"Kein Mensch kauft ein Elektroauto, wenn er nicht laden kann", sagt Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann

"Kein Mensch kauft ein Elektroauto, wenn er nicht laden kann", sagt Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann

Bild: © Bruno Maul/AÜW

Von Jürgen Walk

2024 war ein schwieriges Jahr für Elektroautos in Deutschland. Nachdem die Zahl der Neuzulassungen für Batteriefahrzeuge (BEV) jahrelang massiv geklettert war, brach sie 2023 um 27,4 Prozent ein. Als Hauptgrund gilt die vor einem Jahr abrupt gestrichene E-Auto-Prämie. Aber wie sieht es in den Nachbarländern aus? Jedenfalls komplett bunt. Der Anteil der BEV an den Neuzulassungen reichte von drei bis 97 Prozent.

Österreich:
2024 stiegen die Neuzulassungen von Pkw mit Benzinantrieb um 8,6 Prozent, während die von Benzin-Hybriden um 25,9 Prozent zulegten. Dagegen sanken die Neuzulassungen von Diesel-Pkw um 5,2 Prozent und die von rein elektrisch angetriebenen Pkw um 6,3 Prozent. Insgesamt erreichten alternative Antriebstechnologien einen Anteil von 49,5 Prozent, im Vergleich zu 48,2 Prozent im Jahr 2023 und 41,1 Prozent im Jahr 2022.

Schweiz:
In der Schweiz wurden elf Prozent weniger reine Elektro-Neuwagen verkauft als im Vorjahr. Fahrzeugflotten mit alternativen Antrieben erzielten einen Marktanteil von 61,6 Prozent, während der Marktanteil von Elektroautos und Plug-in-Hybriden bei 28 Prozent stagnierte. Die Unsicherheiten in der Politik und die steigenden Strompreise hindern die notwendige, massive Zunahme von elektrischen Antrieben, so dass die CO2-Zielwerte für 2025 in Gefahr sind. "Das Jahresergebnis 2024 und der harzende Absatz an E-Mobilität sind das Resultat einer fehlgeleiteten Politik", resümiert der Präsident des Automobilclubs "Auto Schweiz", Peter Grünenfelder. Zuerst habe der Bundesrat die Befreiung von der vierprozentigen Automobilsteuer für Elektrofahrzeuge gekappt. Anschliessend habe sich das Parlament gegen eine Stärkung privater Ladeinfrastruktur im CO2-Gesetz ausgesprochen.

Niederlande:
Elektro- und Hybridfahrzeuge stärkten 2024 ihre Marktposition. Hybride erreichten 41,9 Prozent Marktanteil bei Neuzulassungen, BEV 34,9 Prozent, während Benzinfahrzeuge und Diesel auf 21,9 Prozent beziehungsweise 1,0 Prozent zurückgingen. Das Ende von Subventionen trug zu einem Anstieg der Verkäufe im Dezember bei, wobei der Markt 2025 vor weiteren Herausforderungen steht, wie die schrittweise Abschaffung von Steuerbefreiungen für Batteriefahrzeuge (BEV).

Dänemark:
Der Markt für BEV in Dänemark erreichte 2024 einen Wendepunkt, mit einem Marktanteil von über 50 Prozent der Neuzulassungen. Im Dezember 2024 machten BEV sogar 61,5 Prozent aller Neuzulassungen aus, was den Höhepunkt des Jahres markierte. Dänemarks Ansatz zur Förderung von Elektrofahrzeugen konzentriert sich in erster Linie auf Steueranreize statt auf direkte Kaufprämien.

Norwegen:
Mittlerweile sind knapp 90 Prozent der neu zugelassenen Autos Fahrzeuge mit Batterieantrieb. Im Bestand sind die BEV gerade dabei, die Verbrennerfraktion abzuhängen.

Frankreich:
Im Jahr 2024 erreichte der französische Markt über 2 Millionen wiederaufladbare Fahrzeuge. Ein Zuwachs bei Plug-in-Hybriden (PHEV) um 46,42 Prozent steht einem Rückgang von 21,15 Prozent bei BEV gegenüber. Insgesamt hatte der Markt für Elektrofahrzeuge einen Anteil von 26,2 Prozent, wobei BEV 16,1 Prozent und PHEVs 10,1 Prozent ausmachten. Strengere Emissionsvorschriften und Veränderungen in der Förderpolitik könnten 2025 den Übergang zu Elektrofahrzeugen beschleunigen.

Italien:
Der italienische Markt für Elektrofahrzeuge war geprägt von sinkenden Verkäufen vollelektrischer Autos und politischen Unsicherheiten. Die Gesamtzahl der BEV-Zulassungen betrug 64.983 Einheiten, ein Rückgang von 1,96 Prozent im Vergleich zu 2023. Insgesamt machen BEV nur 4,2 Prozent des Gesamtmarktes aus. Die Branche fordert dringend Maßnahmen zur Stärkung der Anreize, Elektrifizierung von Flotten und Stärkung der Ladeinfrastruktur, insbesondere in unterversorgten Regionen Süditaliens.

Spanien:
Der spanische Markt für Elektrofahrzeuge verzeichnete 2024 einen Rückgang der Neuzulassungen um 3,9 Prozent auf 133.699 Einheiten. Dennoch stiegen die Verkäufe von BEV im Dezember um 21,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 8925 Einheiten, mit einer deutlichen Zunahme der Käufe durch den privaten Sektor. Gleichzeitig sanken die Zulassungen von elektrischen Lieferwagen und Motorrädern erheblich. Ein Förderprogramm für den Kauf von Elektrofahrzeugen und den Ausbau der Ladeinfrastruktur wurde bis Mitte 2025 verlängert.

Belgien:
Belgien verzeichnete 2024 Rekordzahlen: 127.750 neue BEV-Zulassungen (+37 Prozent) und 83.111 öffentlichen Ladestationen (+72 Prozent). Elektro- und Hybridfahrzeuge machten 52,3 Prozent der Neuzulassungen aus, wobei auf BEV allein 28,5 Prozent fallen. Der Erfolg wurde größtenteils durch Firmenflotten vorangetrieben; sieben von acht BEV-Zulassungen kamen aus diesem Bereich.

Ungarn:
Die BEV-Flotte überschritt die Marke von 70.000 Einheiten, unterstützt durch staatliche Subventionen. 2024 wurden 8565 BEV verkauft, was 7 Prozent  des gesamten Autoabsatzes entsprach.

Polen:
BEV-Zulassungen gingen um 3 Prozent  auf 16.563 Einheiten zurück. Der Ersatz eines Förderprogramms durch ein neues führt zu Marktunsicherheiten. Im neuen Programm werden Unternehmen aus den Subventionsprogrammen ausgeschlossen, obwohl sie für etwa 70 Prozent der Neuwagenkäufe verantwortlich sind. Insgesamt bleibt der Anteil der BEV an den Neuzulassungen mit 3 Prozent einer der niedrigsten in der EU.

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