Förderung sollte auf Schnelllader konzentriert werden, findet der Thinktank Agora Energiewende.

Förderung sollte auf Schnelllader konzentriert werden, findet der Thinktank Agora Energiewende.

Bild: © fottoo/Adobe Stock

2021 wurden weltweit 6,6 Millionen Elektrofahrzeuge zugelassen – eine Verdreifachung des Marktanteils gegenüber 2019. Die Eon-Tochter Gridx hält es für realistisch, dass 2030 jeder zweite Neuwagen in der EU mit Strom fährt. Dafür müsse aber auch die Infrastruktur aus- und aufgebaut werden, heißt es im Ladereport 2022 des Netzdigitalsierungs-Unternehmens.

Zum Jahreswechsel 2022 lagen die Neuzulassungen von Elektroautos um 83 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Im Vergleich dazu stieg die Zahl der öffentlichen Ladepunkte laut Ladereport gerade einmal um 31 Prozent.

Zahl der Ultraschnelllader explodiert

Doch mehr als 80 Prozent aller Ladepunkte in Deutschland wurden in den vergangenen vier Jahren gebaut. Die Ausbaudynamik unterscheide sich drastisch zwischen den verschiedenen Arten von Ladepunkten. So stieg zwischen 2018 und 2021 die Zahl der neu installierten Normalladepunkte um 42 Prozent. Im Gegensatz dazu ging die Zahl neuer Schnelllader zwischen 22 und 100 kW um 42 Prozent zurück.

Ultra-Schnelllader jenseits von 100 kW sind hingegen deutlich beliebter geworden: Wurden 2018 gerade einmal 140 Ladepunkte mit mehr als 100 kW installiert, waren es im vergangenen Jahr 1228 - ein Anstieg von 777 Prozent. 45 Prozent aller Hypercharger wurde im vergangenen Jahr in Betrieb genommen.
 
Diese Entwicklungen decken sich mit Ladebedürfnissen, heißt es in der Studie. Hypercharger erfüllen mit ihren kurzen Ladezeiten die Ansprüche von Langstreckenreisenden. Normallader hingegen seien bestens geeignet füs Laden am Zielort. Dort wird das Fahrzeug ohnehin abgestellt und somit ist die Ladezeit weniger ausschlaggebend. Jedoch sind die Geräte deutlich günstiger.

Schnelllader sind weder günstig noch schnell

Schnellladegeräte seien weder besonders günstig noch laden sie schnell genug. Als Konsequenz verlieren sie Marktanteile.

Über die vergangenen fünf Jahre habe sich in der EU das Verhältnis von Elektroautos zu Ladepunkten stetig verschlechtert. Hält diese Entwicklung an, kommen in den nächsten zehn Jahren 17 Eletrofahrzeuge auf einen Ladepunkt. Das wäre eine erhebliche Abweichung von den zehn Fahrzeugen pro Ladepunkt, die die Europäische Kommission anpeilt.

Berlin ist die Hauptstadt des Ladens - zumindest was die Gesamtzahl der Ladepunkten aller Städte angeht. Bei der Betrachtung der Ladepunkte pro Kopf fällt die Hauptstadt jedoch zurück. Hier haben Städte wie Wolfsburg, Regensburg, München und Stuttgart die Nase vorn.

Chaos bei den Zahlmethoden

Völlig uneinheitlich ist das Bild bei den Zahlmethoden. Die einzige halbwegs gängige Zahlungsart scheine RFID zu sein. Sie sei die bei weitem meist verbreitete Zahlungsart und wird von rund 40 Prozent der Ladepunkte unterstützt. Karten­zahlungen (0,14 Prozent) und Plug'n'Charge sind laut Ladereport Ausnahmen.

Mit insgesamt 2404 Betreibern scheint der Markt auf den ersten Blick sehr fragmentiert. Jedoch beherrschen einige Anbieter einen Großteil des Markts. So kommt der größte Betreiber EnBW auf einen Marktanteil von 14 Prozent, die zehn größten Betreiber auf 38 Prozent.

Betrachtet man nur die Ultra-Schnelllader, ist der Markt noch stärker konzentriert. EnBW alleine kommt auf einen Marktanteil von zwei Dritteln. Darüber hinaus betreiben die zehn größten Anbieter 92 Prozent aller Ultra-Schnelllader im Land. Da sich der Markt gerade erst entwickelt, könne diese Dominanz aber auch nur eine Momentaufnahme sein. (wa)

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