Bild: © VGF

Der Sommer hat ein paar fiese Tricks auf Lager, mit denen er auf den Betrieb von U- und Straßenbahnen einwirken kann. Gerade anhaltende Hitze kann Probleme bereiten. Ob Oberleitung, Gleise oder Steuerungsrechner – viele Einrichtungen können Schaden nehmen. Mit gezielten Aktivitäten versucht die VGF aus Frankfurt deshalb sicherzustellen, dass U- und Straßenbahnen auch bei Rekordhitze pünktlich und sicher fahren.

Nachspannung für die Oberleitung

Der Kupferdraht der Oberleitungen ist besonders anfällig für Hitze. Bei hohen Temperaturen dehnt sich das Material aus, was die Leitungen durchhängen lässt. Die Fahrleitungsanlage ist in der Lage, diese Ausdehnung in gewissem Rahmen zu kompensieren, hierzu sind Nachspannungen und Federn in der Fahrleitung montiert. Aufgrund der Erfahrung des heißen und trockenen Sommers 2018 hat die VGF die Nachspann-Einrichtungen angepasst. Wenn das nicht reicht, kann die Höchstgeschwindigkeit der U- und Straßenbahnzüge auf 50 Kilometer pro Stunde begrenzt werden, was in diesem Jahr aber noch nicht der Fall war.

Nicht nur der Fahrdraht dehnt sich, auch der Stahl der Gleise reagiert auf anhaltende Hitze mit „Gleisverdrückungen“. Ein rund 134 Kilometer langes Gleisnetz könne nicht gleichzeitig und flächendeckend überwacht werden, heißt es bei der VGF. Deshalb seien es meist aufmerksame Fahrer, die Beeinträchtigungen der Strecke bemerken. Aber: Eine Gleisverdrückung sei eher selten, die normale Temperaturspanne, die Gleisanlagen folgenlos aushalten, liegt zwischen –10 und 30 Grad.

Weiße Farbe verringert das Aufheizen

Unmittelbarer „Feind“ des Gleises ist der Schotter im Gleisbett. Der Basalt speichert die Wärme, was dazu führt, dass die VGF in einzelnen Gleisabschnitten nachmittags Temperaturen von 55 bis 60 Grad misst. Um dem entgegenzuwirken, setzt die VGF auf zwei „Kniffe“. Zum einen wurde ein besonders stark der Sonneneinstrahlung ausgesetztes Gleisstück weiß gestrichen. Die helle Farbe verringerte das Aufhitzen des Stahls erheblich. In diesem Jahr hat ein Mitarbeiter einen schiebbaren Wagen entwickelt, der auf die Gleise aufgesetzt werden kann, um dann in der Vorwärtsbewegung mit einer Sprühvorrichtung den Schienenstahl gleichmäßig und auf beiden Seiten des Strangs zu weißeln – schnell, leicht zu handhaben, günstig, effizient.

Weiße Farbe ist nicht das einzige Mittel, das die VGF gegen Hitze hat: Mitarbeiter können neuralgische Stellen im Gleisnetz mit einem Spezialfahrzeug bewässern und so die Temperaturen des Materials drücken. Hier kommt dann aber (noch!) kein Spezialgerät zum Einsatz, sondern der gute alte Wasserschlauch.

Klimaanlage für die Server

Auch andere betriebstechnische Einrichtungen sind von der Hitze betroffen, zum Beispiel die Stellwerke entlang der Strecken. 26 Grad Raumtemperatur sind für die Server in diesen Stellwerken ideal. Um die ideale Arbeitstemperatur auch bei anhaltender Hitze zu sichern, wurden einige Stellwerke mit Klimaanlagen nachgerüstet. (wa)

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