Die Elektromobilität steht vor einer entscheidenden Phase. Nach einem schwachen Jahr 2024 verzeichnete der Markt für Elektroautos 2025 in Deutschland eine deutliche Erholung mit einem Rekordjahr bei den Neuzulassungen. Dennoch reicht die Zahl der Fahrzeuge nicht aus, um die Klimaschutzziele im Verkehrssektor zu erreichen.
Vor diesem Hintergrund haben Agora Verkehrswende und die Stiftung Klimaneutralität das Politikpapier "Private Elektromobilität effektiv fördern" veröffentlicht. Es ist Teil des Projekts "Regaining Trust", das Wege aufzeigt, wie Elektroautos für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich und attraktiv werden können. Die Analyse basiert auf einer repräsentativen Befragung von rund 3000 potenziellen E-Auto-Käufern und Käuferinnen sowie einem Rechtsgutachten zur Ladepreistransparenz.
Wo die Barrieren liegen
Die zentralen Barrieren für den Umstieg sind dem Papier zufolge klar: hohe Anschaffungskosten, Unsicherheit über die Haltbarkeit von Batterien und Technik sowie intransparente Ladepreise. Besonders betroffen seien Haushalte mit mittlerem oder niedrigem Einkommen, die auf ein Auto angewiesen sind und oft keine eigene Lademöglichkeit haben. Im Vergleich zu Verbrennern seien Elektroautos im Durchschnitt fünf Prozent teurer, bei Benzinern betrage die Differenz sogar zwölf Prozent. Der Wertverlust macht mit rund 68 Prozent den größten Anteil an den Gesamtkosten eines E-Pkw aus.
Agora empfiehlt daher eine einkommensabhängige Anschaffungsförderung für batterieelektrische Fahrzeuge bis zu einem Kaufpreis von 60.000 Euro. Förderbeträge zwischen 3000 und 4000 Euro könnten die Kostenlücke schließen. Auch der Gebrauchtwagenmarkt soll stärker berücksichtigt werden, da hier besonders einkommensschwache Haushalte aktiv sind. Eine differenzierte Förderung für gebrauchte E-Pkw sowie standardisierte Prüfverfahren für Batterien könne Vertrauen schaffen und Restwerte stabilisieren.
Neben finanziellen Anreizen spielt die Ladeinfrastruktur eine Schlüsselrolle. Wer zuhause oder am Arbeitsplatz laden kann, zeigt eine um 76 Prozent höhere Kaufbereitschaft. Dennoch verfügen nur 21 Prozent der Haushalte über eine private Lademöglichkeit, und davon fahren bislang lediglich 30 Prozent elektrisch. Agora fordert daher den Abbau bürokratischer Hürden und die gezielte Förderung von Ladepunkten in Mehrfamilienhäusern.
Agora schlägt Transparenzstelle vor
Ein weiteres Problem seien die hohen und intransparenten Preise an öffentlichen Ladesäulen. Wer ausschließlich öffentlich lädt, zahlt fast doppelt so viel wie beim privaten Laden, heißt es im Papier. Das Rechtsgutachten der Kanzlei Becker Büttner Held sieht hier Verstöße gegen das Diskriminierungsverbot der EU-Verordnung AFIR. Agora schlägt die Einrichtung einer Markttransparenzstelle vor, um faire und vergleichbare Preise sicherzustellen.
Nur ein Gesamtpaket aus finanziellen, infrastrukturellen und kommunikativen Maßnahmen könne den Hochlauf der Elektromobilität beschleunigen. Die Zeit drängt, heißt es in der Studie – nicht nur für die Klimaziele, sondern auch für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie.



