Von Jürgen Walk
Elektroautos sind klare Klimasieger gegenüber Verbrennern. Zwar ist die CO2-Bilanz bei der Produktion der Stromer zunächst schlechter. Doch das gleichen die Fahrzeuge im Betrieb schneller als bislang bekannt wieder aus, behauptet eine Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT).
In der Analyse wurden die Lebenszyklusemissionen von Autos in der EU untersucht. Das Ergebnis: Batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) punkten deutlich im Vergleich zu Autos mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren. Vorteile ergeben sich bereits nach weniger als zwei Jahren. Die Untersuchung berücksichtigt dabei nicht nur den Ausstoß während der Nutzung, sondern auch die Emissionen aus Produktion, Kraftstoff- und Stromerzeugung sowie Recycling.
Mit Erneuerbaren sinken die Emissionen noch stärker
Das Ergebnis: Elektroautos verursachen im Lebenszyklus rund 73 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als Benzinfahrzeuge. Mit dem prognostizierten EU-Strommix für die Jahre 2025 bis 2044 belaufen sich die Emissionen auf etwa 63 Gramm CO₂ pro Kilometer. Dieser Vorteil verstärkt sich noch, wenn ausschließlich erneuerbarer Strom geladen wird: Dann sinken die Emissionen auf 52 Gramm.
Benzinfahrzeuge dagegen emittieren – Produktion und Recycling eingerechnet – im Durchschnitt 235 Gramm CO₂, Erdgasfahrzeuge 203 Gramm. Selbst optimistische Szenarien beispielsweise mit Biokraftstoffen bringen laut Studie nur minimale Verbesserungen. Obwohl BEV also aufgrund der Emissionen aus der Batterieproduktion schätzungsweise etwa 40 Prozent höhere Produktionsemissionen als Verbrenner aufweisen, gleichen sich diese zusätzlichen Emissionen nach 17.000 Kilometern Nutzung in den ersten ein bis zwei Jahren mehr als aus.
Auch Hybride (HEV) und Plug-in-Hybride (PHEV) reduzieren die Emissionen – aber längst nicht so stark wie die reinen Batteriefahrzeuge. Bei HEV sinken die Emissionen laut Studie um 20 Prozent, bei PHEV um 30 Prozent im Vergleich zu Benzinern. Dennoch liegen ihre Emissionen damit drei Mal höher als bei BEV.
Nur grüner Wasserstoff hilft dem Klima
Bei Brennstoffzellenfahrzeugen (FCEV) ist das Potenzial abhängig von der Wasserstoffquelle. Sie bieten nur dann signifikante Vorteile, wenn sie mit grünem Wasserstoff betrieben werden. Aktuell basieren viele Wasserstoffquellen aber noch auf Erdgas, was die Emissionen bei 175 g CO₂ pro Kilometer hält. Mit grünem Wasserstoff sinken die Emissionen auf 50 Gramm.
Damit korrigiert die Studie eine vier Jahre alte Untersuchung aus dem gleichen Haus. Demnach liegen die Emissionen von Elektroautos um 24 Prozent unter den Prognosen einer ICCT-Studie von 2021. Als Hauptgrund dafür nennen die Studienautoren die Fortschritte im EU-weiten Strommix in den vergangenen Jahren.
Aus diesen Ergebnissen leitet das ICCT folgende politische Überlegungen ab: Das geplante Aus für die Zulassung neuer Verbrenner in der EU ab 2035 würde die Emissionen des Verkehrssektors mit den EU-Klimazielen in Einklang bringen. Bleiben Verbrenner, Hybride und Plug-in-Hybride erlaubt, lassen sich laut Studie die EU-Klimaziele nicht erreichen. Zwar könnten ausschließlich mit E-Fuels betriebene Fahrzeuge theoretisch ähnliche Lebenszyklus-Treibhausgasemissionen wie BEV erreichen, doch sei die künftige Verfügbarkeit von E-Fuels für den Straßenverkehr ungewiss, und die Kosten dürften weiterhin hoch bleiben.



