Bei Flächen für Ladeinfrastruktur bevorzugen Kommunen zu oft ihre eigenen Stadtwerke, lautet der Vorwurf des Bundeskartellamts.

Bei Flächen für Ladeinfrastruktur bevorzugen Kommunen zu oft ihre eigenen Stadtwerke, lautet der Vorwurf des Bundeskartellamts.

Bild: © fottoo/AdobeStock

Die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur hat ihre Studie »Ladeinfrastruktur nach 2025/2030: Szenarien für den Markthochlauf« aktualisiert. Die Ergebnisse seien nicht nur eine wichtige Entscheidungsgrundlage für privatwirtschaftliche Aktivitäten, sondern spielen auch für den Stromnetzausbau eine wichtige Rolle.

Neben der Anzahl der benötigten Ladepunkte sind die installierte Ladeleistung und die verladene Energiemenge Kernelemente der Untersuchung. In der Studie wird ein Bedarf zwischen 380 000 und 680 000 öffentlich zugänglicher Ladepunkte für 2030 ermittelt. Die benötigte installierte Ladeleistung werde abhängig von vier untersuchten Szenarien zwischen 23,3 GW und 32,4 GW liegen. Die in die E-Pkw verladene Menge an elektrischer Energie beziffert sich auf 37,8 TWh – wobei öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur je nach Szenario einen Anteil zwischen 36 und 50 Prozent dieser Energie zur Verfügung stellen wird.

Große Schwankungsbreite der Szenarien

Die Ergebnisse verdeutlichen den erheblichen Einfluss des Bestands an nicht öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur auf den Bedarf an öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur. Im Jahr 2030 zeige sich ein Unterschied von etwa 33 Prozent im ermittelten Bedarf zwischen verschiedenen Szenarien.

In Bezug auf die Anzahl benötigter Ladepunkte zeige sich darüber hinaus eine signifikante Auswirkung von Hochleistungs-Ladeinfrastruktur. Ein stärkerer Ausbau entsprechender Standorte reduziere den Gesamtbedarf an öffentlich zugänglichen Ladepunkten um etwa  26 Prozent gegenüber dem Referenzszenario. Die benötigte installierte Ladeleistung bleibe jedoch gleich.

Bedarf massiv überschätzt

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW widerspricht den Ergebnisse. Die Studie überschätze den öffentlichen Ladebedarf in 2030 massiv. Es sei zwar positiv, dass das technisch veraltete Ziel von einer Million Ladepunkten bis 2030 ad acta gelegt wird und die installierte Ladeleistung als Messgröße verwendet werden soll. Beunruhigend sei jedoch, dass die Studie das im Koalitionsvertrag vereinbarte Ziel von 15 Millionen vollelektrischen PKW in 2030 zurücknimmt. Das bedeutet laut BDEW für den Lademarkt weniger Kundinnen und Kunden und für die Klimaziele eine weitere Vergrößerung der Lücke bei den CO2-Einsparungen im Verkehrssektor.

Zudem postuliere die Studie einen deutlich höheren Bedarf an installierter Ladeleistung als dies die EU in ihrer AFIR-Richtlinie vorgibt. In Deutschland solle demnach über 40 Prozent mehr Ladeleistung errichtet werden als die EU-Vorgaben fordern. Das sei überdimensioniert und werde nur mit staatlichen Subventionen oder unwirtschaftlichen Versorgungsauflagen gelingen. Es sei einfach nicht wirtschaftlich, Ladesäulen aufzustellen, die kaum genutzt werden, heißt es beim BDEW.

Das wiederum sieht der Verband der Automobilindustrie (VDA) anders: Die derzeit installierte Ladeleistung müsse sich in wenigen Jahren bis zu versechsfachen, um dem in der Studie prognostizierten Bedarf gerecht zu werden. Die Studie belege damit klar den Handlungsbedarf beim Ausbau der Ladeinfrastruktur. Laut VDA verfügen vier von zehn Gemeinden in Deutschland über keinen einzigen öffentlichen Ladepunkt. Mehr als drei Viertel aller Gemeinden haben noch keinen Schnellladepunkt installiert. (wa)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper