Von Jürgen Walk
Auf den ersten Blick wollen die Zahlen für Elektromobilität in Deutschland nicht recht zusammenpassen: Das Kraftfahrtbundesamt meldet bei den Zulassungen für Elektroautos in Deutschland fürs Gesamtjahr 2024 einen massiven Einbruch. Gleichzeitig berichtet der Verband der Automobilindustrie (VDA) für den gleichen Zeitraum von Rekordproduktion bei den mit Strom angetriebenen Fahrzeugen. Die Verbände wiederum fordern die Bundesregierung auf, Anreize zu setzen, um die Nachfrage nach den Stromern in Deutschland wieder anzukurbeln, die durch den abrupten Förderstopp der Elektroauto-Prämie massiv gesunken war.
Die Zahlen des Kraftfahrtbundesamts haben es in jedem Fall in sich: Die Zahl der Neuzulassungen von batterieelektrisch angetriebenen Autos (BEV) ist gegenüber 2023 um 27,4 Prozent eingebrochen. Für Dezember 2024 ergab sich sogar ein Rückgang um fast 40 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Etwas gemildert wird diese Entwicklung durch die mittlerweile wieder wachsende Nachfrage nach Plug-in-Hybriden (PHEV). Deren Zulassungszahl kletterte 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 9 Prozent. Die Gesamtzahl der neu zugelassenen PHEV lag mit knapp 200.000 aber nur halb so hoch wie die der BEV.
Hohe Nachfrage in Nordeuropa
Massive Kritik angesichts dieser Zahlen kommt vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK): "Wir blicken zurück auf ein Jahr der verpassten Chancen für die E-Mobilität. In allen anderen europäischen Staaten einschließlich des Vereinigten Königreichs steigen die Neuzulassungen von E-Fahrzeugen. Nur in Deutschland hat die Politik den Handlungsbedarf bei den Rahmenbedingungen für den Hochlauf der E-Mobilität noch immer nicht erkannt", sagt ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn. Die Bundesregierung habe mögliche Instrumente zur Förderung der E-Mobilität "nicht nur ungenutzt gelassen, sondern Maßnahmen wie Kaufanreize und Ladeinfrastruktur-Ausbau inzwischen an die Europäische Kommission delegiert."
Dass es in anderen Ländern deutlich besser mit der Elektromobilität läuft, lässt auch eine Statistik des Verbands der Automobilindustrie (VDA) erahnen. Den ungünstigen Zahlen bei Neuzulassungen stellt der VDA Rekordwerte bei der Produktion von Elektroautos gegenüber. Im November seien erneut so viele E-Autos in Deutschland produziert worden wie in keinem Monat zuvor. Nach VDA-Angaben wurden in den ersten elf Monaten des Jahres 2024 knapp 1,3 Millionen Elektroautos in Deutschland hergestellt. Dies seien bereits mehr als im Gesamtjahr 2023.
Wohin diese Fahrzeuge gehen könnten, zeigt eine Statistik des Wiener Mobilitätsvereins VCÖ: Die skandinavischen Staaten seien die Tempomacher bei der E-Automobilität. In Norwegen sind bereits 89,3 Prozent der Neuzulassungen Elektroautos. In Dänemark sind es 50,4 Prozent und in Schweden 34,4 Prozent. Auch in den Niederlanden ist bereits jeder dritte Neuwagen ein Elektroauto.
"Norwegen hat sich klare Ziele gesetzt und diese im Unterschied zur EU nicht in Frage gestellt. Stattdessen wurden konsequent Maßnahmen umgesetzt und diese auch korrigiert, wenn sie negative Seiteneffekte hatten. Beispiele sind die Rücknahme der Öffnung von Busspuren, weil es dadurch zu Verspätungen beim Busverkehr kam. Oder das Zurückfahren der Anschubförderungen, sobald der Markthochlauf gelungen war", heißt es beim VCÖ.
In Norwegen werde mittlerweile der Kauf von Elektroautos nicht mehr gefördert. Auch in Dänemark und Schweden gebe es keine Kaufprämien für E-Pkw. "Sie machen durch eine höhere Besteuerung der Verbrenner-Pkw den Kauf von Elektroautos attraktiv“, heißt es beim VCÖ. Dort gebe es hohe Zulassungs- oder Besitzsteuern für Verbrenner, zudem sei der Benzinpreis deutlich höher als etwa in Österreich.
Bei den Autoherstellern dürfte diese Ansicht auf wenig Gegenliebe stoßen. Auch dort, etwa beim Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK), macht man sich Gedanken, wie der Elektromobilität in Deutschland wieder auf die Beine zu helfen ist. "Eine steuerliche Förderung für den Kauf von Elektrofahrzeugen, etwa auch im Bereich der Mehrwertsteuer, ist dabei sinnvoller als eine reine Kaufprämie", heißt es beim VDIK. Dadurch profitierten die Kunden zusätzlich durch stabile Restwerte ihrer Fahrzeuge. Wichtig ist dem Verband aber auch, dass eine steuerliche Förderung Fahrzeugen aller Marken offenstehen müsse.



