Bild: © alho007/Adobe Stock

Wenn es um den Ausbau der Ladeinfrastruktur ging, schienen Energieversorger und Autohersteller bislang auf zwei Seiten des Tisches zu sitzen. Gegenseitige Schuldzuweisungen zum schleppenden Ausbau waren die Regel. Das hat sich offenbar geändert - zumindest legte das der Verlauf des Elektromobilitäts-Panels auf dem „Handelsblatt“-Energiegipfel nahe.

„Wir wissen alle, wo es hingeht“, erklärte Elke Temme von Volkswagen Group Compoments - und erhielt ungeteilte Zustimmung von Markus Hilkenbach, Chef der WSW Wuppertaler Stadtwerke sowie von Andreas Booke, GridX. Das Auto wird Teil des Energiesystems; nötig seien der Ausbau der Ladeinfrastruktur genau wie das bidirektionale netzdienliche Laden sowie die Digitalisierung der Netze.

Kupfer wird belohnt, Intelligenz nicht

Einigkeit bestand auch über die Haupthürde: Die derzeitige Netzregulierung sei nicht auf Elektromobilität vorbereitet. „Belohnt wird Kupfer statt Intelligenz“, brachte es Booke auf den Punkt. Das Stromnetz sei in der Lage, das Wachstum der kommenden Jahre, das auch durch die Elektromobilität verursacht wird, zu stemmen. Der Ausbau sei kein technologisches, sondern ein regulatorisches Thema. „Investitionen in intelligente Netze scheitern am Anreizsystem, das nur den Ausbau belohnt“, betonte Hilkenbach.

Bleibt die Frage nach der Finanzierung: Dass sich viele Ladesäulen derzeit nicht rechnen, daran ließ Hilkenbach keinen Zweifel. Doch für die Zukunft differenzierte der WSW-Chef. Vier Bereiche seien bei der Elektromobilität zu betrachten: Für das Geschäft mit Wallboxen zeigte sich Hilkenbach optimistisch. Das könne sich von allein skalieren und rechnen. Auch die Ausrüstung von Gewerbe- oder Industriekunden mit Ladeinfrastruktur könne attraktiv werden. Bei öffentlicher Ladeinfrastruktur müsse man sich die Frage stellen, ob Säulen in Zukunft wirklich an jeder Ecke stehen müssen. Im Bereich Schnellladen wiederum wollen die Wuppertaler auf Kooperationen setzen.

30 Laternen auf 1000 Bewohner

Problemfeld bleiben urbane Gebiete mit Mehrfamilienhäusern. Wenn tausend Leute auf einem Fleck und ohne Tiefgaragen wohnen, reichen 30 Laternen mit Ladefunktion nicht, umriss Hilkenbach die Situation. Hier müssten die Autos besser werden. Dem wollte Temme gar nicht widersprechen. Sie verwies einerseits auf die Erfolge der vergangenen Monate, was die Reichweite von Elektroautos angeht. Klar sei aber auch: „Nur wenn der Kunde sich sicher fühlt, dass er sein Ziel auch erreicht, wechselt er zur Elektromobilität.“

Das anschließende Best-Practice-Beispiel lieferten Christian Hauschild von den SWN Stadtwerken Neumünster und Burkhard Seizer vom Immobilien-Berater Drees&Sommer. Gemeinsam mit Enercity aus Hannover sowie dem Bauunternehmen Pohl haben die Unternehmen LARA, ein Mittelstands-Konsortium für Schnellladen gegründet. „300 kW ist der neue Standard“, erklärte Hauschild; fünf Minuten Laden für 100 km Strecke.

Auch die Aufenthaltsqualität ist wichtig

Ebenso wichtig wie die Schnelligkeit einer Ladestation seien aber auch Faktoren wie die Aufenthaltsqualität und das Gefühl von Sicherheit. Zudem soll es in Zukunft möglich sein, Ladesäulen reservieren zu können. (wa)

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