Bei Flächen für Ladeinfrastruktur bevorzugen Kommunen zu oft ihre eigenen Stadtwerke, lautet der Vorwurf des Bundeskartellamts.

Bei Flächen für Ladeinfrastruktur bevorzugen Kommunen zu oft ihre eigenen Stadtwerke, lautet der Vorwurf des Bundeskartellamts.

Bild: © fottoo/AdobeStock

„Wir streichen die Reichweitenangst aus dem Wortschatz“, kündigte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) auf der Ladeinfrastrukturkonferenz 2024 an. Beim Ausbau von Ladesäulen sei Deutschland in den vergangenen Monaten und Jahren sehr gut vorangekommen. Mit 120.000 öffentlichen Ladepunkten gebe es 30.000 mehr als im vergangenen Jahr. Seit Antritt der Ampel-Regierung habe sich die Ladeleistung mit inzwischen mehr als 5 GW mehr als verdreifacht. „Deutschland ist schneller als andere“, so Wissing.

Dennoch gibt es nach Ansicht des Ministers noch „Luft nach oben“. Auf Elektromobilität umzusteigen müsse man sich leisten können. „Wenn die Anschaffungskosten eines Autos zu hoch sind, verzichten die Bürger“, betont Wissing. Verstärkt werde die Gefahr durch die angekündigten Einfuhrzölle auf chinesische Elektroautos. „Das führt zu noch höheren Preisen – aus Sicht eines Verkehrsministers ist das nicht die beste Idee“.

Verbesserte Tools und Hilfen für Kommunen

Mit dem Deutschlandnetz will Wissing „weiße Flecken“ auf der Ladekarte schließen. Auf der Veranstaltung wurde eine neue Werbekampagne präsentiert. Deren Slogan lautet: „Das Deutschlandnetz ist da. Und bald auch da, da, da.“ Überall entstünden neue Standorte zum Schnellladen, die letzten Lücken in der Ladeinfrastruktur schließen sich.

Auch die Kommunen standen im Fokus der LISKon 2024: Die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur zeigte neue und verbesserte Tools und Hilfen für Städte und Gemeinden. So wurde ein Leitfaden für kommunale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Beschleunigung von Genehmigungsprozessen erstellt. Eine neue Auflage der Studie „Ladeinfrastruktur nach 2025/2030: Szenarien für den Markthochlauf“ ist erschienen, in der der Bedarf an öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur neu ermittelt wurde. Außerdem gibt es eine neue Version des "StandortTOOLs" mit einigen Funktionserweiterungen.

„Am Ende muss sich alles rechnen“

„Beim Deutschlandnetz sind wir auf der Spur“, analysierte Staatssekretärin Daniela Kluckert. Auch wenn es staatliche Unterstützung gibt: Die Investitionen und ein Großteil der Risiken treffe die Wirtschaft, die die Ladeinfrastruktur aufbaut. Am Ende müsse sich das alles rechnen, so Kluckert. Natürlich laufe nicht alles rund. „Das eine oder andere dauert zu lange, findet keinen Platz oder rentiert sich nicht.“ Diese Herausforderungen müsse man angehen. Nötig seien mehr und günstigere Elektroautos, damit der gesamte Business-Case Elektromobilität aufgeht.

Auf die derzeit eher verhaltene Nachfrage nach Elektroautos angesprochen, zeigte sich Kluckert zuversichtlich: „Wir haben jetzt eine Konsolidierung, aber bald geht es wieder steil nach oben.“ Wenn das Deutschlandnetz komplett ist, werde es einen Schub für den Markthochlauf geben. Wichtig für den Hochlauf sei auch die Sichtbarkeit von Elektromobilität. „Je mehr Ladesäulen stehen, umso mehr fragten sich die Menschen, ob sie ein Elektroauto kaufen sollen.“

Johannes Pallasch von der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur verglich die Elektromobilität mit einem Marathonlauf: „Es ist ein extrem langer Weg, aber wir sind gut gestartet“, so Pallasch. „Wir müssen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Bürger das Produkt haben wollen. Aber: Die Welle läuft eher gegen uns. Wir haben ein tolles Produkt, aber es gelingt, nicht, das in die Köpfe reinzubringen.“

Die Verteilungsfrage sei nicht gelöst

Pallasch konstatierte: „Die Verteilungsfrage ist noch nicht gelöst.“ Es gebe zwar Standorte mit Überkapazitäten. Das beweise aber nicht, dass im Nachbarort genug Lademöglichkeiten vorhanden sind. „Wenn ich das Kamener Kreuz mit Schnellladesäulen zupflastere – heißt das statistisch, dass ich in Dortmund gar nichts mehr brauche?“

Ein weiterer Punkt, „der mich nervös macht: Wir waren beim Pricing schon mal weiter“, so Pallasch. Lokale Ladeinfrastrukturbetreiber (CPO) spielten ihre Macht aus. „Über den lokalen CPO gibt es einen sehr guten Preis – das hilft aber nicht dem Massenmarkt, der verunsichert ist über die Preisspreizung und die Tarifvielfalt. Es muss einen durchgehenden Preis geben, der fair und diskriminierungsfrei ist.“ (wa)

Link zur Broschüre "Ladeinfrastruktur in der Kommune aufbauen"

Link zur Studie "Ladeinfrastruktur nach 2025/2030"

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