Von Jürgen Walk
Elektromobilität sei längst im Alltag angekommen – bei den Menschen zuhause, in Unternehmen und auf Deutschlands Straßen. Damit der Anteil weiter steigen kann, braucht es laut Bundesverkehrsministerium eine Ladeinfrastruktur, die mitwächst und sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert. Um das zu erreichen, hat das Ministerium einen Entwurf zum neuen Masterplan Ladeinfrastruktur 2030 vorgestellt.
Der Masterplan – mittlerweile der Dritte seiner Art – soll den Weg zum Ladenetz der Zukunft zeigen. Er bündelt die zentralen Maßnahmen für den Hochlauf der Elektromobilität bis 2030. Der Entwurf umfasst rund 40 Maßnahmen. Mit dessen Veröffentlichung können die Verbände und die Marktteilnehmer nun Stellung dazu nehmen. Ziel sei ein Kabinettsbeschluss noch im Herbst, damit die Maßnahmen zeitnah umgesetzt werden können.
Auch abseits der Autobahn sollen Lastwagen laden können
Der Masterplan ist laut Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder "unser neuer Fahrplan, um die zentrale Voraussetzung für den Umstieg auf die Elektromobilität für alle zu schaffen". Wer laden will, müsse laden können. Dieses Ziel sei nur gemeinsam zu erreichen – mit den Ländern und Kommunen, den Unternehmen und Investoren und mit der Aufgeschlossenheit der Bürgerinnen und Bürger.
Im Vergleich zu den beiden früheren Masterplänen scheinen sich die Schwerpunkte gewandelt zu haben. Während der Masterplan I aus dem Jahr 2019 und der Masterplan II aus dem Jahr 2022 die Grundlagen der Ladeinfrastruktur und die Beschleunigung beim Ausbau insgesamt adressierten, konzentriert sich der neue Plan stärker. Maßnahmen umfassen die Förderung von Ladeinfrastruktur in Mehrparteienhäusern, Depots und Betriebshöfen sowie den Ausbau eines Schnellladenetzes für E-Lkws entlang der Autobahnen. Die Bundesregierung plant zudem eine Kommunikationskampagne zur Förderung der Elektromobilität und die Verbesserung der Rahmenbedingungen für EU-Förderungen.
Das Ministerium fördert den Ausbau von Lkw-Ladeinfrastruktur abseits von Autobahnen, abhängig von Haushaltsmitteln. Die Bundesregierung will zudem die EU-Fördermöglichkeiten für Ladeinfrastruktur verbessern. Schließlich soll Ladeinfrastruktur im Außenbereich privilegiert und in der Baunutzungsverordnung klar geregelt werden.
Preistransparenz und Wettbewerb im Lademarkt
Die Bundesregierung unterstützt zudem Kommunen beim Aufbau von Ladeinfrastruktur durch praxisnahe Produkte und Austauschformate. Ein weiterer Fokus liegt auf Preistransparenz und Wettbewerb im Lademarkt. Dazu gehört etwa die Forderung nach Bereitstellung von Ad-hoc-Preisdaten über den nationalen Zugangspunkt für Mobilitätsdaten (NAP). Zudem soll die Integration von Ladeinfrastruktur ins Stromnetz verbessert werden, indem Digitalisierung und Standardisierung von Anschlussverfahren sowie Transparenz über Netzkapazitäten vorangetrieben werden.
Geplant sind schließlich auch verbindliche Rückmeldefristen für Netzanschlussbegehren. Fördergeld soll es für bidirektionale Ladelösungen geben. Der Kampf für größere Cybersicherheit wird verstärkt. Um Privilegien wie kostenloses Parken zu erhalten, soll das Elektromobilitätsgesetz verlängert und ausgeweitet werden. Ladeinfrastruktur soll barriereärmer werden. Zudem will die Regierung gegen Blockiergebühren an Normalladepunkten in der Nacht vorgehen.



