoher und extrem schwankender Energiepreise eine innovative Erweiterung des Geschäftsmodells von Versorgern. Macht der Kunde gute Erfahrungen, bieten sich später noch immer Möglichkeiten zum Up- und Crossselling.

Aber eignet sich die THG-Quote nicht auch als Kundenbindungsinstrument?

Es schadet nie, ein Bestandskundenportfolio zu haben, auf dem man aufbauen kann. Zum Beispiel wissen Versorger in der Regel, welcher ihrer Kunden Autostrom oder eine Wallbox von ihnen bezieht und können diese Kunden dann gezielt mit einer Kampagne ansprechen. Generell erleben wir, dass immer mehr Kunden auf sie zugeschnittene Leistungen erhalten wollen – und das am besten mit wenigen Klicks von einem einzigen Anbieter. Insofern lohnt es sich für Versorger, die THG-Quote ins Produktportfolio aufzunehmen, um Kunden noch fester an sich zu binden.

Große Energiekonzerne bieten die THG-Quote bereits an, immer mehr mittelgroße Stadtwerke auch. Aber lohnt sich der Aufwand auch für kleine Stadtwerke?

Aus unserer Sicht spielt die Größe nur eine untergeordnete Rolle. Um trotzdem eine Zahl zu nennen: Schon bei Stadtwerken mit einem Versorgungsgebiet von etwas mehr als 10.000 Einwohnern kann sich die THG-Quote bereits lohnen. Gerade für kleine Kommunalunternehmen ist die THG-Quote ja auch eine Chance, um bei Kunden als digitales und nachhaltiges Unternehmen zu punkten sowie Up- und Crosssellingpotenziale zu nutzen.

Die am Markt angebotenen Prämien für die THG-Quote unterscheiden sich teils stark. Wie viel Geld sollten Versorger mindestens bieten?

THG-Quotenpreise hängen erst einmal davon ab, wie viel Strafe ein Mineralölkonzern zahlen müsste, wenn er seine Quote nicht erreicht, sowie von Angebot und Nachfrage am Markt. Die Kurse schwanken teilweise stark. Der Marktpreis für eine Tonne CO2 liegt im Bereich 160 bis knapp 600 Euro. Das heißt, dass für den Kunden der Preis irgendwo zwischen 250 und knapp 500 Euro pro Tonne liegen dürfte. Dazu kommen Dienstleistungskosten und Provision. Deshalb würde ich Ausschüttungserlöse von 200 bis 400 Euro pro E-Auto für realistisch halten.

Wird die THG-Quote bei Energieversorgern in ein paar Jahren zum Standardrepertoire gehören?

Ich habe keine Glaskugel, aber ich sehe schon genügend Anreize am Markt, dass ich mir das gut vorstellen kann. Ausschließen würde ich es auf keinen Fall.

Dominik Flubacher ist Head of Sales and Operations beim Regensburger IT-Dienstleister Eins+Null. Das Unternehmen ist bekannt für Joules, eine Software für Vertriebs- und Marketingprozesse in der Energiewirtschaft.

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In der neuen ZfK-Printausgabe haben wir bei ausgewählten Stadtwerken nachgefragt, welche Erfahrungen sie mit der THG-Prämie gesammelt haben. Den Artikel finden Sie auf Seite 23 oder direkt hier. Zum Abo geht's hier.

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