Erstmals in Deutschland testen Projektpartner autonomen Nahverkehr auf SAE-Level 4.

Erstmals in Deutschland testen Projektpartner autonomen Nahverkehr auf SAE-Level 4.

Bild: © RMV/DB/Arne Landwehr

Nahverkehrs-Tests mit autonom agierenden Fahrzeugen gab es in den vergangenen Jahren bereits mehrere. Vielleicht am bekanntesten ist der selbst fahrende Bus in Bad Birnbach. Bei solchen Projekten sind die Fahrzeuge im SAE-Level 3 unterwegs – es gibt einen Sicherheitsfahrer, der jederzeit bereit sein muss, das Lenkrad zu übernehmen. Doch das autonome Fahren entwickelt sich weiter: Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und die Deutsche Bahn (DB) wollen in den kommenden Wochen und Monaten im Projekt „KIRA“ einen Shuttle testen, der von Tür zu Tür fährt und auf Level 4 unterwegs ist.

In Darmstadt und im Kreis Offenbach fahren dann Autos auf Level 4 im normalen Straßenverkehr mit. Erstmals liegt dann die Entscheidung über alle Fahrmanöver beim Fahrzeug. Im Testbetrieb ist zwar immer noch ein Sicherheitsfahrer an Bord. Technisch sind die Fahrzeuge aber so weit, dass sie ohne Fahrer auskämen. Sie sind dafür ausgelegt, auch in komplexen städtischen Situationen zurecht zu kommen. Und in Notfällen können sie sich ohne Hilfe des Fahrers in einen sicheren Betriebszustand begeben, also etwa an den Straßenrand fahren.

Ein Sicherheitsfahrer fährt mit, ist aber aus technischer Sicht eigentlich nicht nötig.Bild: © RMV/DB/Arne Landwehr

Eine Verlängerung über 2024 hinaus ist geplant

In der nächsten Zeit nehmen insgesamt sechs autonome Shuttles in Teilen der Stadt Darmstadt und des Kreises Offenbach schrittweise ihren Betrieb auf. Sie fahren in den Betriebsgebieten der regionalen Projektpartner HEAG mobilo und Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach (kvgOF). Die Test- und Implementierungsphase ist für das laufende Jahr angesetzt. Eine Verlängerung ist ausdrücklich geplant.

Fahrgäste können im KIRA-Shuttle vorerst noch nicht mitfahren. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können sich später als Testnutzerinnen und Testnutzer bewerben und die Shuttles dann über eine eigene App buchen.

Die entsprechende Level-4-Erprobungsgenehmigung für das KIRA-Projekt hat das Kraftfahrt-Bundesamt erteilt. Der Projektname KIRA steht für "KI-basierter Regelbetrieb autonomer On-Demand-Verkehre". Die Federführung haben dabei die DB und der RMV.

Zu Beginn wird das Kartenmaterial geprüft

KIRA ist nach Angaben der Projektpartner in Deutschland das erste Projekt, das autonome Fahrzeuge für den ÖPNV auf der Automatisierungsstufe Level 4 testet. Die Fahrmanöver der Fahrzeuge werden von technischem Aufsichtspersonal überwacht. Die Technologie mache es möglich, mit normaler Geschwindigkeit am regulären Straßenverkehr sicher teilzunehmen. Auf den ersten Fahrten soll vor allem das eingebaute Selbstfahrsystem von Mobileye geprüft werden. Dabei wird das Kartenmaterial des Betriebsgebietes kontrolliert und sichergestellt, dass alle Datenpunkte entlang der Straße korrekt sind.

Ziel ist, dass der ÖPNV mit autonomen On-Demand-Fahrdiensten flexibler und attraktiver werden soll. Gerade in ländlichen Gegenden könne ein solches System für flächendeckende Mobilität sorgen. Eine intelligente Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel soll eine nahtlose Mobilität von Tür zu Tür ermöglichen, die so flexibel ist wie das eigene Auto.

Ursprünglich hätte das Projekt bereits ein Jahr früher in die Testphase gehen sollen. Damals war jedoch die Insolvenz der DB-Tochter Clevershuttle dazwischengekommen, die als Betreiber der Fahrzeuge vorgesehen war. (wa)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper