Zum festen Repertoire von Gründen, nicht auf Elektromobilität umzusteigen, gehört auch die Angst, an einer Säule zu stehen und nicht laden zu können. Aber was verhindert zuverlässiges, reibungsloses Laden von E-Fahrzeugen? Dieser Frage ging zwei Jahre lang das Forschungsprojekt „Wirkkette Laden“ auf den Grund.
Akteure aus Wirtschaft und Wissenschaft haben dabei anhand realer Vorgänge Fehlerquellen diagnostiziert. Darauf basierend haben sie einen Maßnahmenkatalog für eine nutzungsfreundlichere öffentliche Ladeinfrastruktur erstellt.

61 Personen dokumentierten ihre Ladeversuche
Die Daten realer Ladevorgänge wurden mit Erkenntnissen aus Reallabor-Versuchen in Hamburg und München ergänzt. 61 Personen, die ein Elektrofahrzeug nutzen, dokumentierten sechs Monate lang ihre Ladevorgänge. Hierzu standen verschiedene Fahrzeugmodelle unterschiedlicher Hersteller und Ladestationen von 11 kW bis 350 kW Leistung bereit.
Für die fehlerhaften Ladevorgänge, die an der Infrastruktur der Projektpartner stattfanden, wurde das Feedback der Studienteilnehmenden ausgewertet sowie die zugehörigen Datenaufzeichnungen betrachtet. In 44 Prozent der Fälle wurde das technische Problem an der Ladestation verortet.
Die Zahl der Schnittstellen ist extrem hoch
In einem weiteren Schritt analysierte das Konsortium die Qualität von Normen und Vorgaben, die die Schnittstellen des gesamten Ladevorgangs jeweils spezifizieren. Die Grafik „Big Picture“ gibt eine Übersicht über das Ökosystem Laden. Es stellt die vielen Schnittstellen dar, die sich zwischen dem Aufsuchen einer Ladesäule via App über das Laden bis hin zum Bezahlvorgang zwischen Kunden, Geräteherstellern, Ladestationsbetreibern, Netzwirtschaft und Fahrstromanbietern ergeben.
Mit „12 Gestaltungsprämissen für öffentliche Ladestationen“ hat das Konsortium einen Maßnahmenkatalog für die beteiligten Marktteilnehmer definiert. Sie enthalten Empfehlungen unter anderem zur einheitlichen Verwendung des EVSE-Identifikationscodes, mit dem jede Station versehen ist. Daneben sollten Stationen gut sichtbar etwa Kurzanleitungen zu Authentifizierungsverfahren oder die Nummern von Hilfe-Hotlines bieten. Und Bedienelemente sowie die Displays sollten bei jeder Witterung bedien- und ablesbar sein.
Koordiniert wurde das Projekt durch die NOW GmbH und den Projektträger Jülich. Neben der Charging Interface Initiative (CharIN) als Konsortialführer waren die Universität Stuttgart, das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, ABB, Stromnetz Hamburg, BMW, EWE, EcoG, Digital Charging Solutions und Ionity am Projekt beteiligt. (wa)



