Die Verkehrswende soll kommen, der Anteil des öffentlichen Nahverkehrs am "Modal Split" muss dafür steigen – doch die dafür nötigen Busfahrer fehlen. Zu viele Fahrer stehen kurz vor dem Beginn der Rente. Die Branche bemüht sich, sie findet sogar immer mehr Personal. Aber es reicht nicht.
Zu seiner Jahrestagung unter dem Titel "Menschen im Fokus – Fachkräfte, Fahrgäste, Vielfalt" hat der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) eine Branchenstudie vorgestellt. Die Entwicklung beim Personal ist demnach sehr ambivalent. "Es sind Ergebnisse, die inmitten einer besorgniserregenden Entwicklung hoffnungsfroh stimmen", so VDV-Präsident Ingo Wortmann.
Hohes Durchschnittsalter
Rund 100.000 Busfahrer und Busfahrerinnen gibt es derzeit. Deren Durchschnittsalter ist mit 51 Jahren relativ hoch. In den kommenden Jahren werden jährlich bis zu 6000 von ihnen in Rente gehen. Gleichzeitig progostizieren die Unternehmen in der VDV-Umfrage, dass sie die Zahl ihrer Mitarbeitenden bis 2030 um rund 21 Prozent erhöhen müssen, um den politisch geforderten Wachstumszielen der Verkehrswende genügen zu können.
Dabei fehlen schon jetzt rund 20.000 Fahrerinnen und Fahrer bei den öffentlichen und privaten Verkehrsunternehmen. Fast die Hälfte der Unternehmen hat angegeben, aus personellen Gründen den Betrieb im vergangenen Jahr zumindest zeitweilig eingeschränkt zu haben. Es ist schwer genug, den Status quo zu halten, von einer Erweiterung des Angebots kann in der augenblicklichen Lage kaum die Rede sein.
Suche in allen Bereichen
Doch es gibt auch deutliche Hoffnungszeichen. "Wir sehen ein gesteigertes Interesse der Bewerberinnen und Bewerbern, für Bus und Bahn zu arbeiten", heißt es beim VDV. Gleichzeitig geben 74 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sie 2023 mehr Kolleginnen und Kollegen eingestellt haben als noch im Vorjahr, als die Werte schon sehr hoch waren. "Das müssen sie auch, denn es ist noch ein weiter Weg, die demografisch verursachten Effekte wettzumachen und uns personell aufzustellen für Angebotsausbau und Mobilitätswende", so Wortmann.
Am dringlichsten wird laut VDV-Branchenumfrage Personal im Fahrdienst gesucht, gefolgt von gewerblich-technischem Personal. "Aber man kann hinschauen, wo man will, wir suchen in allen Bereichen", so Wortmann.
Mit rund 20 Prozent Frauen in der Belegschaft ist deren Anteil noch sehr überschaubar. Aber er sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Hier wollen die Unternehmen ansetzen. Viel hänge da bereits von der Ansprache und den passenden Arbeitszeitmodellen ab. "Angesichts von aktuell nur 12 Prozent Teilzeitbeschäftigung und 75 Prozent geteilten Diensten müssen wir künftig dafür sorgen, bessere Rahmenbedingungen für unsere Kolleginnen und Kollegen zu schaffen – nicht nur, um neue Leute einzustellen, sondern auch, um das vorhandene Personal nachhaltig zu binden."
Potenzial auch im Ausland
Ein weiterer möglicher Hebel: Nur 13 Prozent der Unternehmen rekrutieren bereits aktiv im Ausland. "Wir müssen uns die Arbeitsmarktdaten kritisch anschauen, ob das künftig reicht. Auch bei der Rekrutierung im Ausland gibt es noch viel Potenzial, das wir als Branche gemeinsam heben können", so Wortmann. (wa)



