Im Dezember rutschte Compleo Charging Solutions in die Insolvenz. Nun erhielt der Ladesäulen-Hersteller einen Großauftrag. Er setzte sich in einer europaweiten Ausschreibung von Sachsenenergie zur Lieferung von AC-Ladestationen durch. Im Interview erklärt Vorstandschef Jörg Lohr, wie die Lage bei Compleo ist und was der Auftrag für sein Unternehmen bedeutet.
Der Rahmenvertrag mit Sachsenenergie läuft bis Ende 2025. Er umfasst ein Kontraktvolumen von über zwei Millionen Euro. Die Kooperation sieht neben der Lieferung von Wallboxen auch die Lieferung von AC-Stationen der Produktreihe DUO vor. Die Säulen sind lastmanagementfähig, können also vom Betreiber geregelt werden, wenn das Stromnetz dies erforderlich macht. Darüber hinaus sind die Stationen eichrechtskonform.
Frage: Läuft die Produktion bei Compleo nach der Insolvenz ganz normal weiter (mit der angekündigten Konzentration beim Produktportfolio)?
Jörg Lohr: Nach der durchgeführten Inventur wurde die Produktion letzte Woche wieder aufgenommen. Wir versuchen, die eingegangenen Bestellungen schnellstmöglich zu bearbeiten und auszuliefern. Auch Sachsenenergie hat erste Bestellungen innerhalb des aktuellen Rahmenvertrages in Auftrag gegeben, diese werden wir ebenfalls so schnell wie möglich bearbeiten.
Es besteht für Sachsenenergie kein Risiko für Lieferausfälle?
Wir sind überzeugt, dass Compleo trotz der aktuellen Situation nach vorne kommt. In der aktuellen Konsolidierungsphase verbessern wir unsere Strukturen. Auch beim Thema Bezahlmöglichkeiten sind wir technisch ganz weit vorne. Unsere hauseigenen Payment Solutions sind die ersten eichrechtskonformen Lösungen und außerdem der Ladesäulenverordnung vorauseilend.
Auf der Hardwareseite setzen wir seit November eine Verschlankung des Produktportfolios um. Zudem blicken wir auf eine erstaunliche Entwicklungs-Roadmap mit wichtigen Neuerungen für unsere Produkte. Dieses Frühjahr wollen wir unter anderem mit unserem eTower 200 in den überaus attraktiven Markt des High-Power Charging-Geschäfts einsteigen. Das sehen wir definitiv als Game Changer im Unternehmen, weil HPC die Königsklasse der Ladeinfrastruktur ist.
Der Break-Even kam im vergangenen Quartal
Das Team der Compleo Software GmbH blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2022 mit starkem Wachstum zurück. Im letzten Quartal 2022 hat unsere Software Gesellschaft in ihrem zehnjährigem Bestehen erstmals den Break-Even erreicht. Wir erwarten, dass sich diese positive Entwicklung auch im neuen Jahr 2023 fortsetzt.
In Summe sind das sind alles sehr gute Voraussetzungen für das Weiterführen unseres Geschäfts. Zudem sind wir mit zahlreichen und namenhaften Investoren im Gespräch. Wir sind sehr sicher, dass wir in den nächsten Monaten auf Kurs kommen.
Der Großauftrag ist vermutlich durchaus bedeutend für die künftige Finanzsituation bei Compleo?
Der Großauftrag der Sachsenenergie setzt für uns das richtige Signal zu rechten Zeit. Es zeigt: Wir haben bei Compleo keinen Stillstand! Es geht weiter! Für das Vertrauen und die Unterstützung seitens Sachsenenergie sind wir unglaublich dankbar.
Darüber hinaus ist unser Vertrieb im Segment Stadtwerke und Energieversorger sehr stark aufgestellt. Es mag paradox klingen, aber wir schreiben aktuell den erfolgreichsten Monat in diesem Segment.
Wir dürfen insgesamt über 300 Stadtwerke und Energieversorger zu unseren Kunden zählen. Letztes Jahr kamen auch Großaufträge und Rahmenverträge aus Berlin, Düsseldorf, Lübeck oder Stuttgart, einige davon waren in ähnlicher Größenordnung wie der für Sachsenenergie.
War bei der Insolvenzankündigung schon klar oder zu erwarten, dass der Großauftrag kommt?
Der Vertrag wurde erst nach der Insolvenz in Eigenverantwortung unterschrieben. Das Bieterverfahren wurde bereits vor der Insolvenz angeschoben.
Die Fragen stellte Jürgen Walk



