Nach der Einführung des 9-Euro-Tickets haben viele Menschen in der Region München ihr Mobilitätsverhalten geändert. Das zeigt eine Studie der Technischen Universität München (TUM). Sie sei das einzige Forschungsprojekt zum 9-Euro-Ticket, das die tatsächlich zurückgelegten Wege digital erfasst.
Demnach fahren mehr als 20 Prozent der Teilnehmenden, die vorher keine öffentlichen Verkehrsmittel genutzt hatten, nun Bus und Bahn. Gut ein Drittel war häufiger als zuvor im ÖPNV unterwegs.
App wurde eigens für die Studie entwickelt
Nach TUM-Angaben nutzten rund 1000 Erwachsene aller Altersstufen eine Smartphone-App, die eigens für die Studie entwickelt wurde. Die App registriert Wege und Verkehrsmittel. Damit kann das Forschungsteam die Daten beispielsweise nach exakten Streckenlängen und Zeiträumen auswerten.
Erste Auswertungen der bis Mitte Juli erhobenen Daten zeigen: 35 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer fuhren häufiger mit öffentlichen Verkehrsmitteln, nachdem das 9-Euro-Ticket eingeführt worden war. Drei Prozent nutzten seltener ihr eigenes Fahrzeug. 22 Prozent der Teilnehmenden waren vorher nicht Bahn und Bus gefahren und nutzten nun diese Angebote, ein Viertel von ihnen sogar an mehr als drei Tagen pro Woche.
„Es war nicht zu erwarten, dass sich das tägliche Verhalten wegen eines neuen Angebots radikal ändert. Umso höher einzustufen ist der Anteil der Menschen, die erstmals mit Alternativen zum eigenen Auto unterwegs sind“, sagt Studienleiter Klaus Bogenberger.
Die Neugier klingt ab, aber das Ergebnis überzeugt
Diejenigen, die bislang nur oder hauptsächlich mit eigenen Fahrzeugen unterwegs waren, nutzten den öffentlichen Verkehr in der ersten Junihälfte intensiver als im Juli. „Die Menschen haben beim Start des 9-Euro-Tickets Bus und Bahn getestet“, sagt Bogenberger. „Wenn das Neue dann normal wird, klingt die Neugier wieder etwas ab. Aber das wichtige Ergebnis ist: Viele haben die öffentlichen Verkehrsmittel in ihren Alltag integriert.“
Die Projektergebnisse spiegeln sich auch in Daten wieder, die die Stadt München zum Verkehrsaufkommen erhebt: Erstmals gab es im Juni weniger Autoverkehr als im Mai. Rechnet man den Sondereffekt der Ferienzeiten raus, betrug die Differenz drei Prozent, während sonst von Mai zu Juni ein Plus von drei Prozent üblich ist. „Das klingt vielleicht zunächst nach einem kleinen Unterschied – aber dass es diese Änderung im Jahreszeitraum gibt, ist außergewöhnlich“, betont Forschungsteamleiter Allister Loder.
Menschen, die ein Auto besitzen, und Menschen, die auf dem Land leben, hatten eine leicht geringere Bereitschaft, das 9-Euro-Ticket zu kaufen. Keinen Unterschied gab es aufgrund des Einkommens der Befragten. (wa)



